Rudolfstetten
Mäusebussard greift Jogger an und verletzt ihn am Kopf

Vogelattacke In Rudolfstetten wurde ein Jogger von einem brütenden Mäusebussard am Hinterkopf verletzt. Im Limmattal sind bisher keine derartigen Fälle bekannt.

Anina Gepp
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Der Mäusebussard hatte es auf den Jogger abgesehen.

Der Mäusebussard hatte es auf den Jogger abgesehen.

Limmattaler Zeitung

«Es war, als hätte mir jemand einen Stein an den Hinterkopf geworfen», sagt Remo M*. Der 22-Jährige wurde beim Joggen in Rudolfstetten Richtung Hasenberg von einem Mäusebussard attackiert. Der Vogel hinterliess mit seinen Krallen am Hinterkopf des jungen Mannes blutige Kratzspuren.

Angriffe von Bussarden auf Jogger seien ein bekanntes Phänomen, sagt Michael Schaad, Biologe der Schweizerischen Vogelwarte. Schweizweit gebe es ungefähr 25 000 brütende Mäusebussardpaare.

Zur Brutzeit von Mai bis Juli seien die Vögel übervorsichtig. «Insbesondere Jogger werden manchmal als Gefahr wahrgenommen. Velofahrer und Spaziergänger werden nur selten Opfer eines Angriffes», sagt Schaad.

Nester am Wegrand problematisch

Im Limmattal seien keine Fälle von Mäusebussard-Attacken bekannt, sagt Christa Glauser vom Vogel- und Naturschutzverein Dietikon. Sie gibt Entwarnung: «In unseren Wäldern kann bedenkenlos gejoggt werden.» Die Mäusebussarde im Limmattal hätten sich gut an die Menschen gewöhnt.

Zu Angriffen der Vögel käme es auch nur dann, wenn die Bussarde nahe an Waldwegen brüteten. «Meistens haben die Vögel ihr Nest weit oben in den Bäumen und fühlen sich nicht bedroht», sagt Glauser. Auch mit anderen Vögeln wie Rotmilanen, Sperber oder Habichten habe es bisher nie Probleme gegeben.

Kappe mit Augen kann schützen

Gemeinden, in denen Bussarde nahe am Waldrand brüten, stellen entsprechende Warnschilder auf, die auf die Gefahr von Mäusebussard-Attacken aufmerksam machen. «Auch im Limmattal würden die Tafeln der Schweizerischen Vogelwarte im Falle einer Gefahr zum Einsatz kommen», so Glauser.

In betroffenen Gebieten empfiehlt Glauser, sich vorübergehend eine andere Laufstrecke zu suchen. «Menschen können besser ausweichen als Tiere», sagt sie. Schaad rät ansonsten, mit einem über dem Kopf schwenkenden Ast zu joggen.

Dieser könne die Tiere abschrecken. Der Biologe hat sogar noch einen kreativeren Tipp: «Wer eine Kappe trägt, auf die am Hinterkopf Augen aufgemalt sind, kann sich schützen.» Er wisse zwar nicht hundertprozentig, ob der Trick alle Bussarde davon abhalte anzugreifen, habe aber schon von dieser Methode gehört.

Die Vögel würden sich durch die Augen beobachtet fühlen und somit nicht angreifen, so Schaad.

Remo M. hat in Rudolfstetten ebenfalls ein Warnschild angetroffen, es aber nicht weiter beachtet. «Ich dachte, das sei ein Hinweis für Leute mit kleinen Hunden. Die werden ja gerne von Bussarden attackiert», so der junge Mann.

Der Mäusebussard liess glücklicherweise nach einem Angriffsversuch wieder von Remo M. ab, da er sich einen Stecken schnappte und damit nach dem Tier warf. Zur Sicherheit suchte er dennoch einen Arzt auf, um sich über eine allfällige Tetanusimpfung zu informieren.

*Name der Redaktion bekannt