Wenn Hans Mosimann die Tore seiner grossen Scheune in Aesch öffnet, erblickt man keinen Traktor, sondern eine vertraute gelbe Motorhaube. Beinahe ist ein «Tü-ta-to» zu hören, denn er unterhält eine Flotte mit vier ausgedienten Postautos, mit denen er nostalgische Oldie-Touren anbietet. Die erwähnte Haube gehört einem Alpenwagen IIIa der Marke Saurer mit Jahrgang 1953. «Es war das erste Postauto, das ich mir angeschafft habe», sagt Mosimann und blickt stolz auf seinen ältesten Wagen, der das erste Postauto mit festem Dach und Oberverglasung war.

Aufgewachsen ist Mosimann auf dem Hof in Aesch, auf welchem er heute noch mit seiner Familie lebt. Als man sich jedoch entschied, die Landwirtschaft aufzugeben und das Land zu verpachten, begann er vorerst aushilfsweise Reisebus zu fahren. «Als Chauffeur konnte ich an viele Orte fahren und schnell realisierte ich, dass ich am Fahren und an den Dingen, die ich sah, viel Freude hatte.»

Es war ein Beruf, der ihn schliesslich zur damaligen PTT führte: Als Postauto-Chauffeur sollte er bis zu seiner Pensionierung 22 Jahre lang verschiedene Strecken in Zürich und im Aargau befahren. Parallel dazu baute er sein eigenes Unternehmen auf. «Ein Freund fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, für ihn eine Geburtstagsfahrt mit einem alten Postauto zu machen. Und da bekam ich auch das Angebot, den Wagen gleich zu kaufen.»

 Das habe er sich gut überlegt, denn schliesslich schaffe man sich nicht «einfach so» ein altes Postauto an. Widerstehen konnte er aber nicht. 1994 gehörte der Alpenwagen ihm alleine. Ein Fahrzeug, das früher im Engadin und vorwiegend am Flüela-, Ofen-, und Julierpass eingesetzt wurde.

Keine Museumsobjekte

Das Geld für den Wagen – auch hier hüllt sich der Besitzer in Schweigen – nahm Mosimann fortan mit Nostalgie-Touren wieder ein. Das Geschäft florierte und Mosimann erhielt von einem ehemaligen Oldtimer-Partner das Angebot, ein weiteres Postauto zu kaufen. «Der Alpenwagen verfügt über 30 Sitzplätze, aber für grössere Gesellschaften war ein zweiter Wagen natürlich ideal.» Unterstützung erhielt er dann bei den Fahrten von ehemaligen Arbeitskollegen.

So kamen im Laufe der Jahre drei weitere Wagen dazu, die alle für eine andere Epoche in der Geschichte der Postautos stehen: Ein Alpenwagen IIIa Saurer mit Jahrgang 1962 mit Panorama- und Schiebedach, der seinerzeit bis nach Juf, dem höchstgelegenen Dorf der Schweiz, gefahren ist. Dann der Saurer-Reisewagen RH mit Jahrgang 1981, der bereits ein Frontlenker war und keine Kühlerhaube mehr hatte. Und schliesslich der Saurer 3 DUK mit Jahrgang 1972, der über einen Rollstuhllift verfügt und so auch gehbehinderte Menschen begeistert.

«Kein fanatischer Fan»

Mosimann betont, er sei kein «fanatischer Fan» von Postautos, obwohl er sichtlich Freude an seiner Flotte hat. Seine Wagen behandelt er daher nicht wie Museumsobjekte. «Mir geht es in erster Linie um das Fahrerlebnis und um die Nostalgie», sagt er. Deswegen ist er bei seinen Touren nicht nur als Chauffeur, sondern auch als «fahrendes Lexikon» im Einsatz, wie ihn gewisse Reisegäste gerne nennen.

«Der Grund dafür ist mein geografisches und geschichtliches Wissen.» Der Chauffeur informiert bei seinen Oldie-Touren die Passagiere jeweils immer via Mikrofon über allerlei Wissenswertes der Strassen und Gegenden, die gerade befahren werden. «Jetzt habe ich meine vier Wagen und ich will meine Fahrgäste immer wieder aufs Neue begeistern», so Mosimann.

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