Uitikon
Milan Vezmar verabschiedet sich nach 22 Jahren vom Uitiker Ortsbus

Uitikon 22 Jahre lang hat MilanVezmar den Ortsbus durch die Gemeinde gesteuert. Gestern war seine letzte Dienstfahrt. Nun zieht es Milan Vezmar und seine Frau nach Kroatien, für immer.

Sarah Serafini
Merken
Drucken
Teilen
Dieses Bild ist ab heute Geschichte
9 Bilder
Gemeindepolizist Heinz Frei posiert mit Milan Vezmar
Zum Abschied küsst Vezmar seinen Bus
Uitikons Gemeindeschreiber Bruno Bauder verabschiedet Vezmar
Vezmar nimmt Abschied von seiner Stammkundschaft
Milan Vezmar steigt das letzte Mal aus dem Bus
Jetzt heisst es Abschied nehmen für Vezmar
Bruno Baudr
Busfahrt Uitikon

Dieses Bild ist ab heute Geschichte

Limmattaler Zeitung

Bahnhof Uitikon-Waldegg: Langsam rollt der Ortsbus 201 an. Milan Vezmar dreht das grosse Steuerrad. Das Leder gleitet sanft unter seinen Handflächen durch. Sein Fahrerstuhl schaukelt. Im Bus ist es still. Nur der Motor brummt. Eine ganz normale Fahrt.

Nicht für Vezmar. Wüsste man es nicht besser, so würde man das leichte Zittern in seiner Stimme einfach überhören. «Das ist für mich keine einfache Situation. Die letzten 22 Jahre hinterlassen tiefe Spuren in meinem Herz.» Pathetische Worte, doch nimmt man sie dem freundlichen Busfahrer ab. 22 Jahre lang ist der 49-Jährige täglich durch die Gemeinde Uitikon gefahren. Zweimal in der Stunde bergab ins Dorf und dann wieder bergauf zum Bahnhof.

Waldegg, Post: Vezmar bringt sein Gefährt sanft zum Stehen. «Ich könnte zu jeder Bushaltestelle eine Geschichte erzählen», sagt er. «An dieser hier muss ich immer an die alten Frauen denken, die hier einsteigen, nachdem sie ihre Einkäufe erledigt haben.» Sie seien besonders dankbar, dass es einen Ortsbus gebe und immer sehr freundlich. Er schliesst die Türen und fährt weiter. Für Vezmar war immer klar, dass er Busfahrer wird. Er erinnert sich, dass er als kleiner Junge in seiner Heimat in Ex-Jugoslawien bei Busfahrten immer zuvorderst sitzen wollte.

Uitikon ist zu Familie geworden

Uitikon, Halde: Vezmar winkt einigen Passanten durch die grosse Frontscheibe zu. «Uitikon ist in den letzten 22 Jahren zu meiner Familie geworden», sagt er. Den 20-jährigen Lukas Engeli zum Beispiel kannte Vezmar schon als ungeborenes Baby im Bauch seiner Mutter. Ihr habe er später dann immer geholfen, den Kinderwagen im Bus zu verstauen. Inzwischen sei ihm der junge Mann ans Herz gewachsen. Engeli sagt: «Vezmar ist oft einer der Ersten, die ich am Morgen sehe, wenn ich zur Universität fahre. Er weiss, wann ich Prüfungen habe und er fragt mich, wie sie gelaufen sind, wenn ich wieder auf dem Heimweg bin.» Während Vezmars letzter Dienstfahrt sitzt Engeli treu in der vordersten Busreihe.

Uitikon, Dorf: Fuhr Vezmar hier vorbei, so reckte er jeweils den Hals und versuchte einen Blick ins Büro des Gemeindepolizisten Heinz Frei zu erhaschen. Mit Gesten kommunizierten sie, ob und wann sie wieder zusammen einen Kaffee trinken würden. Auch Frei sitzt auf der letzten Fahrt hinter Vezmar im Bus.

Die Taschen sind bereits gepackt

Uitikon, Bahnhof: Zum letzten Mal stellt Vezmar den Motor ab. Noch einen kurzen Moment bleibt er sitzen und murmelt dann: «So, fertig.» Im Restaurant neben dem Bahnhof wartet bereits Vezmars Frau, ebenfalls pensionierte Busfahrerin. Die 46-Jährige hatte ihren letzten Arbeitstag am Donnerstag. Heute Abend wird das Paar bereits seine Taschen gepackt haben und auf dem Weg nach Ostri Zid, Kroatien, sein. Dort haben die beiden ein Haus gebaut, wo sie den Rest ihres Lebens verbringen wollen. «Wir haben uns zusammengesetzt und gerechnet. Schliesslich haben wir gesehen, dass das Geld für ein schönes Leben in Kroatien reicht, wenn wir uns frühzeitig pensionieren lassen.» sagt Vezmar, füllt sich ein Glas mit Weisswein und prostet seiner Frau zu.