Mobilität

Mehr Mut bei Verkehrsprojekten: Gesamtprojektleiter der Limmattalbahn im Interview

Daniel Issler ist Gesamtprojektleiter der Limmattalbahn AG.

Als Gesamtprojektleiter ist Daniel Issler zuversichtlich, dass die Limmattalbahn nicht scheitert. Und er wünscht sich mehr Mut in der Schweiz.

Daniel Issler, am 23. September gehen die Stimmbürger des Kantons Zürich an die Urne und entscheiden, ob die zweite Etappe der Limmattalbahn zwischen Schlieren und dem Bahnhof Killwangen-Spreitenbach gebaut wird. Was geschieht bei einem Nein?

Daniel Issler: Wir sind grundsätzlich zuversichtlich, dass die Stimmbevölkerung ihr deutliches Ja zur Limmattalbahn aus dem Jahr 2015 bestätigen wird. Die Limmattalbahn als Gesamtverkehrssystem funktioniert ohne die zweite Etappe nicht.

Aber wenn es ein Nein gibt?

Wir haben keine verschiedenen Szenarien ausgearbeitet, die dann zum Tragen kommen würden.

Zahlreiche andere Verkehrsprojekte im Limmattal sind gescheitert. Was braucht es, damit dies nicht geschieht?

Am allerwichtigsten ist, dass das Bedürfnis nach dem Projekt vorhanden ist. Am Beispiel der Limmattalbahn lässt sich sagen, dass es eine Gesamtverkehrslösung mit öV und Individualverkehr braucht, da die Region wächst. Gleichzeitig braucht es für den Erfolg eines Verkehrsprojekts eine starke Trägerschaft. Mit den beiden Kantonsregierungen Zürich und Aargau, die im Jahr 2010 den Startschuss gaben, verfügen wir auch darüber. Drittens braucht es den politischen Rückhalt. Ohne diesen geht es nicht. Bei der Limmattalbahn ist dies ersichtlich durch die deutlichen Entscheide des Kantonsrats wie auch die jene der Gemeindeexekutiven, die geschlossen dahinterstehen.

Wie haben Sie diesen Rückhalt in den Gemeinden und Städten aufgebaut?

Seit 2010 stehen wir in regelmässigem Kontakt mit Behördenvertretern der Städte und Gemeinden, durch welche die Limmattalbahn verkehrt. Alle drei Monate fand eine Besprechung statt. Dies ist der vierte wichtige Punkt: die Gesprächsbereitschaft. Die Leute schätzten es, dass man vor Ort nach Lösungen für ihre Probleme suchte und ein offenes Ohr für ihre Anliegen hatte.

Dies verschonte Sie jedoch nicht vor zahlreichen Einsprachen.

Dies ist ein demokratisches Recht, mit dem man als Projektverantwortlicher rechnen muss. Wir hatten stets die aktuellsten Pläne im Internet offengelegt. Denn bei einem mit Steuergeldern finanzierten Projekt sollte grösstmögliche Transparenz herrschen.

Trotzdem: In der Schweiz ist die Realisierung von Grossprojekten schwierig unter anderem aufgrund der Einsprachemöglichkeiten der Anwohner.

Das mag bei einzelnen Projekten so sein. Aber unser System hat Vorteile. Die direkte Demokratie bietet etwa eine grosse Legitimation. Anders als bei manchen Grossprojekten im Ausland stehen in der Schweiz das Volk und die Behörden mehrheitlich dahinter, weil sie mitentscheiden können.

Hätte Sie auf Ihre Anstellung bei der Limmattalbahn AG verzichtet, wäre einer Ihrer Punkte nicht erfüllt gewesen?

Bei meinem Stellenantritt 2010 war die Haltung mancher Parteien gegenüber der Bahn noch nicht klar. Es waren also nicht alle Punkte erfüllt. Trotzdem hätte ich die Stelle angetreten, weil die Limmattalbahn ein überzeugendes Projekt ist.

Wagen wir einen Blick über die Grenzen des Bezirks. Die Pläne für einen Rosengarten-Tunnel, der die Verkehrsengpässe zwischen Zürichs Norden und Westen lösen soll, werden schon früh kritisiert. Zu früh für ein erfolgreiches Projekt?

Im Gegenteil. Die Diskussion, ob Tunnel und Tram realisiert werden sollen, findet heute statt. Gelangt man zum Schluss, dass diese Lösung nicht mehrheitsfähig ist, kann man sich umorientieren. Anders als bei der Limmattalbahn, wo der grundsätzliche Entscheid wegen der Initiative sehr spät und ein zweites Mal an die Urne gebracht wird.

Welchen Tipp geben Sie Projektleitern anderer Grossprojekte?

Da im Tiefbau vieles politisch bestimmt wird, kann ich nur raten, ein möglichst gutes Projekt unter den gegebenen Umständen zu machen. Auch ist es ratsam, jeweils so früh wie möglich das Gespräch mit den verschiedenen Beteiligten aus der Politik aber auch mit den Anwohnern zu suchen.

Gibt es ein gescheitertes Projekt, das Ihrer Meinung nach hätte umgesetzt werden sollen?

Schwierige Frage. Generell wären mir mutigere Projekte lieber. In der Schweiz ist man eher zurückhaltend.

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