TV-Satire
Mike Müller war «schockiert», dass Schlieren so schlecht weg kam

Zwei Mal bekam Schlieren in der Satire-Sendung «Giacobbo/Müller» sein Fett weg. Nach Schlierens Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin wird nun Mike Müller mit der Sendung konfrontiert.«Ich war schockiert», blickt dieser zurück.

Jürg Krebs
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Schauspieler Mike Müller (SF)

Schauspieler Mike Müller (SF)

Keystone

Gleich zweimal fand Schlieren in der Satire-Sendung «Giacobbo-Müller» Erwähnung. Am 12. Februar wurde dort die Parodie auf TV-Ferienmagazine gedreht, was verärgerte Reaktionen auslöste, denn Schlieren wurde als Unort schlechthin dargestellt.

Schlierens Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin verteitigte seine Stadt. «Da wurden viele alte Klischees wie etwa der Auto-Occasionshandel und Schlieren als Durchfahrtsstadt angesprochen», sagte er im Interview (wir berichteten).

Den Stadtpräsidenten bewog dies, beim Schweizer Fernsehen eine Protestnote zu platzieren. In der darauffolgenden Sendung vom 19.Februar wurde Brühlmann als humorlos dargestellt: Er kenne den Unterschied zwischen Ironie und Realität nicht.

Der Autor dieses Artikels hat Mike Müller konfrontiert.

Schlierens Stadtpräsident Toni Brühlmann hat sich bei Ihrem Abteilungsleiter beschwert, dass seine Stadt als Ferien-Destination verulkt worden ist. Die Folge war, dass Schlieren in der darauffolgenden Sendung auch noch als humorlos dargestellt worden ist. Haben Sie kein Mitleid mit dem Mann, der Schlieren gegen Vorurteile verteidigen muss?

Mike Müller: (spielt den Empörten) Also das war Viktor, der ihn als humorlos dargestellt hat. Ich distanziere mich in aller Form davon.

Die Empörung ist Ihnen im Beitrag ins Gesicht geschrieben.

Ich war schockiert. Ich fand es geschmacklos, wie Viktor das Thema nochmals aufgenommen hat.

Sie hätten dies nie gemacht?

Nie! (lacht)

Im Ernst, die Schlieremer hatten ein Déja-vu: Sie sind immer dann im Fernsehen, wenn negative Stereotype bedient werden. Was halten Sie von den emotionalen Reaktionen?

Es reagiert jede Gemeinde gleich, wenn sie in den Fokus unserer Sendung gerät. Das wäre im Fall von Uster, Olten oder Langenthal nicht anders gewesen. Es ging ja nicht nur um Schlieren – der Beitrag war ja auch eine Parodie auf die bekannten TV-Reisemagazine.

Schlieren rutschte also zufällig in den Beitrag?

Nicht ganz. Schlieren kennt jeder, weil man mit dem Zug daran vorbei fährt. Satire spielt mit dem Naheliegenden. Wenn es um Vorortsgemeinden geht, ist Schlieren naheliegend.

Kennt Satire keine Grenzen?

Doch, natürlich kennt Satire Grenzen – nämlich die des eigenen Geschmacks. Witze über eine Vergewaltigung machen wir zum Beispiel keine, da fällt niemandem ein Witz dazu ein. Ein Tabu haben wir mit der Nummer aus Schlieren nicht verletzt – oder finden Sie doch?

Nein. Schlieren wird es überleben.

Eben. Ich glaube nicht, dass Schlieren durch den Zweiminuten-Spot in den Grundfesten erschüttert wird. In welchen Fällen Satire beim Publikum ankommt, wissen Viktor und ich nicht genau, wir nehmen deshalb den eigenen Geschmack als Grenzwert.

Sie waren für den Dreh Ihres Beitrags selbst vor Ort in Schlieren. Haben Sie auch etwas Positives entdecken können, um die Schlieremer im Nachhinein zu beruhigen?

Ich bin nicht Journalist. Ich arbeite als Unterhalter. Ich bin nicht nach Schlieren gekommen, um etwas Positives zu machen. Mir ist aber völlig klar, dass Schlieren auch attraktive Seiten haben muss, vielleicht die Nähe zu den Naherholungsgebieten. Schliesslich leben die Leute da, wo es ihnen wohl ist und Schlieren hat viele Einwohner. Wie gesagt, der Beitrag hätte auch in einer anderen Stadt gedreht werden können, in Wil zum Beispiel – wobei nein, Wil hat eine schöne Altstadt. Aber Wil ist auch so eine Stadt, die bei uns häufig vorkommt.

Wofür steht Wil?

Wil hatten wir eine Zeit lang thematisiert, weil SVP-Politiker Lukas Reimann behauptete, die Leute würden da wegziehen, weil sie vor dem Islam Angst hätten.

Nimmt man Schlieren als Massstab, dann müssen Sie mit jeder Ihrer Sendungen eine ganze Reihe von Zuschauer-Reaktionen provozieren.

Als Schauspieler sind es Viktor und ich gewohnt, auch negative Reaktionen zu erhalten. Wer austeilt, muss einstecken können. In der Schweiz ist das Publikum relativ tolerant – bis auf katholische Fundamentalisten und rechts-nationale Gruppierungen. Und um ein Missverständnis gleich ausräumen: Ich meine damit nicht die SVP.

Ist es ausgleichende Gerechtigkeit, wenn Sie und Viktor Giacobbo sich über einander lustig machen?

Das würde ich so nicht sagen. Wir praktizieren eine Form von Selbstironie. Wir glauben, dass ohne diese Selbstironie unsere Satire-Sendung nicht funktionieren würde. Es kommt beim Publikum übrigens gut an, wenn auch unsere Gäste etwas Selbstironie mitbringen. Ein Politiker, der über sich lachen kann, kommt besser an, als jemand der stur sein Ding durchzieht.

Um zum Schluss nochmals auf den Ferien-Spot zu kommen: Haben Sie den Nüsslisalat in Schlieren gefunden?

(lacht) Den habe ich nachher in Zürich gekauft.

In der Migros?

Nein, bei einem Bauer aus dem Fricktal.

So viel zum multikulturellen Zürich.

Genau, ich esse vorwiegend Gemüse aus dem Fricktal. Das finde ich als ökologischen Fussabdruck absolut vertretbar.