Limmattal
Mehr Einsätze für Wespen-Bekämpfer im Limmatal

Wegen des schönen Frühlingswetters konnten die Tiere früher mit dem Nestbau beginnen. Experten sprechen deshalb von einer aussergewöhnlichen Wesepensaison.

nicole Emmenegger
Merken
Drucken
Teilen
Ihre Lust auf Süsses und Fleisch wird vielen Wespen zum Verhängnis. Walter Schwager

Ihre Lust auf Süsses und Fleisch wird vielen Wespen zum Verhängnis. Walter Schwager

Limmattaler Zeitung

Wespen haben Fliegen und Mücken zum Fressen gerne – weil bestimmte Arten aber auch auf Glacé und Grillwürste fliegen, nerven sie viele Menschen. Diesen Sommer sind die Grillplätze besonders umkämpft. In der Deutschschweiz melden Feuerwehren mehr als doppelt so viele Anti-Wespen-Einsätze wie letztes Jahr.

Auch im Limmattal halten die Tiere die Einsatzkräfte auf Trab. Gut ein Dutzend Einsätze wegen Wespennestern verzeichnet der Kommandant der Feuerwehr Weiningen, Ernst Haug. «Üblich sind sechs, sieben Einsätze pro Saison», sagt er. Ebenfalls mehr Anti-Wespen-Einsätze als im Vorjahr leisten die Schädlingsbekämpfer der Firma Rentokil, die in Dietikon ein Büro betreibt. Genaue Zahlen zum Bezirk Dietikon kann Serviceleiter Marcel Hertig allerdings nicht nennen – das schweizweit tätige Unternehmen registriert die Einsätze nicht nach Regionen gegliedert.

Wespenalarm schon im Juni

Von einer aussergewöhnlichen Wespensaison spricht auch Urs Hollenweger, Materialwart der Feuerwehr Schlieren: Man habe dieses Jahr früher als üblich gegen Wespen vorgehen müssen. «Normalerweise fallen die Tiere den Leuten erst im August auf, wenn sie rege fliegen und ihre Nester gross sind. Dieses Jahr waren wir bereits im Juni wegen Wespen im Einsatz», so Hollenweger. Die Firma Rentokil und der Kommandant der Feuerwehr Weiningen bestätigen den frühzeitigen Wespenalarm. Sie erklären das Phänomen mit dem schönen Frühlingswetter: Die Wespenköniginnen konnten früher mit dem Bau der Nester beginnen, die dementsprechend gross sind und viele Arbeiterinnen beherbergen.

Tiere sterben oft den Gifttod

Ihr Fleiss wird den Tieren zum Verhängnis. Die alarmierten Einsatzkräfte machen mit ihnen oft kurzen Prozess – auch wenn der Schweizer Tierschutz rät, die Nester der Nützlinge nicht zu entfernen oder zu zerstören (siehe Infobox). «In 90 Prozent der Fälle können wir die Völker nicht umsiedeln und im Wald aussetzen, weil die Nester in Storenkästen oder unter Dächern verborgen sind», sagt der Weininger Kommandant Ernst Haug. Der Feuerwehr bleibe oft nichts anderes übrig, als die Wespen mit Insektenspray zu vergiften. Ähnlich tönt es bei der Schlieremer Feuerwehr, wo man ein weiteres Argument gegen die Umsiedlung nennt: «Wenn wir die Tiere im Wald aussetzen, könnten sie Spaziergänger stören», so Materialwart Hollenweger. Vor dem Griff zur Giftdose kläre die Feuerwehr allerdings die Gefahr ab, die vom Nest ausgehe «Wenn es die Situation zulässt, lassen wir das Volk in Absprache mit den betroffenen Personen leben.»

Angst nimmt zu

Die steigende Anzahl Anti-Wespen-Einsätze hat laut den Experten nicht nur mit den Tieren, sondern auch mit den Menschen zu tun: «Immer mehr Personen sind allergisch und haben Angst. Gerade Eltern sind unsicher, wie ihre Kinder auf Insektenstiche reagieren», sagt Marcel Hertig von der Firma Rentokil. Manchmal würden Allergien allerdings auch vorgetäuscht – in der Hoffnung, dass der Schädlingsbekämpfer dann schneller vor Ort sei. Von diesem Phänomen berichtet auch Urs Hollenweger von der Feuerwehr Schlieren: «Solche Argumente beeinflussen unseren Einsatz allerdings nicht. Die Nester werden erst am Abend vergiftet, wenn die meisten Tiere im Bau sind.»