Spital Limmattal
Mindestfallzahlen für Chirurgen: Regionalspitäler üben scharfe Kritik am Regierungsrat

Das «Limmi» prüft gemeinsam mit anderen Regionalspitälern rechtliche Schritte.

Bettina Hamilton-Irvine
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Tumoroperation im Spital Limmat: Neu soll bei einzelnen Eingriffen wie Brustkrebsbehandlungen Mindestfallzahlen pro Chirurg gelten.

Tumoroperation im Spital Limmat: Neu soll bei einzelnen Eingriffen wie Brustkrebsbehandlungen Mindestfallzahlen pro Chirurg gelten.

Emanuel Freudiger

Mit den vom Zürcher Regierungsrat kürzlich verkündeten Anpassungen an der Spitalliste sind die Verantwortlichen des Spitals Limmattal alles andere als glücklich. Zwar erfülle man auch die verschärften Anforderungen der Regierung, heisst es in einer Mitteilung vom Dienstag. Doch sei es schwer nachvollziehbar, dass unter der Begründung einer Qualitätssteigerung die Regionalspitäler geschwächt werden sollen.

Das Schlieremer Spital nimmt damit Bezug auf den Entscheid des Regierungsrats, in den nächsten eineinhalb Jahren zusätzliche Anforderungen an die Spitäler zu stellen. Heute ist die Grundlage der Versorgung die kantonale Spitalplanung 2012 mit den vor fünf Jahren eingeführten Spitallisten für die Bereiche Akutsomatik, Rehabilitation und Psychiatrie. Nach zehn Jahren sollen die Spitallisten gesamthaft erneuert werden. Trotzdem werden aus Sicht der Gesundheitsdirektion auch zwischendurch Anpassungen nötig. So sollen nun per Januar 2018 unter anderem die Mindestfallzahlen bei gewissen spezialisierten Eingriffen erhöht und Anpassungen im Bereich der Qualitätssicherung gemacht werden.

10

bis 50 Fälle muss ein Chirurg oder eine Chirurgin bei einzelnen spezialisierten Eingriffen ab 2019 neu pro Jahr vorweisen können. So will es der Zürcher Regierungsrat.

Zürich war der erste Kanton, der 2012 für einzelne spezialisierte Eingriffe in Spitälern Mindestfallzahlen festgelegt hat. Der Regierungsrat sieht darin eine wichtige Qualitätsanforderung für spezialisierte Leistungen, wie er letzte Woche mitteilte. Denn grundsätzlich gelte: «Mit steigender Fallzahl steigt die Qualität der Behandlung und sinkt das Risiko, dass bei einem Eingriff Fehler passieren.» Die Mindestfallzahlen von zehn Fällen pro Spital und Behandlung gelten seit 2012 für knapp 30 verschiedene stationäre Eingriffe. Eine Analyse der Gesundheitsdirektion zeigt, dass sich die Mindestfallzahlen positiv auf Qualität und Wirtschaftlichkeit ausgewirkt haben.

«Unnötige» Regulierung

Nun will die Regierung ab 2019 auch Vorgaben pro Chirurg einführen. Denn zahlreiche Studien würden belegen, dass sich die Behandlungsqualität durch eine Verbindung von Mindestfallzahlen pro Spital mit Mindestfallzahlen pro Operateur weiter verbessern liesse, teilt der Regierungsrat mit. Er plant bei einzelnen Eingriffen Mindestwerte von 10 bis 50 Fällen pro Operateur.

Das Spital Limmattal reagiert auf die verschärften Anforderungen mit Kritik. Zwar könne man nach wie vor das gleiche Leistungsspektrum anbieten, weil man die Mindestfallzahlen erfülle, heisst es in der Mitteilung vom Dienstag. Aber die zusätzliche Regulierung sei «unnötig» und schränke den Handlungsspielraum der einzelnen Spitälern ein. Zudem werde das Gesundheitssystem durch die zusätzlich nötige Administration und die Zentralisierung von Leistungen an den teureren Zentrums- und Universitätsspitälern weiter verteuert.
Gehandelt wie Fussballspieler

Das «Limmi» betont auch, die Qualität eines Eingriffes hänge von diversen Faktoren ab, nicht nur vom Chirurgen. «Überdies ist zu erwarten, dass zukünftig die spezialisierten Ärzte mit den entsprechenden Eingriffszahlen wie Fussballspieler gehandelt werden.» Dies sei sicher nicht im Interesse der Patienten, Spitäler und Ärzte.

Das Spital Limmattal will sich die neuen Vorgaben der Regierung nicht einfach so gefallen lassen. Die IG Primärspitäler.zh, zu der sich das «Limmi» und andere Regionalspitäler vor einigen Wochen zusammengeschlossen haben, zieht nun rechtliche Schritte gegen die Beschlüsse des Regierungsrats in Betracht.