Dietikon
Meisterin lehrte den Kindern ein letztes Mal das Schwimmen

Drei Jahrzehnte lang machte Marie-Theres Mallepell aus Kindern Wasserratten. Gesundheitliche Gründe haben sie zu diesem Schritt bewogen und sie spüre keine Wehmütigkeit

Lukas Brügger
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Und hopp, rein ins Wasser! Am Surfbrett Mast können sich die Kinder im Notfall festhalten
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Nach dem Kurs wird mit dem Kindern abseits des Wasserbeckens noch ein bisschen geplaudert. Mallepell bedankt sich auch für das fleissige Mitmachen und gratuliert für die grossen Fortschritt.
MarieTheres Mallepell zeigt den Kindern wo es lang geht im Kurs. Am Ende werden sie alle schwimmen können.
Letzter Schwimmkurs
Letzter Schwimmkurs
Letzter Schwimmkurs
Letzter Schwimmunterirricht mit Marie-Theres Mallepell
Hey, nicht vordränglen. Da war doch jemand anderst vorher dran.
Diese Kleine kann es kaum erwarten, ihr Können im grossen Becken zu zeigen

Und hopp, rein ins Wasser! Am Surfbrett Mast können sich die Kinder im Notfall festhalten

Limmattaler Zeitung

Die Kinder strampeln wie wild mit ihren Beinen und verwandeln das Bassin in ein Sprudelbecken. Ein Kind stürzt sich in die Fluten und watet durch das wildspritzende Wasser. Es hat sich selber ein «mega festes» Wasserspritzen gewünscht. Jede und Jeder der Kleinen darf sich dieser Wasserdusche unterziehen und deren Stärke wünschen.

Das Sprudelbad war eines der Spiele im Kurs von Marie-Theres Mallepell, in dem Vorschulkinder schwimmen lernten. «Ich kombinierte Training stets mit Spass. In der einen Hälfte des Kurses mussten die Kinder üben, in der anderen gab es Wasserspiele», sagte Mallepell nach ihrem letzten Kurs am Dienstag.

Wehmütigkeit verspüre sie trotz des Endes nach drei Jahrzehnten nicht. Es sei der richtige Zeitpunkt, um aufzuhören. «Gesundheitliche Gründe haben mich dazu bewogen», sagt die 58-Jährige, die auch als Schwimmlehrerin an der Schule Dietikon arbeitet. «Es ist extrem laut im Hallenbad, damit bekam ich mit der Zeit Probleme.»

Auch vor vier Jahrzehnten war die Gesundheit der Ursprung von Veränderungen im Leben von Mallepell - Schulterprobleme führten zum Ende ihrer Schwimmkarriere. Mit 18 Jahren wurde sie Schweizermeisterin in den Disziplinen 100 Meter Delfin und 400 Meter Vierlagen. An den Schwimm-Weltmeisterschaften in Belgrad im Jahre 1973 hatte sie ihren letzten Auftritt. Danach machte sie die Ausbildung zur Schwimminstruktorin.

Doch nach Jahren der Hingabe für den Schwimmsport reizte Mallepell etwas Neues. Sie absolvierte die Handelsschule und arbeitete fortan im Büro - bis 1983 ihre Tochter das Licht der Welt erblickte. Zuvor hatte sie Jürg Mallepell, einen Triathleten, geheiratet. Mit der Geburt der Tochter kam auch die Idee, Kurse für Vorschulkinder anzubieten.

Und der Schwimmkurs wurde ein Erfolg. «Wir haben nie Werbung gemacht, die Nachfrage war von alleine immer gross», sagt Mallepell. Das Angebot ausbauen wollte sie aber nicht: «Die drei Stunden am Dienstag waren genug - machten mir aber grossen Spass.» Eindrücklich ist auch ihre Erfolgsquote: Jedes Kind konnte nach zwei bis drei Kurstagen schwimmen. «Man muss es aus den Kleinen herausholen, dann lernen sie schnell», sagt die Urdorferin.

Kinder haben sich nicht geändert

Die Kinder sind am letzten Kurstag motiviert und voller Energie. Sie machen fleissig mit - und zeigen im grossen Wasserbecken, dass sie bereits schwimmen können. Das sei vor 30 Jahren nicht anders gewesen. Verändert hätten sich eher die Eltern: «Man spürt schon, dass die Zeiten hektischer geworden sind und die Mütter und Väter teilweise gestresster sind.» Und auch Mallepell spürt das Rad der Zeit: «Plötzlich brachten Eltern, die selber einst bei mir schwimmen lernten, ihre Kinder zu mir in den Kurs. Da merkte ich, wie die Zeit vergangen ist».

Mallepell kehrt dem Schwimmsport nun aber nicht komplett den Rücken. Sie gibt weiterhin mit ihrem Mann Crawl-Kurse für Erwachsene und ist für die Schule Dietikon tätig. Und für die Kleinsten ist eine Nachfolgerin, die das Angebot weiterführt, auch bereits bestimmt.

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