Vor gut einem Jahr setzte sich Stefanie Altorfer aus Urdorf zwei Monate lang Abend für Abend hin, um für den anstehenden Weihnachtsmarkt im Stürmeierhuus in Schlieren Geschenkartikel zu produzieren. Sie ist die Enkelin von Walter Stalder, Präsident des Vereins Freizeit Schlieren, der diesen Anlass seit vielen Jahren organisiert und für 2018 den traditionellen Markt um weitere Plätze vergrösserte.

Gemeinsam mit ihrer Mutter Gabriela Altorfer nähte die 21-Jährige damals aus Freude und purer Neugier. Entstanden sind kleine pastellfarbene Taschen für Utensilien, Babyartikel sowie weitere handgefertigte Produkte, die sie mit einzelnen Dekorationswaren kombinierte. Vieles entstand durch blosses Ausprobieren, denn es war das erste Mal, dass sie mit einem Marktstand vertreten war. «Ich habe die Suche nach schönen Produkten schon immer geliebt und bin durch Märkte geschlendert oder habe in kleinen Läden mit Dekorationsobjekten gestöbert – mein Herz brennt für das Schöne», sagt sie.

Dass sie mit dieser Leidenschaft aber auch selbst Produkte anfertigen könnte, habe sie bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht ins Auge gefasst. Der Weihnachtsmarkt lief für sie dann aber so gut, dass sie daraufhin einen Weg einschlug, der sie manchmal selbst überrascht. «Mir ist klar geworden, dass man im Leben hin und wieder abwarten muss, dann öffnen sich plötzlich neue Türen», sagt sie rückblickend.

Vom Weihnachtsmarkt zum eigenen Unternehmen

«Mimi’s Home» heisst ihre eigene Firma, die sie im Januar 2019 nur einen Monat nach dem Schlieremer Markt gründete. Danach ging es Schlag auf Schlag. Im Sommer eröffnete sie zwischen Büroräumen an der Rütistrasse in Schlieren einen Showroom, um ihre Ware zu präsentieren. Der Fokus liege mittlerweile auf schönen Dekorationsartikeln und Accessoires, wobei auch weiterhin selbst gemachte Waren vorzufinden sind, erzählt sie. Ihr Traum sei es, eines Tages in der Region einen eigenen kleinen Laden zu führen.

Ihr neue Leidenschaft mache sie auch stolz, weil sie sich vieles nach dem Motto «learning by doing» selbst erarbeitet hat. Das erfülle sie nun vollends. Das merke sie besonders dann, wenn sie vom Umfeld nach ihren beruflichen Aussichten gefragt werde. Denn auch wenn die Reaktionen durchaus positiv ausfallen, kämen manchen Personen auch Bedenken im Zusammenhang mit ihrem neuen beruflichen Werdegang auf.

«Warum nicht das machen, wofür mein Herz brennt?»

«In der Gesellschaft wird oft erwartet, dass man eine Arbeitsstelle von acht Uhr bis fünf Uhr anstrebt», sagt Altorfer. Auch sie gehe nach wie vor einer 80-Prozent-Stelle als kaufmännische Angestellte nach. Dennoch habe sich ihre Einstellung durch diese neue Leidenschaft in ihrem Leben etwas verschoben: «Warum soll ich nicht genau das machen, wofür mein Herz brennt und was mich jeden Tag vollends erfüllt?», sagt sie. Sie habe Freude am Dekorieren und an Begegnungen. «Wenn ich abends die Mailanfragen aufmache oder an der Nähmaschine mit neuen Stoffen hantiere, dann ist es für mich immer eine Freude.»