Der verregnete Sommer lädt nicht gerade zu feuchtfröhlichen Grillabenden ein – im Gegenteil: Nur selten gab ein Schornstein eines Vorgartengrills in den vergangenen Wochen ein Rauchzeichen von sich. Dass dabei weniger Grillartikel über die Ladentheke gingen, ist eine logische Konsequenz des nassen Sommerwetters. In den Kassen der Limmattaler Metzgereien macht sich deswegen die miese Grillsaison bereits bemerkbar. «Ich habe es zwar noch nicht genau ausgerechnet, aber im Vergleich zum Vorjahr werden wir wohl mit einem Drittel weniger Umsatz bei den Grillartikeln abschliessen», sagt Markus Steiner, Geschäftsführer der Metzgerei Steiner in Birmensdorf.

Fleischkonsum ist angestiegen

Steiner erinnert sich noch gut an letztes Jahr, als viele Schönwetterwochenenden die Kasse klingeln liessen – davon könnte er dieses Jahr nur träumen. Einen Beitrag zur diesjährigen Umsatzeinbusse dürfte ausserdem das Kaufverhalten der Kundschaft leisten: «Aus Erfahrung weiss ich, dass für den Grillabend gerne ein bisschen mehr eingekauft wird. Falls etwas übrig bleibt, kann ja auch am nächsten Tag noch grilliert werden», erklärt der Metzger. Hingegen werde bei Fleisch, das in der Küche zubereitet wird, eher in bestimmten, kleineren Mengen eingekauft.

Auch Othmar Gut, Besitzer der Metzgerei Hildebrand in Dietikon, rechnet mit einem Drittel weniger Umsatz bei den rohen Grilladen: «Es wurde definitiv weniger verkauft, deswegen mussten wir unseren üblichen Einkauf beim Schlachthof anpassen und eine kleinere Menge an Grillartikeln beziehen», so Gut, sonst wäre vieles übrig geblieben.

Das Überraschende dabei ist, dass der Fleischkonsum in der Schweiz eigentlich trotz mieser Grillsaison sogar zugenommen hat. Rund 2,6 Prozent mehr Fleisch landete diesen Sommer auf dem Teller, dies zeigt die bisherige Bilanz der Genossenschaft «Proviande», die jeden Monat erhoben wird. Vor allem Geflügelwaren landeten um fast sieben Prozent häufiger auf dem Tisch, als es noch im vergangen Sommer der Fall war.

Stattdessen Geschnetzeltes

Trotz mieser Grillsaison wird also doch nicht gänzlich auf Fleisch verzichtet. Das haben auch die Metzger im Limmattal bemerkt, weshalb die Umsatzeinbussen bei den Grillartikeln nicht ganz so dramatisch in der Gesamtbilanz ausfallen dürften. «Bei uns wird stattdessen mehr zu Geschnetzeltem und Voressen gegriffen», hat der Metzger Othmar Gut beobachtet. Ein Dauerrenner seien sowieso die hausgemachten Würstchen seiner Metzgerei: «Und Würstchen müssen ja nicht zwingend auf den Grill», sagt der Geschäftsführer. Deswegen rechne er wenigstens bei den Wurstverkäufen nicht mit Umsatzausfällen, was insgesamt das Loch in der Kasse wieder ein bisschen stopfen dürfte.

Dauerthema an der Theke

Nicht so zuversichtlich ist hingegen die kleinere Metzgerei Gnehm in Geroldswil. Trotz des genannten Fleischkonsumanstiegs rechnet das Inhaberpaar Gnehm in diesem Jahr insgesamt mit weniger Einnahmen. Der Grund dafür liege auf der Hand: «Für sonnige Grilltage kaufen auch diejenigen bei uns ein, die sonst vielleicht eher beim Detailhändler ihr Fleisch beziehen», sagt Regina Gnehm. Deswegen sei das schlechte Wetter für das Inhaberpaar ärgerlich, denn sonst sei der Sommer immer die beste Jahreszeit für das Geschäft gewesen. Stattdessen war das schlechte Wetter bei den Gnehms an der Theke ein Dauerthema. Ein kleiner Trost bleibt der Geschäftsführerin dennoch: «Die hartgesottenen Grillfans lassen sich vom fehlenden Sonnenschein nicht abhalten und grillieren trotzdem. Das freut uns natürlich.»

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