Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses Anfang Jahr kam für Alexandra Keller zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Gerade dann, als die Jungunternehmerin ihre Einzelfirma «HRzentrum» in eine GmbH umwandeln und eine Mitarbeiterin einstellen wollte. «Ich hatte zu diesem Zeitpunkt viele Aufträge und hätte Unterstützung gebrauchen können», erzählt die grossgewachsene, junge Frau. Mit dem starken Franken erledigte sich das personelle Problem allerdings von alleine. «Alle fünf Neukunden haben ihre Aufträge zurückgezogen oder verschoben.»

Doch von solchen Rückschlägen lässt sich Alexandra Keller nicht abschrecken. Mit gerade einmal 24 Jahren gründete sie im Mai 2014 das «HRzentrum», das sie derzeit von Bergdietikon aus führt. Das Outsourcing-Start-up bietet Firmen im Limmattal die externe Erledigung des Personalwesens und der Büroadministration an. Und trotz schwächelnder Wirtschaft ist Keller von dem Geschäftsmodell überzeugt: «Die Nachfrage ist da.» Gerade bei kleineren und mittelgrossen Unternehmen werde das Personalwesen nebenbei vom Chef erledigt und dabei völlig unterschätzt. «Nicht nur in kleinen Betrieben, auch bei grossen wird das dann unprofessionell gemacht», sagt Keller. So brauche ein Geschäftsführer für den Eintritt und die Anmeldung eines neuen Mitarbeiters bei den Sozialwerken gerne einmal zwei Wochen. «Weil ich die Abläufe kenne, benötige ich dafür einen halben Tag.»

Höheres Risiko, mehr Aufträge

Das Personalwesen auszulagern, bedeute für Firmen ohne eigenes Human Resource Management, sprich ohne Personalabteilung, zunächst keine Ersparnis, sondern eine Investition. «Letztlich spart das Geschäft aber an Zeit und Aufwand ein», sagt Keller. Und im Gegensatz zu anderen Outsourcing-Firmen gebe es bei ihr weder eine monatliche Pauschale noch eine Mindestvertragsdauer. «Bei mir bezahlen die Kunden lediglich die Stunden, in denen sie meine Dienstleistung beanspruchen», sagt Keller. Das bedeutet für die junge Geschäftsinhaberin selbst zwar ein finanzielles Risiko. Von den Firmen werde es aber geschätzt. «Und das bedeutet für mich wiederum mehr Aufträge.»

Keller ist in dieser frühen Geschäftsphase intensiv mit der Kundengewinnung beschäftigt. Dabei geht die in Endingen aufgewachsene Aargauerin äusserst akribisch vor: «Ich suche mir bei jeder Gemeinde sämtliche Firmen aus dem Telefonbuch raus.» Es sei ein günstiger Zeitpunkt, um ihre Dienstleistungen anzubieten. Keller ist zuversichtlich, im zweiten Halbjahr einige Aufträge an Land zu ziehen. «Aufs Jahresende hin gibt das Personalwesen mit Abrechnungen und neuen Arbeitsverträgen viel zu tun.»

Für «Baby» guten Job gekündigt

Keller weiss, wovon sie spricht. Bereits mit 17 Jahren hatte sie ein klares Ziel: «Ich wusste schon damals, dass ich ins Personalwesen möchte.» Nachdem sie als Personalberaterin tätig war, wurde sie mit 19 Jahren von einem grossen IT-Unternehmen mit 180 Angestellten für die Leitung des Personalwesens abgeworben. Neben der Personalchefin war Keller damals auch Assistentin der Geschäftsleitung. «Mit etwa 300 Stellenprozenten wurde mir die Belastung aber zu gross.» Sie verliess die Firma und leitete für kurze Zeit die Personalabteilung von Mercedes Benz in Schlieren. Als dort der Geschäftsführer – «der beste Chef, den ich je hatte» – kündigte, blieb auch Keller nicht mehr lange. «Ich sagte mir: Jetzt ‹seckle› ich nur noch für mich selber.»

Dass sie mit dem Schritt in die Selbstständigkeit auf einen ansehnlichen Lohn verzichten musste, nahm die junge Frau in Kauf. «Klar, am Anfang hatte ich ein wenig Angst vor dem Schritt, auch wegen der finanziellen Folgen», gesteht sie ein. Doch nicht nur finanziell musste sie seit Gründung des «HRzentrum» zurückschrauben. Auch das Privatleben kommt nun oft an zweiter Stelle. Daran gestört hat sich Keller aber nie. «Mir macht es nichts aus, wenn mich ein Kunde um 22 Uhr noch anruft.» Für «ihr Baby», wie sie die Firma nennt, hat sie neben der Freizeit nun auch lange auf Ferien verzichtet. «Als HR-Expertin sollte ich es eigentlich besser wissen», sagt sie und lacht.