Mein Ding: Pilzlen
«Ich bin querbeet»: Im Naturbereich führt dieser 25-jährige Dietiker viele Hobbys zusammen

Gabriel Maurer ist seit gut drei Jahren im Pilzverein Schlieren. Mit seinen 25 Jahren ist er das jüngste Mitglied. Vieles, was er über Pilze weiss, hat er sich selber beigebracht.

Sven Hoti
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«Pilze faszinieren mich von A bis Z», sagt Gabriel Maurer, der auch noch Mitglied im Pilzverein Baden ist.

«Pilze faszinieren mich von A bis Z», sagt Gabriel Maurer, der auch noch Mitglied im Pilzverein Baden ist.

Alex Spichale

Gabriel Maurer dreht einen orangen Pilz aus dem Boden und begutachtet ihn. Er wendet ihn, streicht über die angebrochene Stielbasis und mustert seinen Finger. «Orange Milch», hält er fest, «das ist typisch für den Edel-Reizker.» Er steckt den Pilz in seine Stofftasche und beginnt zu erzählen. Von den Tausenden verschieden Pilzarten, die es gibt. Von «knutschgelben», die blau werden, wenn man sie aufschneidet (Hexenröhrlinge). Und von weissen, die innerhalb kürzester Zeit in eine schwarze, tintenartige Pfütze zerfliessen (Schopftintlinge). «Pilze faszinieren mich von A bis Z», sagt der 25-Jährige.

Maurers Begeisterung für die Pilzwelt ist augenscheinlich. Beim Spaziergang durch den Dietiker Honeretwald erspäht er immer wieder Pilze am Wegrand. Dann hält er an, um sie zu bestimmen. Und wenn es bedeutet, dass er sich zuerst den Weg durchs Dickicht bahnen muss. Einzelne Pilze reisst er aus, schaut sie an oder riecht daran. So kann er die jeweilige Pilzart bestimmen oder zumindest eingrenzen. «Das meiste von meinem Wissen habe ich über ‹learning by doing› gelernt», erklärt der Dietiker. Etwa beim Sammeln im Wald oder durch seine Besuche bei der Pilzkontrolle und den Gesprächen mit den dortigen Experten.

«2017 hat es mir den Ärmel komplett reingenommen»

Maurer ist seit 2018 Mitglied im Pilzverein Schlieren, und zwar das mit Abstand jüngste. Die anderen seien alle über 35 Jahre alt, sagt der 25-Jährige. Mit dem Verein geht er jeweils auf Exkursionen in den Wald. Dort sammeln die Mitglieder dann Pilze zum Studien- und Speisezweck. An der Pilzbestimmungsrunde identifizieren sie ihre Funde. Danach können sie selbst gefundene Speisepilze mit nach Hause nehmen. Auch wenn ihn das Pilzesammeln begeistere,

«das Wichtigste ist für mich das Soziale»,

betont Maurer, der auch noch im Pilzverein Baden und in zwei Chören dabei ist.

Zum ersten Mal auf Pilzsuche ging Maurer 2008 mit dem Vater eines guten Freundes. Das Pilzlen wurde zu einem Hobby von ihm, das er interessiert weiterführte. Der grosse Motivationsschub kam jedoch erst Jahre später. «2017 hat es mir den Ärmel komplett reingezogen», erzählt Maurer. In besagtem Jahr sei er regelmässig bei der Dietiker Pilzkontrolle gewesen, um seine Fundstücke untersuchen zu lassen. Einer der Kontrolleure dort habe ihm vom Pilzverein Schlieren erzählt und ihn gefragt, ob er nicht auch einmal dabei sein möchte. Maurer sagte zu.

Aus seinen gesammelten Pilzen stellt Maurer unter anderem Gewürze her.

Aus seinen gesammelten Pilzen stellt Maurer unter anderem Gewürze her.

Alex Spichale
«In der Natur kann ich entspannen, Energie tanken, sozialisieren»,

schwärmt der Dietiker. Hier führe er viele Tätigkeiten zusammen. Hauptberuflich arbeitet der 25-Jährige als Gärtner. Das Wissen um die Pflanzenwelt hilft ihm auch beim Pilzesammeln. So könne er etwa aufgrund der Baumart darauf schliessen, welche Pilze in der Umgebung vorkommen könnten. Daneben kocht der 25-Jährige leidenschaftlich gerne – natürlich auch mit Pilzen. Aus seinen gesammelten Pilzen stellt er unter anderem Gewürze her. Darüber hinaus spielt Maurer in seiner Freizeit Schlagzeug. «Ich bin querbeet», fasst er zusammen.

Als 25-Jähriger steht Maurer mit seinem Hobby – oder besser gesagt, seinen Hobbys – jedoch ziemlich alleine da. Er wünschte sich schon, dass auch mehr jüngere Leute dem Pilzverein beitreten würden, sagt Maurer. «Wenn Junge sich jetzt angesprochen fühlen, können Sie sich gerne auf unserer Website unter www.pilzverein-schlieren.ch melden.»

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