Literatur

Mirjam Wyser über die hohe Kunst, ein Buch zu schreiben

Das kleine Holzäffchen Kikibu hat Autorin Mirjam Wyser von einem ihrer drei Söhne geschenkt bekommen. flo

Das kleine Holzäffchen Kikibu hat Autorin Mirjam Wyser von einem ihrer drei Söhne geschenkt bekommen. flo

Der lange Weg von der Idee im Kopf bis zum fertigen Buch im Regal – die Birmensdorfer Autorin Mirjam Wyser erzählt.

Der Wunsch, seine Gedanken auf Papier zu verschriftlichen, ist vielen Menschen gemeinsam. Doch nur eine Minderheit folgt diesem Impuls und noch viel weniger haben das Durchhaltevermögen, die eigenen Texte so lange zu bearbeiten und zu begleiten, bis ein Buch daraus entsteht.

Bei Mirjam Wyser hat lange nicht viel darauf hingedeutet, dass sie mal zur Buchautorin wird. Doch bei der zurzeit laufenden Frankfurter Buchmesse werden gleich drei neue Jugend-Kinderbücher der Birmensdorferin vorgestellt. Damit hat die gelernte Fotolaborantin und Stylistin ihr literarisches Pulver aber noch längst nicht verschossen: «Ich habe noch vier bis fünf fertige Manuskripte in der Schublade.»

«Kikibu» von Mirjam Wyser

«Kikibu» von Mirjam Wyser

Inspiration finden

Vor der erfolgreichen Buchpublikation steht zuerst ein langwieriger Entstehungsprozess an, der einiges an Durchhaltevermögen erfordert. Dabei können viele verschiedene Wege zum Ziel führen, ein allgemeingültiges Erfolgsrezept existiert nicht. Das beginnt bereits bei der Themenfindung. Mögliche Methoden sind etwa die aktive Recherche und Lektüre anderer Werke oder die Beobachtung im Alltag. Bei Mirjam Wyser läuft es allerdings anders ab. Weil ihre drei Söhne mittlerweile alle ausgeflogen sind, hat sie genug Zeit, bewusst durch den Alltag zu gehen und Ideen auf sich zukommen zu lassen.

Dei Entstehung ihrer neuen Bücher nahm auf unterschiedliche Weise ihren Lauf. Die Idee, eine Geschichte über einen frechen Affen zu schreiben, wurde als Vorschlag von aussen an sie herangetragen. Das namensgebende Krugelmonster ist entstanden, weil einer ihrer drei Söhne das Wort im Alltag benutzte. Der Ausdruck blieb ihr hängen und in Gedanken formte sich langsam eine Vorstellung mit dazugehöriger Geschichte.

Ist die Idee geboren, «dauert es manchmal nur ein bis zwei Wochen, bis das Grundgerüst steht», sagt Wyser. Allerdings komme es auch vor, dass sie viel länger brauche, bis die Handlung wirklich Form angenommen hat. Beim Ausgestalten und Schreiben der Geschichte folgt die Autorin ihrer Intuition. Schreiben ist für sie nicht einfach blosses Handwerk. «Ich kann nur meine eigenen Gedankenbilder beschreiben und nicht strikt nach Auftrag arbeiten», sagt sie.

Nachts kommen die Ideen

Ihre Gedanken schreibt sie in Notizblöcken auf, teilweise an unterschiedlichsten Orten. Die verschiedenen Fragmente überarbeitet sie auf dem Computer und verbindet sie schliesslich zur zusammenhängenden Geschichte. Manchmal schreibt sie auch gleich an mehreren Geschichten gleichzeitig und ein Manuskript bleibt dann schon mal für längere Zeit unberührt liegen. «Vielleicht bin ich auch eine Chaotin», sagt Wyser lächelnd.

«Häufig kommen mir nachts oder am frühen Morgen neue Ideen», sagt sie. Auch Ferien seien oft intensive Phasen der Entstehung, weil sie den Gedanken den nötigen Freiraum geben, um sich zu entfalten.

«Nadelspitzen im schwarzen Samt» von Mirjam Wyser

«Nadelspitzen im schwarzen Samt» von Mirjam Wyser

«Ich habe das Gefühl, dass ich nie wirklich fertig bin, aber irgendwann muss man ein Buch abschliessen», sagt Wyser. Statt dem Geschriebenen nachzuhängen, lässt sie ihre Ideen für Verbesserungen lieber ins nächste Projekt einfliessen. Damit das fertige Manuskript nicht einfach in der Schublade verstaubt, soll es an die Öffentlichkeit gelangen. Dank der sozialen Vernetzung im Internetzeitalter sind die Möglichkeiten dafür zahlreicher und die Hürden tiefer geworden. Grosse E-Book-Plattformen ermöglichen etwa die Publizierung eines Werks in digitaler Form. Auf Crowdfunding-Plattformen wie «wemakeit» können Autoren den Druck ihres Manuskripts gleich von der Leserschaft finanzieren lassen, ohne dabei wie bei Selbstzahlerverlagen viel Geld vorschiessen zu müssen.

Mit Beharrlichkeit zum Verlag

Der einfachste Weg zur Veröffentlichung führt aber auch heute noch über einen Verlag. Im deutschsprachigen Raum gibt es viele kleinere Verlage, die sich teilweise auf bestimmte Sparten spezialisiert haben. Nachdem ihr alter Verlag in Konkurs ging, wurde Wyser für ihre neuen Bücher über ein Autorennetzwerk in den sozialen Medien fündig. Dem noch jungen Franzius-Verlag aus Bremen gefielen die Bücher der Birmensdorferin, weitere Publikationen sind bereits in Planung. Doch der Weg dorthin war beschwerlich und führte zunächst über mehrere Absagen.

Der Vorteil der Risikominimierung – der Verlag übernimmt alle Produktions- und Distributionskosten – bedingt aber auch Kompromisse. Zur Freude Wysers finanziert der Franzius-Verlag auch alle Illustrationen für ihre Bücher. Der vom Verlag ausgewählte Illustrator hat ausgehend vom Text gestalterisch freie Hand. Bisher war Wyser aber immer sehr zufrieden mit den Bildern und die Arbeit mit dem Verlag verlaufe sehr gut.

Nach der Korrektur schickt der Lektor das Manuskript zurück an die Autorin. Auf den Internetseiten der Verlage wird die Wichtigkeit dieser häufig etwas anstrengenden Phase betont. Denn obwohl die kreative Arbeit beendet ist, können nochmals ausführliche Fleissarbeiten anfallen. Nicht so bei Wyser: Die Kooperation mit dem Franzius-Verlag verlaufe optimal, sagt sie. Beim Lektorat gehe es vor allem um den Feinschliff und sie habe anschliessend meist nicht mehr allzu viel zu tun. Ein bis zwei Monate später erscheinen ihre Manuskripte dann als fertige Werke im Buchhandel und der ganze Prozess fängt wieder von vorne an. Denn die nächste Idee wartet bereits darauf, mit der Öffentlichkeit geteilt zu werden.

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