Auf dem Geistlich-Areal wächst in den kommenden Jahren Imposantes aus dem Boden. Auf den Baufeldern B2 und C1 entlang der Brandstrasse und auf dem Baufeld B4 entlang der Wiesenstrasse läuft die nächste Etappe der baulichen Entwicklung des ehemaligen Industrieareals. Mit neuen Anwohnern kommt auch der Bedarf nach mehr Raum für Schule und Kindergarten. Besonders Letzterer wird im Rietbach-Quartier knapp. Obwohl erst im vergangenen Jahr drei Kindergarten-Einheiten im Schulhaus Reitmen den Betrieb aufnahmen, braucht Schlieren weitere neue Kindergärten. «In die bisherigen Wohneinheiten sind bedeutend mehr Kinder im Vorschulalter eingezogen als ursprünglich angenommen», schrieb der Stadtrat jüngst in einem Beschluss. Darin verweist er darauf, dass der Bedarf an Kindergarten-Plätzen dereinst gar steigt. Daher beabsichtigt er im Quartier Rietbach, einen Miet-Kindergarten zu eröffnen. Die Kosten dafür betragen einmalig 1,2 Millionen Franken. Hinzu kommen jährlich wiederkehrende Mietkosten von gut 140'000 Franken.

3000 neue Personen im Quartier

Bereits im Rahmen der Gestaltungspläne fürs Rietbach-Quartier sei der Bau von Schulinfrastruktur geprüft worden, schreibt der Stadtrat. «Diese Pläne wurden aber zugunsten des Schulhausneubaus Reitmen verworfen.» Auf dem gesamten Gebiet Rietbach, bestehend aus den Teilgebieten Geistlich und Färbi, entstehen 1500 Wohneinheiten für 3000 Bewohnerinnen und Bewohner. Dies entspricht einem Zuwachs um 15 Prozent für die Stadt. Dieser Zuwachs macht sich schon heute bemerkbar. Per Beginn des kommenden Schuljahres bestellte die Schulpflege ein Klassenzimmer samt Nebenräumen für eine Kindergarten-Klasse im Zelgli. Im Kindergarten Zelgli-West kann es im August den Betrieb aufnehmen. Zusätzlich verlangt die Schulpflege auch einen Doppelkindergarten mit Mittagstisch für 36 Kinder als Tagesbetreuung im Rietbach-Quartier.

Die Geschäfts- und Wohnüberbauung der Geistlich Immobilia verfügt über gesamthaft 11 700 Quadratmeter Nutzfläche. Sie soll bis zum Jahr 2020 fertig gebaut sein. Geht es nach dem Schlieremer Stadtrat, sollen dort im Erdgeschoss rund 500 Quadratmeter Fläche für einen Doppelkindergarten-Ausbau, einen Mittagstisch sowie Aussenflächen gemietet werden. Der Ausbau, der rund 1,2 Millionen Franken kostet, könne ab Januar 2020 beginnen, dann nämlich könnte die Stadt die Fläche übernehmen.

In Dietikon gab es Gegenwind

Die vertraglich festgelegte Mietdauer beträgt 10 Jahre, es besteht jedoch die Möglichkeit, den Vertrag zu denselben Konditionen um zwei Mal fünf Jahre zu verlängern. Als Mieterin ist es der Stadt erlaubt, den gesamten Rietpark zu nutzen. Noch ist aber nicht alles unter Dach und Fach. So braucht der Stadtrat noch den Segen des Parlaments.

Wie die Stimmung im Rat ist, lässt sich nur schwer abschätzen, zumal das Geschäft erst seit wenigen Tagen öffentlich ist. Ein Blick zur Nachbarin Dietikon zeigt, dass sich das Volk oft schwertut mit Mietlösungen für schulische Infrastrukturbauten. Ende 2012 lehnten 68 Prozent der Stimmberechtigten ein Mietschulhaus im Quartier Limmatfeld ab. Damals bekämpften die SP, die AL, die Grünen und die DP die Vorlage. In einer der Limmatfeld-Überbauungen wären Kosten für den Innenausbau von 2 Millionen Franken sowie jährliche Mietkosten von 1,3 Millionen Franken für den Steuerzahler angefallen.

Auch in Schlieren ist die Stadt mehrheitlich die Besitzerin der Liegenschaften, in denen ihre Kinder unterrichtet werden. So stellt die Stadt in gesamthaft 21 Kindergärten Platz für 408 Kinder zur Verfügung. Unter anderem befinden sich die Kindergärten Halde, Hofacker oder Nähhüsli im Besitz der Stadt. Einzig zwei Modulbauten im Moos und im Kalktarren werden gemietet. Einer der drei Kindergärten Zelgli und jener im Zelgli West befindet sich ebenfalls nicht im Besitz der Stadt.