Dietikon
Mehr Ausbildungsplätze als Suchende – im Bezirk bleibt das Lehrstellenangebot stabil

In gewerblichen Betrieben sind die meisten Ausbildungsplätze zu haben.

Lina Giusto
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Im Bezirk Dietikon gibt es unter anderem im Coiffeur-Beruf die meisten noch offenen Lehrstellen.

Im Bezirk Dietikon gibt es unter anderem im Coiffeur-Beruf die meisten noch offenen Lehrstellen.

Keystone

Das laufende Schuljahr im Bezirk Dietikon endet in zwei Wochen. Für viele Schulabgänger beginnen damit die letzten Sommerferien vor dem Eintritt ins Berufsleben. Manche aber haben noch keine Lehrstelle für den Herbst gefunden. Sie stehen vor der Entscheidung, letzte Bewerbungsanstrengungen zu unternehmen oder aber eine Zwischenlösung – sei es ein Berufsvorbereitungsjahr, ein Praktikum oder einen Sprachaufenthalt – in Angriff zu nehmen.
Für die Jugendlichen aus dem Bezirk Dietikon, die nach dem Sommer eine Lehrstelle antreten wollen, besteht noch Hoffnung. Per Ende Juni sind im Bezirk Dietikon 87 Lehrstellen offen.

Im gleichen Zeitraum vor einem Jahr waren in der Region 82 Lehrstellen zu vergeben. Wie André Monhart, Leiter Fachbereich Berufsberatung im Amt für Jugend- und Berufsberatung des Kantons Zürich, sagt, sei die Lage auf dem Lehrstellenmarkt insgesamt gut und stabil. Will heissen: Die Anzahl der zu vergebenden Lehrstellen bei den Betrieben in der Region Dietikon, aber auch im Kanton Zürich – dort sind aktuell noch über 2000 Lehrstellen offen – bewegt sich auf einem ähnlichen Niveau wie in den Vorjahren.

Mehr Stellen als Suchende

Die Zahl der offenen Lehrstellen aber verdeutlicht, es gibt mehr Ausbildungsplätze für Jugendliche als Lehrstellensuchende. Laut dem Amt für Jugend- und Berufsberatung des Kantons bekunden insbesondere gewerbliche Betriebe Mühe bei der Besetzung der Lehrstellen, denn die Zahl der Schulabgänger hat nicht im gleichen Masse zugenommen wie die zu besetzenden Ausbildungsplätze. Im Bezirk Dietikon sind vor allem in den Bereichen Elektroinstallateur, Detailhandelsfachmann, Maurer, Koch, Spengler, Coiffeur oder Carrossier am meisten Lehrstellen zu haben.

Weshalb einige Jugendliche bei der Lehrstellensuche dennoch teilweise erfolglos bleiben, hat unterschiedliche Gründe. «Entweder sind die Erwartungen an die Berufswahl zu hoch oder sie bewerben sich zu einseitig», sagt Irene Brändle, stellvertretende Leiterin des Berufsinformationszentrums (BIZ) Urdorf. Manchmal würden sie auch durch die parallele Belastung von Abschlussprüfungen und Bewerbungen schreiben überfordert oder aber erfüllen die Anforderungen für eine Lehrstelle nicht.

Der Bedarf an Unterstützung der Jugendlichen sei vielfältig, entsprechend haben sich die Angebote von der Seite des BIZ in den vergangenen Jahren professionalisiert, sagt Brändle. Die Berufsberater begleiten die Jugendlichen während des Bewerbungsprozesses eng und zeigen ihnen auch alternative Wege auf. Am Informationsanlass «Keine Lehrstelle, was tun?» des BIZ Urdorf erhalten Jugendliche Auskunft über Praktika und Zwischenjahre.

Online wird immer wichtiger

Für die Mehrheit aber schätzt Brändle die Situation positiv ein: «Die Schüler aus dem Bezirk Dietikon sind gut auf den Arbeitsmarkt vorbereitet und zeichnen sich durch eine realistische Herangehensweise bei der Berufswahl aus.» Dies bestätige, dass die Anstrengungen vonseiten der Schulen und des BIZ fruchten. «Die Anforderungen an die Bewerbungen haben sich in den letzten Jahren geändert. Darin schulen wir die Jugendlichen gezielt», so Brändle. Konkret geht es um das Zusammenstellen der Bewerbungsdossiers sowie dessen Einreichen per E-Mail oder über die Onlineportale der Unternehmen.

Lehrbetriebe bewerten strenger

Auch die kantonale Berufsberatung bestätigt, dass das Anforderungsniveau an die Berufseinsteiger gestiegen ist. Schulische Voraussetzungen, Leistungsbereitschaft und die Zuverlässigkeit der Jugendlichen würden bei den Lehrbetrieben mittlerweile strenger bewertet. Dies, weil Unternehmen bestrebt seien, ihre freien Lehrstellen nur mit jenen Schulabgängern zu besetzen, die auch über ein entsprechendes Anforderungsprofil verfügten. Deshalb bleiben laut Monhart viele Lehrstellen länger unbesetzt. Demgegenüber bekunden Jugendliche mit eher schwachen schulischen Leistungen zunehmend Mühe, einen Ausbildungsplatz zu finden.

Zudem ist es für Jugendliche im Alter von 14 oder 15 Jahren bekanntermassen auch schwierig, sich für einen bestimmten Beruf zu entscheiden. Als Gründe nennt das Amt für Jugend- und Berufsberatung, dass sie ihre persönlichen Bedürfnisse noch zu wenig kennen und für die schulische Entwicklung teilweise etwas mehr Zeit benötigen würden. Bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund spielt die noch nicht vollständige Vertrautheit mit dem hiesigen Bildungssystem eine Rolle.

Basierend auf diesen Erkenntnissen unterstützen die BIZ die Jugendlichen bei den Bewerbungsvorbereitungen und dem Berufseinstieg. Ein besonderes Unterstützungsprojekt des Amtes für Jugend- und Berufsberatung läuft unter dem Namen «Mentoring Ithaka». Dabei stehen freiwillige Personen aus der Wirtschaft und der Verwaltung den Jugendlichen als persönliche Mentoren zur Seite. Sie stellen ihnen dabei ihr Kontaktnetzwerk zur Verfügung oder begleiten sie persönlich bei der Lehrstellensuche.