Alkohol am Steuer

Mit 1,72 Promille hinter dem Steuer — der Spanier wurde verurteilt

Der Spanier schlief auf dem Fahrersitz als die Polizei beim Auto auftauchte.

Der Spanier schlief auf dem Fahrersitz als die Polizei beim Auto auftauchte.

Das Bezirksgericht Dietikon hat am Dienstag einen Spanier verurteilt, der mit 1,72 Promille am Steuer sass. Er muss 1900 Franken Busse zahlen.

1,72 Promille, aber der Motor stand nicht stille: So schlief der Spanier auf dem Fahrersitz den Schlaf der Gerechten, damals an Silvester, als kurz nach 20 Uhr die Polizei beim Auto auf­tauchte. In Urdorf, auf der Einfahrt zu einem Betriebsgelände.

Die Meinungen, wie es zu diesem Bild kam, das sich der Polizei darbot, gehen weit auseinander. Klar ist aber, dass der Mitt­vierziger schon so einige ­Stunden vor dem Jahreswechsel eins oder eher mehr über den Durst getrunken hatte. Um 11.30 Uhr sei es losgegangen, gab er ­gestern dem Dietiker Bezirksgerichts­vizepräsidenten Bruno Amacker über die Dolmetscherin zu verstehen. Bier, Wein und Grappa habe er dann mit seinen Kollegen ­getrunken. Zu feiern gab es nicht nur das bevorstehende neue Jahr, sondern auch den Umzug von einem Nachbarbezirk ins Limmattal.

Zu betrunken, um die ­richtige Adresse zu finden?

Er sei sich nicht gewohnt, so viel Alkohol zu trinken, gab der Beschuldigte dem Einzelrichter weiter zu verstehen. Sofa, Filmriss, alles schwarz. Und dann plötzlich sei er im Auto gesessen und von einem Kollegen ins Limmattal gefahren worden. Doch er sei nicht imstande gewesen, die Adresse des eigentlichen Ziels anzugeben.

Und so habe ihn der Kollege auf besagtem Urdorfer Betriebsgelände stehen lassen. Das ist die Version des Angeklagten. Wie sein Kollege wieder zurück in den Nachbarbezirk gekommen sein soll, kam vor Gericht nicht zur Sprache. «Für das Gericht tönt die Geschichte möglicherweise etwas konstruiert», sagte selbst der Verteidiger in seinem Plädoyer, das einen Freispruch zum Ziel hatte. Die Geschichte ging dann noch weiter.

Denn der Schlaf der Gerechten war nicht allzu angenehm in der Silvesterkälte. Der Mann sagte, er habe gefroren, sei aufgewacht und vom Beifahrersitz auf den Fahrersitz gewechselt. Motor an, Heizung an, wieder warm, weiterschlafen – bis ihn die Polizei auffand, die angesichts des laufenden Motors und des Umstands, dass der Mann hinter dem Steuer sass, den nahen Schluss zog, dass er das Auto selber nach Urdorf auf das Betriebsgelände gelenkt hatte.

So sah es dann auch die Staatsanwaltschaft, die wegen vorsätzlichen Fahrens in fahr­unfähigem Zustand eine Bestrafung mit einer bedingten Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu 110 Franken bei einer Probezeit von zwei Jahren forderte. Dazu eine Busse in der Höhe von 1900 Franken. Und die Auflage der Verfahrenskosten in der Höhe von mehreren tausend Franken. Das Gericht folgte dem staatsanwaltschaftlichen Antrag.

Die angetroffene Situation alleine komme schon einer erdrückenden Beweislage gleich, erklärte Richter Amacker. Es lasse sich nicht erschliessen, wieso das Auto mit laufendem Motor und dem Mann hinter dem Steuer genau an diesem Ort stand. «Es gibt nichts, was vernünftige Zweifel erweckt und es gibt auch keine Bestätigung für die Darstellung des Beschuldigten. Nichts vermag ihn zu entlasten. Die Aussagen des Beschuldigten sind lebensfremd und leiden an Widersprüchen», so Amacker. Zudem hielt er fest, dass vieles gegen einen Filmriss spreche – zumal sich der Beschuldigte an vieles eben doch erinnerte und er im Gespräch mit den Polizisten mitgemacht und nicht so gewirkt habe, als ob er keine Orientierung gehabt hätte. «Es passt einfach nicht zusammen. Wir haben nichts, das die Aussagen des Beschuldigten stützen würde», so Amacker.

«Ich bin ein normaler Mensch»

Und so zeigte sich das Gericht überzeugt, dass der Mann das Auto selber – mit viel Alkohol intus – nach Urdorf gelenkt hatte. Darum die Verurteilung. In seinem letzten Wort hatte der Spanier nochmals darauf hingewiesen, dass er ein normaler Mensch sei, der sich noch nie etwas zuschulden habe kommen lassen, und dass er nicht selber gefahren sei. In der Befragung machte er in Bezug auf den Strafantrag zudem klar, dass ihm dieser ungerecht erscheine. Das sah das Gericht anders.

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