Dietikon
Mit 15 Impfungen und einem guten Schuss Nervosität nach Afrika

Linda Fuchs reist für ihre Maturarbeit drei Monate nach Afrika für den Besuch von Waisenhäusern. Um für die Kinder Spenden zu sammeln – ebenfalls im Rahmen ihrer Maturarbeit – organisiert die 17-Jährige ein Benefizkonzert.

Anina Gepp
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Die 17-jährige Linda Fuchs sucht das grosse Abenteuer: Für ihre Maturaarbeit besucht sie zwei Waisenhäuser in Kenia.

Die 17-jährige Linda Fuchs sucht das grosse Abenteuer: Für ihre Maturaarbeit besucht sie zwei Waisenhäuser in Kenia.

GEP

In knapp drei Monaten beginnt für Linda Fuchs ein grosses Abenteuer. Die 17-jährige Schülerin der Kantonsschule Limmattal fliegt nach Kenia. Ziel ihrer Reise ist es, für zwei Wochen einen Einblick in zwei Waisenhäuser zu erhalten und das Erlebte vor Ort für ihre Maturaarbeit zu dokumentieren. Schon jetzt sei sie extrem nervös, so Fuchs. Es ist das erste Mal, dass die junge Frau Europa verlässt.

Doch ganz alleine ist die Maturandin nicht. Die in Weiningen wohnhafte Yvonne Brändle-Amolo wird Fuchs auf ihrem Weg begleiten. Die gebürtige Kenianerin leitet die Waisenhäuser, die Fuchs besuchen wird, und kennt sich mit der Kultur Afrikas aus. «Sie ist eine grosse Stütze für mich», so Fuchs.

Bevor die Limmattalerin aber ihre Koffer packt, gibt es noch eine Menge vorzubereiten und zu planen. 15 Impfungen, das Beantragen des Visums und der Einkauf von geeigneter, mückensicherer Kleidung: Fast täglich komme ihr wieder etwas Neues in den Sinn, das sie noch bedenken müsse, so Fuchs.

Eine einmalige Gelegenheit

Doch die Vorfreude überwiegt: Die afrikanische Kultur interessiert Fuchs schon sehr lange. Deshalb möchte sie nach Beendigung der Schule Medizin studieren, um später in einem Drittweltland als Ärztin arbeiten zu können. Durch diese erste Reise nach Kenia erhofft sich die junge Frau, einen Eindruck über die Aufgabenbereiche in diesem Tätigkeitsfeld verschaffen zu können.

Die Kinder in einem der Waisenhäuser sind an Aids erkrankt. Noch kann Fuchs schwer abschätzen, wie sie damit umgehen wird. Sicher sei es aber eine einmalige Gelegenheit, mit diesen Kindern zusammenarbeiten zu können, sagt sie. Auch ist sie umgekehrt gespannt, wie die Kinder auf sie reagieren werden. Viele von ihnen hätten noch nie zuvor einen weissen Menschen gesehen.

Ihre Eltern unterstützen Fuchs in ihrem Vorhaben. Vor allem ihre Mutter mache sich aber schon Sorgen, so die Schülerin. Gerade jetzt, wo es vor kurzem zu erneuten Anschlägen im Osten Kenias gekommen ist, sei sie sehr besorgt. «Man darf sich von solchen Dingen aber nicht einschüchtern lassen», sagt Fuchs. Klar sei eine gewisse Angst auch bei ihr immer im Hinterkopf, aber sie überwiege nicht. Sie reise schliesslich in ein relativ sicheres Gebiet, und das auch bewusst nicht alleine.

Um für die Waisenkinder in Kenia Spenden zu sammeln organisiert Fuchs – ebenfalls im Rahmen ihrer Maturarbeit – am 5. Juni um 20 Uhr ein Benefizkonzert in der Kirche in Oberengstringen. Dabei werden afrikanische Lieder vorgetragen. Gesungen werden die Stücke von einem Ad-hoc-Freiwilligenchor, in dem Jugendliche und Schulkollegen mitsingen. Der Limmi-Chor unterstützt die jungen Sängerinnen und Sänger ebenfalls.

Die Organisation dieses Konzerts und die Reise beanspruchten sicher mehr Zeit als andere Maturaarbeiten, die nur schriftlich verfasst würden, so Fuchs. Dennoch sei für sie nie ein anderes Thema infrage gekommen, so Fuchs. Ihr Lehrer unterstütze sie bei der Betreuung der Arbeit und sei sehr interessiert. Doch Fuchs geht es sowieso um mehr als nur um eine gute Note. «Ich möchte durch die Reise nach Kenia etwas für meinen weiteren Lebensweg mitnehmen», sagt sie. Wenn ihr die Arbeit mit den Waisenkindern in Kenia gefalle, könne sie sich gut vorstellen, nach Beendigung der Schule ein Praktikumsjahr vor Ort zu absolvieren, bevor sie ihr Studium aufnehme.