Geroldswil

Minderjährige auf Auto-Rückbank missbraucht? Einer der Angeklagten ist teilgeständig

Zwei Männer sollen am Waldrand an der Moosstrasse eine 15-Jährige im Auto missbraucht haben. Der eine will einen Freispruch, der andere ist teilweise geständig. Der Staatsanwalt fordert mindestens vier Jahre Knast.

Als der alte VW Golf die Geroldswiler Bergstrasse emporbrummte, ahnte die 15-Jährige auf der Rückbank noch nichts. Am Steuer sass ein über 20-jähriger Bekannter, auf dem Beifahrersitz dessen jüngerer Cousin.

Auf dem Parkplatz unterhalb vom Grillplatz Moos stiegen sie auch nach hinten auf die Rückbank; der ältere links, der jüngere rechts. Sie hielten die Handgelenke des Mädchens fest. Der Ältere zog ihr das T-Shirt aus. Dann schoben sie den Büstenhalter zur Seite, vergriffen sich an den nackten Brüsten. Der Ältere zog ihr die Hosen hinunter. Er führte seinen Finger mehrmals ins Geschlecht ein. Bis dahin blieb die Gegenwehr und das Schreien des Mädchens erfolglos. Aber nun befreite sie ihr rechtes Handgelenk. Der jüngere Beschuldigte kam zur Besinnung; er stieg aus dem Auto. Der andere wollte weitermachen, aber alleine hatte er keine Chance gegen die 15-Jährige.

So ist es in der Anklageschrift festgehalten. Fast alles Lügen, fand der ältere Angeklagte: «Ja, wir waren mit ihr in Geroldswil, wie fast immer. Aber sexuell genötigt haben wir sie nicht», sagte er am Mittwoch am Bezirksgericht Dietikon. Und verwies darauf, dass er zum Tatzeitpunkt bereits verlobt war, mit einer Frau, die damals im Kosovo lebte. Sein Verteidiger forderte einen vollumfänglichen Freispruch. Seine Zweifel fussen unter anderem darauf, dass die Geschädigte erst 31 Monate nach der Tat Anzeige erstattete, als ihr der Psychologe dazu geraten hatte. Zudem könnte ihr psychischer Zustand zahlreiche Ursachen haben, monierte der Verteidiger weiter .

Massive Kritik an der Psychologin

Der Anwalt des Jüngeren liess kein gutes Haar am Bericht der heutigen Psychologin der Geschädigten: Er sei «esoterisch angehaucht» und die diagnostizierte posttraumatische Belastungsstörung eine «Allerweltsdiagnose». Die Anwältin der Geschädigten gab zurück: «Es ist bemühend, dass sich die Verteidiger als Hobby-Psychologen betätigen.»

Ganz auf gleicher Linie waren die beiden Verteidiger nicht: Jener des Jüngeren fordert eine bedingte 12-monatige Freiheitsstrafe wegen sexueller Nötigung. Sein Mandant ist teilweise geständig, auch was die nachmittägliche Szene im Auto mit den getönten Scheiben betrifft. Schon bei der polizeilichen Befragung sagte er, dass er das Mädchen auch festgehalten hatte. Seinem Cousin habe er gesagt, dass sie zu jung sei: «Aber irgendwie hat er mich überredet.»
48 Monate Knast für den Jüngeren, 57 Monate für den Älteren, wegen sexueller Nötigung und sexuellen Handlungen mit einem Kind, fordert der Staatsanwalt. «Ein drastischer Antrag. Da ist es dem Staatsanwalt aus dem Ruder gelaufen», kritisierte der Verteidiger des Jüngeren daraufhin.

Das letzte Wort haben aber die Bezirksrichter: Nächste Woche wird das Urteil verkündet – 68 Monate nach der Tat.

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