Die Dietiker Stimmberechtigen werden aller Voraussicht nach nicht über die Velo-und Fussgänger-Initiative entscheiden: Der Stadtrat will das Anliegen der Grünen und der Velo-Lobby schneller umsetzen – er bringt die Initiative deshalb nun gleich selber als Antrag ins Stadtparlament. Die Urheber der Initiative sind mit diesem Vorgehen einverstanden, wie Andreas Wolf, Mitinitiant und grüner Gemeinderat, bestätigt. «Wir sind erfreut, dass der Stadtrat unsere Idee aufnimmt.»

Mit der Initiative «Sicher und entspannt zu Fuss und per Velo durch Dietikon» wurde ein Rahmenkredit über zwei Millionen Franken gefordert, um bis ins Jahr 2030 mit verschiedenen Projekten den Fuss- und Veloverkehr zu fördern. Nur mit einem sicht- und spürbaren handfesten politischen Willen sei die gewünschte Entwicklung zu einer lebenswerteren Innen-Stadt zu erreichen, hiess es auf dem Unterschriftenbogen. Mit einem Rahmenkredit könnte insbesondere erreicht werden, dass die verschiedenen angedachten Massnahmen zum Langsamverkehr, die im Dietiker Gesamtverkehrskonzept enthalten sind, auch umgesetzt werden, sagt Wolf. «Bislang ist da nicht viel gelaufen.»

Doch der Druck der Initiative, die vor einem Jahr mit 575 Stimmen eingereicht wurde, scheint gewirkt zu haben, meint Wolf. So schreibt der Stadtrat in seinem Antrag von «einem deutlichen Signal aus der Bevölkerung». Diese messe dem kommunalen Fuss- und Veloverkehr einen hohen Stellenwert zu. Durchgängige und auch sichere Verbindungen für Fussgänger und Velofahrer würden von vielen Quartierbewohnern als deutliche Steigerung der Lebensqualität empfunden, hält der Stadtrat weiter fest.

Parlament kann indirekt mitreden

Der Stadtrat befürwortet auch das Instrument des Rahmenkredites: «Investitionen in das Fuss- und Veloverkehrsnetz können so einfacher getätigt werden.» Es müsse nicht für jedes einzelne Projekt ein separater Kredit bewilligt werden, da die Finanzierung bereits als Ganzes gesichert ist. Mit einer Laufzeit von zehn Jahren könne auch die Planungssicherheit und Handlungskompetenz des Stadtrates erhöht werden.

Das Parlament kann derweil nicht direkt beeinflussen, wie der Stadtrat mit dem Rahmenkredit umgeht. Wolf befürchtet aber nicht, dass sich bis zum Ende der Laufdauer des Kredites im Jahre 2030 nicht viel tun wird. Und falls dem doch so wäre, könnte das Parlament jederzeit reagieren. «Denn der Stadtrat muss dem Gemeinderat jährlich einen Bericht erstatten, in dem aufgezeigt wird, welche Projekte geplant sind, welche umgesetzt werden», sagt Wolf. Gehe es dem Parlament beim Thema Langsamverkehr zu langsam voran, könne es mit Budgetanträgen und Vorstössen durchaus reagieren.

Der Rahmenkredit über zwei Millionen Franken, der in Dietikon bis 2030 für den Fuss- und Veloverkehr zur Verfügung stehen soll, muss gemäss Initiativtext nicht jedes Jahr zu gleich grossen Teilen aufgebraucht werden. «Das gibt dem Stadtrat mehr Flexibilität», sagt Wolf. So könne dieser auch teurere Brocken realisieren, oder zu Beginn der Laufzeit gleich mehrere Projekte an die Hand nehmen.

Viele gefährliche Stellen

Die mittel- und langfristige Planung des Langsamverkehrs ist Bestandteil des städtischen Gesamtverkehrskonzeptes. Zum Thema Fussgänger und Velofahrer sind darin 13 Massnahmen enthalten. Vorgesehen sind fussgängerfreundliche Gestaltungen von gewissen Strassenabschnitten, verbesserte Velorouten und -querungen sowie zusätzliche Veloabstellplätze. Handlungsbedarf sieht Wolf insbesondere in der Silbern, wo das Velofahren gefährlich sei. Auch am Bahnhof und beim Postparkplatz kämen sich Zwei - und Vierradfahrer häufig in die Quere, und die dunkle Unterführung unter den Gleisen bei der Nötzliwiese sei viel zu dunkel und zu eng.

Trotz der Ankündigung des Stadtrates, den Rahmenkredit über zwei Millionen Franken dem Gemeinderat vorzulegen, ist die Initiative «Sicher und entspannt zu Fuss und per Velo durch Dietikon» noch nicht ganz vom Tisch. Denn offiziell zurückgezogen wird sie von den Initianten erst, wenn der Gemeinderat den Kredit bewilligt hat. Denn andernfalls sollen die Dietikerinnen und Dietiker an der Urne das letzte Wort haben.

Doch Wolf ist zuversichtlich, dass bereits das Parlament den Rahmenkredit genehmigen wird. «Die Förderung des Fuss- und Veloverkehrs findet bis ins bürgerliche Lager Unterstützung.»