Das gelbe Gebäude aus dem Jahr 1912 an der Schlieremer Bahnhofstrasse gehört zu 50 Prozent der Stadt. Dies wird vorerst auch so bleiben. Mit 20 zu 5 Stimmen votierte das Schlieremer Stadtparlament an seiner gestrigen Sitzung gegen den vom Stadtrat vorgebrachten Verkauf der Liegenschaft. Für 1,3 Millionen Franken sollte es an die Fincasa veräussert werden, die an dieser Stelle einen Ersatzneubau erstellen wollte.

Der Stadtrat begründet diesen Schritt mit dem Sparprogramm, das er seit einem Jahr verfolgt. So erfülle die Liegenschaft keine städtischen Bedürfnisse und fahre jährlich einen Verlust von 20 000 Franken ein. Investitionen in das alte Gebäude würden derweil sehr hoch ausfallen.

Die Rechnungsprüfungskommission (RPK) zeigte sich vom Verkauf keineswegs begeistert und lehnte den geplanten Verkauf ab. «Noch ist zu viel ungewiss. Die Stadt kann zu wenig Einfluss auf das geplante Projekt nehmen», sagte Dominik Ritzmann (Grüne). So begründete der Sprecher der RPK-Mehrheit die Ablehnung seines Gremiums zum Verkauf.


«Wir sprachen damals beim Kauf der Liegenschaft von einem Biss in den sauren Apfel – viel süsser ist er nicht geworden», sagte Liegenschaftsvorsteherin Manuela Stiefel (FDP). Gekommen war die Stadt zur Haushälfte im Jahr 2009. Dies im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens «Parkside» – so konnten Einsprachen gegen des Grossprojekt verhindert werden. Neben dem Kaufpreis von damals 2,3 Millionen Franken wurde im Vertrag auch ein lebenslanges Mietrecht einer Mietpartei sowie der Verzicht auf Mieteinnahmen vereinbart. Wegen diesen Bedingungen wurde der Kauf in den Kommentarspalten auch als Husarenstreich bezeichnet.


Aus einer halben wird eine runde Sache
Doch hält Stiefel fest: «In den letzten 15 Jahren hat die Stadt mit dem Landhandel im Zentrum einen Gewinn erzielt», so Stiefel. Der Kritik der RPK entgegnete sie, dass zahlreiche Abklärungen getroffen wurden. So sei das Grundstück zu klein, um es einer Baugenossenschaft im Baurecht abzugeben oder ein Hotel – die Stadt wünscht sich ein zweites in Schlieren – erstellen zu lassen.

«Der Eigentümer der Liegenschaft Corona hat 2005 wie auch heute eine gesamtheitliche Planung abgelehnt», so Stiefel. Sie sehe in diesem Verkauf die Möglichkeit, aus einer halben eine runde Sache zu machen.

Die SP-Fraktion sprach sich dezidiert gegen den Verkauf aus. «Generell sollte die Stadt versuchen, Liegenschaften in ihrem Besitz zu behalten. Bezüglich der regen Bautätigkeit geht es auch darum, einen gewissen Schlieremer Geist zu bewahren», sagte Sprecher Kushtrim Aziri.
«Wir sehen keine Notwendigkeit, das Gebäude jetzt zu verkaufen. Die Grünliberalen wollen vorher wissen, welche Art Ersatzneubau entstehen wird», sagte Songül Viridén von der GLP.


Thomas Widmer (Quartierverein) bezeichnete es sogar als «strategisch fahrlässig», mit dem Verkauf der Liegenschaft den Einfluss auf die Entwicklung der Bahnhofstrasse abzugeben. Er ging sogar noch einen Schritt weiter: «Ich möchte sehen, zu welchen Konditionen die Fincasa ihren Teil an die Stadt Schlieren verkaufen würde.»


Anders sah dies die FDP. Ihr Sprecher Daniel Frey stellte infrage, ob man mit einer renovierten Liegenschaft Bahnhofstrasse 13 Rendite machen könne. Letztlich gelte jedoch: «Die Sanierung der Liegenschaft oder die Erstellung eines Ersatzneubaus ist nicht Aufgabe der Stadt.»


Seine Fraktion sei hässig, darüber wie es mit dem Kauf der Liegenschaft 2009 gelaufen sei, sagte Beat Kilchenmann (SVP). «Der Mist ist geführt und wir können den Kauf nicht mehr rückgängig machen. Um nicht noch mehr Steuergelder zu verschleudern, ist der Verkauf wohl die beste Lösung», so Kilchenmann. Nichtsdestotrotz enthalte sich seine Fraktion der Stimme in diesem Geschäft. Schliesslich unterband der Rat den Verkauf mit 20 zu 5 Stimmen, ohne Stimmen der SVP.