Limmattal

Mehr als nur Schienen verlegen

Präsident Hugo Grauf (rechts) kontrolliert die Anlage in Dietikon, bevor heute und morgen Interessierte einen Blick darauf werfen können. Ddi

Präsident Hugo Grauf (rechts) kontrolliert die Anlage in Dietikon, bevor heute und morgen Interessierte einen Blick darauf werfen können. Ddi

Die Welt der Modell-Eisenbahnen treibt Fans manchmal das Wasser in die Augen.

Reges Treiben herrscht im Bahnhof der ehemaligen Spanisch-Brötli-Bahn gleich bei den SBB Gleisen in Dietikon. Das Gebäude, erbaut 1847, ist seit 35 Jahren das Klubhaus des Modell Bahn Clubs Dietikon. Heute und morgen finden die Tage der offenen Tür statt. «Letztes Jahr zählten wir gut 350 Besucher», sagt Präsident Hugo Grauf stolz. Logisch, dass sich die rund 20 Aktivmitglieder – bei gut 100 Mitgliedern insgesamt – mächtig ins Zeug legen, um das Publikum ins Staunen zu versetzen. Dieses erwartet eine neue Welt im Massstab 1 zu 87: Auf 40 Quadratmetern erstreckt sich neben Strassen, Dörfern, Seen und Bergen auch ein weitläufiges Schienennetz. Historische Personen- und Güterzüge befahren das Gesamtwerk hauptsächlich. Aber auch Autos, Lastwagen oder Busse geben sich fahrend die Ehre.

Einblicke in Entstehungsprozess

Es ist eine Leidenschaft, die mehr bedeutet, als «nur» Schienen zu verlegen und Mini-Züge im Kreis fahren zu lassen. «Jeder übernimmt eine andere Aufgabe, sei es das Kreieren der Landschaft oder das Bauen der Häuser», erklärt etwa Kurt Zerzawy, Präsident des Spreitenbacher Eisenbahn-Amateur-Klubs, der seit 45 Jahren besteht. Der gelernte Elektroingenieur bezeichnet die Klubanlage als Steckenpferd. Diese musste vor fünf Jahren in einem Bunker im Quartierzentrum Föhrewäldli in der Fahrweid neu erstellt wurde. Wie es ist, eine neue Welt zu erschaffen, um dann wieder von vorne zu beginnen, haben er und seine Kollegen bitter erfahren. Einst drehten ihre Züge im Tivoli-Center ihre Runden, bis das Gebäude umgebaut wurde. «Es hat wehgetan, als wir die Anlage abbrechen mussten, darin steckte so viel Arbeit», so Zerzawy. Die neue Anlage des Klubs ist noch immer im Aufbau – und bietet einen faszinierenden Einblick in den Entstehungsprozess.

Anders könnte die Anlage der Modul-Eisenbahner Urdorf an einen anderen Ort verlegt werden, denn wie der Name verrät, besteht die Miniatur-Welt, gegründet 1974, aus Modulen. «Unsere Modell-Eisenbahnen fahren auch nicht im Kreis, sondern müssen jeweils am Ende der Strecke gewendet werden», sagt Präsident Bruno Hirzel. Die Anlage, die in der Hilfestelle Weihermatt steht, bietet massstabgetreue Nachbauten realer Bahnhöfe oder Landschaften.

200 Meter langes Schienennetz

Eine völlige Fantasielandschaft hingegen, aber nicht minder real, bieten die Eisenbahnamateure Oberengstringen. Dank des Klubs verfügt die Gemeinde sogar über einen eigenen Bahnhof, genannt Sonnenberg, der seit 1984 prominent im Dachgeschoss des Schulhauses Rebberg untergebracht ist. Das Schienennetz zählt stolze 197 Meter. «Die Häuser bestehen aus normalen Bausätzen, die wir mit Bauernmalerei-Farben selber neu gestalteten», sagt Präsident Martin Sieber, der auch bei sich zu Hause eine Anlage hat – wie übrigens viele «Bähnler».

Alle vier Klubs eint, dass ihre «Bähnler» mit viel Herzblut dem Hobby nachgehen. Einmal pro Woche treffen sich die Mitglieder in ihren Lokalen, um die Welt auf Schienen zu erkunden, diese zu erweitern und zu renovieren. Wobei das gesellige Beisammensein ebenfalls eine wichtige Rolle spielt – auch Ausflüge stehen auf dem Programm. Kurt Zerzawys Augen leuchten, wenn er von der Jubiläumsreise nach Hamburg erzählt; dort steht die weltweit grösste Modelleisenbahn. Aber auch die Miniatur-Welten im Limmattal bieten grosse Einblicke in eine Welt voller liebevoller kleiner Details, welche die Klubs nur zu gerne dem interessierten Besucher präsentieren – wie heute und morgen im Spanisch-Brötli-Bahn-Bahnhof.

Tage der offenen Tür im Modell Bahn Club Dietikon: 10. und 11. September,
10 bis 18 Uhr.

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