Das Ausmass des Falls ist gigantisch: Rund 3,5 Millionen Franken wert ist das Diebesgut, das sich ein serbischer Serieneinbrecher im Zeitraum von rund zehn Jahren erarbeitet hat. Jetzt, über viereinhalb Jahre nach seiner Verhaftung, sind die Ermittlungen zum Fall abgeschlossen. Am 22. Januar hat die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis in Dietikon Anklage gegen den Profi-Gauner erhoben.

Eine Gerichtsverhandlung in Dietikon wird aber nicht stattfinden. Denn das Limmattaler Bezirksgericht ist in den Ausstand getreten, will den Fall nicht selber verhandeln. So hat das Bezirksgericht am 1. Februar beschlossen, den Fall an die Verwaltungskommission des Zürcher Obergerichts zu überweisen. Die Kommission soll den Fall an ein anderes Bezirksgericht im Kanton überweisen. Der Grund dafür ist, dass der Limmattaler Bezirksgerichtspräsident Stephan Aeschbacher selber in den Fall involviert ist.

Namentlich ist der heute 48-jährige Einbrecher auch in das Zuhause von Richter Aeschbacher eingedrungen. Im vorliegenden Fall wäre Aeschbacher daher nicht nur Richter, sondern auch Kläger. Das darf nicht sein. Da die anderen Dietiker Richter der Aufsicht von Gerichtspräsident Aeschbacher unterstehen, besteht auch bei ihnen die Gefahr der Befangenheit beziehungsweise Voreingenommenheit. Darum leitet das Bezirksgericht den Fall weiter.

Das Büro Landmann verteidigt ihn

Die Verteidigung des Profi-Gauners wird Anwalt Ivo Harb übernehmen, der für das bekannte Stadtzürcher Anwaltsbüro Landmann tätig ist. Die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis beantragt gemäss Anklageschrift eine unbedingte Freiheitsstrafe von elf Jahren.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Justiz mit dem Gauner beschäftigen muss. Er hat bereits mehrere, zum Teil mehrjährige Vorstrafen hinter sich. Der Mann ist offenbar gänzlich geständig, was die Anklage betrifft. So stehe es auf einem Begleitzettel zur Anklageschrift, schreibt das Bezirksgericht in seinem Überweisungsbeschluss. Ursprünglich wurde gegen den Profi-Einbrecher wegen 426 Einbruchsdiebstählen ermittelt. In der Anklageschrift sind nur noch jene 301 Taten verzeichnet, die er zugegeben hat. Die Taten passierten insbesondere im Kanton Zürich, aber zum Beispiel auch in den Kantonen Aargau, Luzern und Thurgau. Im Limmattal ist er insbesondere in Geroldswil und in Uitikon mehrmals eingebrochen.

Geübter Fenster-Bohrer

Bei seinen Taten ging der Serieneinbrecher oft nach dem gleichen Muster vor: Mit einem Bohrer bohrte er ein Loch in den Rahmen eines Fensters, zum Beispiel des Wohnzimmers. Durch das Loch, nicht viel grösser als ein Zentimeter, öffnete er das Fenster und stieg so in das Haus ein.

In anderen Fällen nahm er ein Flachwerkzeug zu Hilfe, um Terrassentüren, Sitzplatztüren, Balkontüren oder Fenster aufzubrechen. Auch versuchte er mit reiner Körpergewalt, Türen aufzubrechen. Immer wieder liess er auch mal von seinem Vorhaben ab, weil er Lärm verursachte, der die Bewohner aus dem Schlaf weckte. Aber auch Alarmanlagen vermochten den Verbrecher in die Flucht zu schlagen. So passierte es beispielsweise in Geroldswil, als er in einer Nacht Mitte April 2004 mittels Flachwerkzeug ein Doppelfenster aufwuchten wollte, um in ein Haus einzudringen.

Zwölf Einbrüche in zwei Tagen

Wenn der Mann vor Alarmanlagen oder Bewohnern flüchtete, war für ihn aber noch lange nicht Feierabend. So hatte er es am 14. und 15. April 2004 auf ein Dutzend Geroldswiler Häuser abgesehen.

Bei sieben dieser Einbrüche in Geroldswil gelang ihm eine Beute. Er nahm fast alles mit, was nicht niet- und nagelfest war. Die folgenden Beispiele von in Geroldswil erbeuteten Gegenständen geben einen Eindruck: Ohrenstecker mit Perlen oder Gold, Armbänder, Armketten, Halsketten, edle Broschen, Luxus-Armbanduhren im Wert von mehreren Tausend Franken, ebenso teure Fotokameras, Bargeld in allen möglichen Währungen, Mobiltelefone, Bank- und Kreditkarten, Aktenmappen, Handtaschen, Reisetaschen, goldene Kugelschreiber, Autoschlüssel, Musik- und Video-Anlagen, Sonnenbrillen, Damenmäntel, Herrenjacken, Identitätskarten, Reisepässe, Silberschalen. Und auch ein Sparschwein mit 30 Franken drin war ihm nicht zu schade. Die grösste Gesamtbeute bei einem der Geroldswiler Einbrüche betrug fast 12 000 Franken.

Fünf weitere Einbrüche in Geroldswil misslangen ihm: Er nahm keine Beute mit, aber hinterliess Sachschaden. So beschädigte er Fenster oder Gartentürchen und schlug bei einem Auto eine Scheibe ein, ehe er von dannen zog.

Und so ging es an zahlreichen anderen Orten weiter. So machte er beispielsweise im Juni 2009 im Säuliamt seine Runden, wo er beispielsweise in Stallikon ebenfalls in der gleichen Nacht jeweils in mehrere Häuser einbrach respektive einzubrechen versuchte.

Und im November 2009 war er in Nürensdorf im Bezirk Bülach unterwegs. In einem der Häuser muss er sich gefühlt haben, als hätte er soeben im Casino den Jackpot geknackt: In einem Büro fand er Bargeld im Wert von über 12 000 Franken. Im gleichen Haus waren auch noch Schmuckstücke im Wert von über 14 000 Franken. Der persönliche Wert, den solche Stücke für die Eigentümerinnen haben können, nicht mitgerechnet.

Gemälde im Wert von 2 Mio. Fr.

Stundenlang könnte man von den Diebestouren des Profi-Gauners erzählen. Hier sei nur noch ein Beispiel genannt, von einem Diebstahl an der Goldküste, wo sich der Serbe ebenfalls sehr gerne bediente. In Küsnacht stahl er aus einem Haus 24 Gemälde im Gesamtwert von zwei Millionen Franken, ist in der Anklageschrift vermerkt.

Verantworten muss sich der Serbe, der verschiedene Identitäten benutzte und manchmal einen Komplizen an seiner Seite hatte, wegen mehrfachen gewerbsmässigen, teilweise bandenmässigen und teilweise versuchten Diebstahls und mehrfacher Sachbeschädigung, mehrfachen Hausfriedensbruchs und mehrfacher Entwendung eines Fahrzeugs zum Gebrauch. Auf die Schliche gekommen ist man ihm mitunter mittels DNA-Spuren. Gemäss Anklageschrift befindet er sich im vorzeitigen Strafvollzug in der Justizvollzugsanstalt Pöschwies in Regensdorf.