Limmattal

Mehr Freiraum dank Eigenständigkeit

Die aufsuchende Familienberatung hilft bei Problemen vor Ort. Sie wurde dieses Jahr in eine private Trägerschaft überführt. WAL

Die aufsuchende Familienberatung hilft bei Problemen vor Ort. Sie wurde dieses Jahr in eine private Trägerschaft überführt. WAL

Die «Mobile Familienberatung mfb» ist neu als private Organisation tätig. Obwohl durch die Eigenständigkeit das Gefühl eines gewissen Druckes vom freien Markt besteht, sind die Verantwortlichen überzeugt, dass Konkurrenz die Qualität steigert.

Auf den 1. Januar 2012 wurde die vormals in kantonale Strukturen integrierte aufsuchende Familienarbeit in eine private Trägerschaft überführt. Annelies Schneider, Susanne Giger und Salome Roesch teilen sich die Geschäftsleitung der neu gegründeten, gemeinnützigen GmbH «Mobile Familienberatung mfb».

«Es war ein politischer Entscheid»

Wie Schneider erklärt, wurden unter dem Dach der Mobilen Familienberatung & Krisenintervention seit August 2006 vier unterschiedlich intensive Angebote umgesetzt. Nach Abschluss der Projektphase wurde 2010 eine Erweiterung auf das ganze Kantonsgebiet beantragt. Die Finanzlage des Kantons erlaubte es zu diesem Zeitpunkt nicht mehr, die aufsuchende Familienarbeit ins Grundangebot der Kinder- und Jugendhilfe aufzunehmen. Der Kanton unterstütze jedoch die Überführung des bestehenden Angebots in eine private Trägerschaft. «Der Kanton hat ein grosses Interesse am Weiterbestehen unseres Angebotes und bringt uns grosse Wertschätzung und finanzielle Unterstützung entgegen», so Giger angesichts des noch drei Jahre laufenden Subventionsvertrags. Es seien über die letzten Jahre viel Know-how und gut etablierte Strukturen erarbeitet worden, an deren Erhalt der Kanton sowie die Mobile Familienberatung gleichermassen interessiert seien. «Für beide Stellen ist es eine Win-win-Situation», findet Roesch. Dies nicht zuletzt, da die aufsuchende Familienberatung eine wichtige Anlaufstelle für die Jugend- und Familienberatung des Kantons Zürich geworden sei und die «mfb» durch dieses Vertrauensverhältnis bezüglich Aufträgen als private Trägerschaft weiterhin profitieren könne.

Qualität durch Konkurrenz

Obwohl durch die Eigenständigkeit das Gefühl eines gewissen Druckes vom freien Markt bestehe, ist Roesch überzeugt: «Konkurrenz kann auch die Qualität der Arbeit steigern.» Diese sei es, die für das Überleben des Angebots der «mfb» massgebend sei, nicht die Anzahl der beratenen Familien. Zudem sei allgemein eine sich auf die Resultate positiv auswirkende Professionalisierung der Mitarbeitenden der aufsuchenden Familienarbeit festzustellen.

Auch Giger sieht die neue Situation optimistisch: «Wir sind ein Betrieb, der schon zuvor gut funktioniert hat. Der erste Schreck, fallen gelassen zu werden, ist schnell verflogen und die Veränderung hat eine gute Richtung angenommen.» Auch positive Rückmeldungen anderer Fachstellen würden das Team in seiner Arbeit motivieren.

Schneider sieht klar, dass man als weiterer Anbieter auf dem Markt intensiver auf zuweisende Stellen zugehen müsse. «Das ist aber auch spannend und die Eigenständigkeit gibt uns viel Freiraum und mehr Gestaltungsmöglichkeiten.» Unter anderem könne man die im Kinderschutz spezialisierten Angebote in Zukunft auch in anderen Regionen des Kantons Zürich anbieten, wobei nach und nach erörtert werden soll, was «eine gesunde Grösse» für den Betrieb sei, so Schneider. Zudem sei geplant, mehr Mitarbeitende einzustellen, um flexibler auf die Nachfrage der Auftraggebenden reagieren zu können und beispielsweise mehr Kapazität für Intensivabklärungen zu schaffen. Auch Entscheidungswege können in der neuen Organisationsform verkürzt werden. Die Mitarbeiterinnen der «mfb» schätzen die neu festen Räumlichkeiten der Beratungsstelle und den dadurch optimierten fachlichen Austausch.

Zunehmende Komplexität

Trotz der strukturellen Veränderungen und Expansionsplänen wolle man laut Schneider aber weiterhin im Bezirk Dietikon verankert bleiben und mit der Jugend- und Familienberatung und weitern Fachstellen und Schulen des Bezirks Dietikon die bisherige Zusammenarbeit weiter pflegen. Auch der Hauptfokus Kinderschutz bleibe derselbe.

Dieser würde auch in Zukunft ein wichtiges Thema in der Gesellschaft sein, ist Schneider überzeugt. «Allgemein haben die Belastungen für Familien zugenommen», stellt sie fest. Durch mehr Arbeit, finanziellen und schulischen Druck würden für viele Familien hohe Ansprüche erwachsen und Eltern seien zunehmends verunsichert in der Erziehung ihrer Kinder, fährt sie fort. Auch neue Familienstrukturen gäben oft Anlass zur Arbeit der «mfb». «Kürzere und gleichzeitig häufigere Einsätze sind effektiver», findet Schneider, wenn es um die Arbeit mit und in den zu betreuenden Familien geht. «Viele Familien haben gute Ressourcen, diese gilt es herauszuarbeiten und den Betroffenen so Mut zu machen», so das Geschäftsleitungsmitglied.

Dass die aufsuchende Familienarbeit immer mehr gefragt ist, hat, so meint Schneider, mit der wachsenden Komplexität familiärer Probleme zu tun, aber auch mit der wachsenden Akzeptanz des Angebotes. Zudem zeige die Entwicklung der letzten Jahre, dass eine wachsende Zahl von Familien auf konkrete Hilfe und Anleitung vor Ort angewiesen ist.

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