Mein Ding: Kunsthandwerk
«In dem Moment hat es bei mir Klick gemacht»: Wie Kurt Imhof seine besondere Begabung entdeckte

Seit über 20 Jahren stellt Rentner Kurt Imhof in seinem Atelier in Birmensdorf Skulpturen aus Steinen her. Sein Talent für die Bildhauerei entdeckte der 65-Jährige erst spät.

Sven Hoti
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Der 65-Jährige verbringt teilweise mehrere Stunden pro Tag in seinem Atelier.

Der 65-Jährige verbringt teilweise mehrere Stunden pro Tag in seinem Atelier.

Chris Iseli

Kurz vor der Jahrtausendwende besuchte Kurt Imhof die Ausstellung eines Schweizer Steinbildhauers. Sie beeindruckte ihn. Vor allem aber faszinierte ihn das Handwerk selbst. Und zwar so sehr, dass er wenige Tage später in dessen Atelier vorbeischaute. «Er legte mir einen Speckstein hin und sagte, ich solle einen Elefanten machen», erinnert sich Imhof. «In dem Moment hat es bei mir Klick gemacht.»

Der erfahrene Steinbildhauer hatte bei Imhof einen Schalter umgelegt. «Mich hat es beeindruckt, wie er mit den Steinen umgegangen ist. Irgendwie konnte er eine Begeisterung in mir auslösen», erzählt Imhof. Sein Maestro goutierte seinen ersten Steinelefanten und nahm Imhof unter seine Fittiche. Der gelernte Bankangestellte und spätere Filialleiter einer Bank absolvierte bei ihm eine Ausbildung zum Thema Steinbearbeitung. Im Jahr 2003 kaufte Imhof ein eigenes Atelier in Birmensdorf, nur wenige Schritte von seinem Eigenheim entfernt.

Knapp 20 Jahre später arbeitet der 65-Jährige noch immer dort. Seit seiner Pensionierung vor zweieinhalb Jahren hat sich seine Leidenschaft intensiviert. Er sei froh, habe er sich bereits früh auf seine Rentnerzukunft vorbereitet, sagt Imhof. Teilweise verbringe er nun mehrere Stunden am Tag mit dem Bearbeiten seiner kiloschweren Steine.

«Wenn ich etwas anfange, dann lässt es mich nicht mehr los.»

Für seine Werke, die er meist verkauft, braucht der zweifache Vater und dreifache Grossvater zwischen wenigen Stunden und mehreren Monaten. In sein Prunkstück – eine etwas abgewandelte Kopie der Marmorskulptur Le Baiser des französischen Bildhauers Auguste Rodin – investierte er ein halbes Jahr.

Kurt Imhof fertigt in seinem Atelier in Birmensdorf verschiedene Steinskulpturen. Auch mit Holz arbeitet er.
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Seit seiner Pensionierung widmet sich Imhof seinem Hobby noch intensiver.
Imhof kann seine Werke nicht zeichnen, sondern lediglich im Vorfeld vorstellen.
Für sein Prunkstück – eine Kopie der Marmorskulptur Le Baiser von Auguste Rodin – investierte Kurt Imhof ein halbes Jahr.

Kurt Imhof fertigt in seinem Atelier in Birmensdorf verschiedene Steinskulpturen. Auch mit Holz arbeitet er.

Chris Iseli

Imhof kann seine Skulpturen nicht zeichnen. Manchmal diene ihm zwar ein Bild als Vorlage. Aber am besten könne er sich seine Werke im Vorfeld gedanklich vorstellen, sagt der Birmensdorfer. So kreiert er Elefanten, Bären oder Figuren und abstrakte Formen aus Stein. Auch Lampen gehören zu seinem Repertoire. Imhof sagt:

«Ich wusste nicht, dass ich das kann.»

Und fügt lachend hinzu: «Irgendwas muss in meinem Kopf freigelegt worden sein.»

Der 65-Jährige kann zwischen der linken und rechten Gehirnhälfte hin- und herwechseln; zwischen der sehr vereinfacht gesagt eher logischen sowie der kreativen Hemisphäre – eine besondere Fähigkeit, die ihm als Bankier und Künstler zugleich in die Karten spielte.

Weitere Bilder zu bisherigen und aktuellen Werken von Kurt Imhof sind auf der Website steinatelier.org einsehbar.

Die Bildhauerei ist Imhofs jüngstes Hobby. Zuvor dominierte der Sport seine Freizeit. Rund 20 Jahre lang spielte er Eishockey, bis die Schockdiagnose Krebs kam. Eine Ärztin hatte an seiner linken Schläfe einen gefährlichen Tumor festgestellt. Er konnte entfernt werden, doch der Schaden am Gewebe und Knochen blieb. Der damals 35-Jährige musste sein bisher liebstes Hobby aufgeben.

Mit der Bildhauerei hat Imhof eine neue Leidenschaft gefunden. Er finde es wichtig, dass die Gesellschaft lerne, vorauszuschauen und nicht nur im Jetzt zu leben. Dank seines Zusatzstudiums in Finanzen und Vorsorge weiss Imhof, wie wichtig die Vorbereitung aufs Älterwerden ist. Er wolle ein Beispiel sein für andere in seinem Alter, nach der Pensionierung nicht den Sinn im Leben zu verlieren, sondern weiterhin aktiv zu bleiben. Imhof: «Wenn ich das hiermit schaffe, dann habe ich eigentlich schon alles erreicht.»

Mein Ding

In der Rubrik «Mein Ding» stellen Limmattaler ihre Leidenschaft vor. Sind auch Sie «besessen» von einer Sache? Wollen Sie zeigen, was Ihr Ding ist? Dann schreiben Sie uns ein E-Mail an redaktion@limmattalerzeitung.ch oder einen Brief an Limmattaler Zeitung, Redaktion, Heimstrasse 1, 8953 Dietikon.