Naturschutz
Mehr Tauben auf dem Dach als Spatzen in der Hand

Der Hausspatz hat seinen festen Platz im Schweizer Alltag. Als sehr flexibler und anpassungsfähiger Vogel kann er sich den steigenden Anforderungen des immer stärker schrumpfenden Lebensraums anpassen. Das hat allerdings seinen Preis.

Franziska Wagner
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Spatzen sind sehr anpassungsfähig. Trotzdem hat die Population stark abgenommen.

Spatzen sind sehr anpassungsfähig. Trotzdem hat die Population stark abgenommen.

Keystone

Gemäss einer Erhebung von ZVS/BirdLife Zürich sind die Bestände aber zwischen 1988 und 2008 im Kanton Zürich um 20 Prozent und im Bodenseegebiet um 30 bis 40 Prozent zurückgegangen, wie der „Tages-Anzeiger" schreibt.

Momentan werden Daten für den neuen Vogelatlas der Vogelwarte Sempach gesammelt, der in den nächsten Jahren erscheinen wird. Die Zahlen dürften weiterhin rückläufig sein.

Der Spatz sei eigentlich ein sehr anpassungsfähiger Vogel, sagt Christa Glauser vom Natur- und Vogelschutzverein (NVV) Dietikon, zugleich stellvertretende Geschäftsführerin von SVS/BirdLife Schweiz. Er lebe im halboffenen Kulturland, an der Grenze zwischen Wald und Kulturland und schätze auch artenreiche Gärten. Besonders in der Brutzeit fresse er viele Schädlinge wie Raupen und Blattläuse.

Doch der Lebensraum des Spatzes schrumpft. „Die Art und Weise, wie heute gebaut wird, ist ein grosses Problem", sagt Glauser. Die Überbauung im Dietiker Quartier Limmatfeld sei ein gutes Beispiel dafür. Dort würden die Häuser so gebaut, dass es keine Schlupfwinkel mehr gebe für Spatzen, die Höhlenbrüter und somit auf Nischen angewiesen sind. Auch das Zubetonieren von Grünflächen sei ein Problem. In einer solchen „Limmat-Schlucht" können Spatzen nicht leben. Und dabei ist der Spatz noch einer der zäheren Vögel. Empfindlichere Artgenossen verschwinden in gewissen Gebieten und Quartieren ganz, während die Spatzenpopulation zum Teil stark abnimmt. Eingreifen müsse man aber jetzt, nicht erst, wenn der Spatz auf der Roten Liste stehe, so Glauser. „Was dem Spatz schadet, kann auch für den Menschen nicht gut sein", sagt sie. Deshalb hat sich der NVV beim Bauprojekt „Limmat-Tower" und- mit mehr Erfolg- beim geplanten Dietiker Stadtteil Niderfeld eingebracht. „Wir haben durchgesetzt, dass die Siedlung stärker durchgrünt und der ökologische Aspekt stärker gewichtet wird", sagt Glauser. Das freut den Spatz. (fwa)