Coronakrise

«Mietzinsreduktionen haben wir keine erteilt»: Stadtrat enttäuscht Schlieremer Gewerbe

Die Stadt Schlieren erteilt keine Mietzinsreduktionen angesichts der Coronakrise – das Schlieremer Gewerbe ist enttäuscht.

Die Stadt Schlieren erteilt keine Mietzinsreduktionen angesichts der Coronakrise – das Schlieremer Gewerbe ist enttäuscht.

Die Forderung der Detaillisten von Pro Schlieren findet kein Gehör. Während Dietikon und Zürich ihren Gewerbemietern bereits vor einigen Monaten einen Mietzinserlass oder eine Mietreduktion gewährt haben.

Die Absage der Stadt Schlieren auf die Anfrage von Philipp Locher, Präsident der Detaillistenvereinigung Pro Schlieren, ist unmissverständlich: «Mietzinsreduktionen haben wir keine erteilt.» Die Stadt schreibt das in ihrer Stellungnahme zu Lochers Anfrage für eine Mietreduktion für Gewerbetreibende während der Coronakrise.

Von den 80 Mietern und Baurechtnehmern der Stadt hätten sich lediglich drei für eine Mietreduktion und fünf für eine Stundung gemeldet. Die Stundungsgesuche seien bewilligt worden. Bei den Anfragen zur Mietzinssenkung habe die Stadt mit anderen Massnahmen, wie dem Zugang zu Corona-Hilfeleistungen, Gutscheinaktionen und Stundungen weitergeholfen, erklärt die Stadt in ihrer Stellungnahme weiter.

Philipp Locher bemängelt, dass die Stundungen den Geschäften nicht wirklich weitergeholfen hätten. «Das Geld muss man ja trotzdem bezahlen. Ob früher oder später, macht keinen grossen Unterschied», sagt er.

Auch wenn Locher eine abschlägige Antwort erwartete: Er ist doch enttäuscht, dass man bei der Stadt derart knausrig sei. «Sie waren stur und genau in diesem Punkt geizig. Wenig­stens eine Monatsmiete hätten sie erlassen können», sagt er. Die Stadt Dietikon schlug einen ganz anderen Weg ein als Schlieren: Der Bezirkshauptort liess sich die Mietzinsreduktion für das Gewerbe insgesamt 64000 Franken kosten (die «Limmattaler Zeitung» berichtete).

Lieber Mietreduktionen als Mietvertragskündigungen

Locher ist Drogist und Liegenschaftsbesitzer, er ging vorbildlich voran und erliess seinen Mietern die Hälfte der Miete. Das sei gut möglich gewesen und überdies sinnvoller, als wenn treue Mieter aufgrund eines finanziellen Engpasses die Räumlichkeiten künden müssten.

Nun lasse er das Thema vorerst ruhen. Die Hoffnung der Unternehmer liegt jetzt auf dem Bundesrat. Dieser schickte Anfang Juli eine Gesetzesvorlage in die Vernehmlassung, um die Mietzinse von Geschäftsmieten während der Krise zwischen Mietern und Vermietern aufzuteilen. Dabei sollen die Mieter 40 Prozent und die Vermieter 60 Prozent des Mietzinses während der Periode der angeordneten Schliessung übernehmen. Mitte September will der Bundesrat eine Botschaft an das Parlament verabschieden.

Was sagt Locher dazu? Er habe zwei Herzen in der Brust: Einerseits sagt sein Unternehmer- und Vermieterherz, dass es unpassend ist, wenn der Staat ihm vorschreibt, wie er geschäften solle, andererseits wäre nun eine finanzielle Unterstützung für die Gewerbler genau das Richtige.

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