Entscheidungsschwache Menschen haben es schwierig, wenn sie entlang der künftigen Limmattalbahn-Strecke ihr Auto tanken wollen. Denn die Auswahl ist riesig. Ein Beispiel ist die Badenerstrasse in Schlieren zwischen Goldschlägistrasse und Kesslerplatz. Mit Avia, BP und Socar buhlen hier drei Tankstellen um Kunden – in Sichtweite und mit den genau gleichen Preisen für Bleifrei und Diesel. Auch weiter östlich sind die Preise gleich: An der Badenerstrasse 812 und 814 in Zürich Altstetten sind Avia und Coop Pronto sogar direkte Nachbarn. Voraussichtlich ab 2017 wird hier die Limmattalbahn (LTB) gebaut, im Rahmen der ersten Bauetappe dieses Jahrhundertprojekts.

Die Coop Mineraloel AG führt ihre Tankstelle mit Coop-Pronto-Shop bereits seit 1999. Just bei der Tankstelle ist nun die zukünftige Tramhaltestelle Micafil geplant, die entsprechend Platz braucht. Die Tankstelle sei bereits heute ein wenig eng, sagt Silvana Schenker, Sprecherin der Coop Mineraloel AG. Nun werde die Tankstelle noch mehr Platz verlieren. Der Vermieter der Liegenschaft, seines Zeichens selber Verkäufer von motorisierten Individualverkehrsmitteln, muss zudem Land abtreten. Die Coop Mineraloel AG hat nun Einsprache gemacht, damit die Tankstelle – laut Schenker «ein sehr wichtiger Standort» – keinen Platz verliert.

Schliessung nach 17 Jahren?

Grundsätzlich sei Coop aber nicht gegen die Limmattalbahn. «Unser Problem ist nur die Haltestelle», so Schenker. Im extremsten Fall müsse man damit rechnen, dass der Standort komplett geschlossen wird. Der Weiterbetrieb sei aus heutiger Sicht infrage gestellt. Doch noch ist nicht aller Tage Abend. Allenfalls könnte auch ein Weiterbetrieb des Shops ohne Tanksäule eine Option sein – schliesslich wird die Schliessung als Extremfall bezeichnet.

NEUES VIDEOS VERWENDEN Eine Fahrt mit der Limmattalbahn gefällig? Die geplante Strecke im Schnelldurchlauf – inklusive Haltestellen.

Eine Fahrt mit der Limmattalbahn gefällig? Die geplante Strecke im Schnelldurchlauf – inklusive Haltestellen.

Die Redaktoren der Limmattalerzeitung sind die künftige Strecke schone einmal abgefahren, respektive abgelaufen.

Auch die Mitglieder der Vereinigung unabhängiger Schweizer Importeure von Erdölprodukten (Avia) sind ein wenig im Clinch mit dem Bahnprojekt. Wie Avia-Geschäftsführer Patrick Staubli sagt, müssten mindestens zwei der sechs Tankstellen entlang der LTB-Strecke ihren Betrieb aufgeben. Weiter habe eine Mitgliederfirma Einsprache eingereicht. Welche, sagt Staubli nicht. Es könnte sich auch um solche handeln, die ausserhalb des Perimeters der ersten Bauetappe liegen – so wie jene an der Goldschlägistrasse-Kreuzung, die sich tagtäglich mit BP und Socar konkurrenziert. Eine weitere Avia-Tankstelle entlang der Strecke befindet sich in Spreitenbach.

Limmattalbahn-Sprecherin Julie Stucki sagt auf Anfrage, dass man weiterhin um Lösungen mit den Einsprechern bemüht sei. Deshalb stehe man auch in Kontakt mit den Eigentümern und verhandle weiter. Dies, obwohl die LTB nicht dazu verpflichtet wäre: Denn die Einsprache von Coop liegt bereits – zusammen mit über 60 anderen Einsprachen – in Bern beim Bundesamt für Verkehr. Aber vielleicht kommt es hier noch zu einer Lösung, bevor der Bund die Plangenehmigungsverfügung ausspricht. Sollte sich jemand gegen die Verfügung wehren, wäre dies eine Beschwerde, die das Bauprojekt verzögern könnte.

Stucki erklärt auch, warum die Haltestelle exakt an diesem Ort geplant wurde. «Wir haben die Haltestelle Micafil so weit wie möglich westlich in Richtung Hermetschloo-Kreuzung platziert wegen des geringen Abstands zur Haltestelle Farbhof. Noch weiter westlich geht aber nicht, weil der 31er-Bus hier das LTB-Trassee queren muss.» Letzteres ist im Bereich einer Haltestelle nicht möglich. Konkret sind die Haltestellen Micafil und Farbhof 400 Meter voneinander entfernt. Zusammen erschliessen sie ein grosses Einzugsgebiet.

Nur ein Betreiber ist guten Mutes

Positiv zur LTB äussert sich einzig Muhedin Skalonjic, Geschäftsführer der Firma Scall, die seit 2011 die Tankstelle an der Badenerstrasse 799 in Zürich Altstetten betreibt. Zwar werde es Einschränkungen des Individualverkehrs geben, weshalb ein Teil der Autofahrer auf Alternativrouten ausweichen wird. Aber, so Skalonjic: «Die Badenerstrasse ist eine der meistfrequentierten Strassen in Zürich. Daher denke ich, dass die Baustelle keinen negativen Einfluss auf unsere Verkäufe haben wird.» Und nach dem Bau? «Wir sind überzeugt, dass die Strasse durch die LTB an Attraktivität gewinnt. Davon werden wir mit Bestimmtheit profitieren», so Skalonjic weiter.

Vielleicht werden einzelne Tankstellenbetreiber ihre Standorte entlang der LTB-Strecke aber von selbst aufgeben, da der Verkehr von der Badener- und Zürcherstrasse auf die Bernstrasse nördlich der SBB-Gleise verlagert werden soll. Im Entwicklungskonzept der Stadt Schlieren heisst es zudem, dass auch eine Verlagerung der Tankstellenstandorte an die Bernstrasse geprüft werden soll.