Zürich

Maurice Maggi erklärt im Interview, warum die Stadt mehr Obstbäume braucht

Maurice Maggi ist Landschaftsgärtner, etablierte sich auch als Koch. Seit Mitte der 1980er-Jahre macht er in Zürich mit dem damals noch illegalen Guerilla Gardening von sich reden. Dabei setzt er Pflanzensamen im Zürcher Stadtgebiet. Kürzlich veröffentliche er ein Kochbuch mit dem Titel «Essbare Stadt». In diesem werden Rezepte mit Zutaten, die am Strassenrand wachsen, vorgestellt.

Maurice Maggi

Maurice Maggi ist Landschaftsgärtner, etablierte sich auch als Koch. Seit Mitte der 1980er-Jahre macht er in Zürich mit dem damals noch illegalen Guerilla Gardening von sich reden. Dabei setzt er Pflanzensamen im Zürcher Stadtgebiet. Kürzlich veröffentliche er ein Kochbuch mit dem Titel «Essbare Stadt». In diesem werden Rezepte mit Zutaten, die am Strassenrand wachsen, vorgestellt.

Maurice Maggi ist Landschaftsgärtner, etablierte sich auch als Koch. Kürzlich veröffentliche er ein Kochbuch mit dem Titel «Essbare Stadt». In diesem werden Rezepte mit Zutaten, die am Strassenrand wachsen, vorgestellt.

Herr Maggi, in Dietikon setzt man neu auf Biodiversität im öffentlichen Raum. Was halten Sie davon?

Maurice Maggi: Dies freut mich ausserordentlich. Die Artenvielfalt unserer einheimischen Wildpflanzen, von denen viele auch essbar sind, ist bemerkenswert. Dass diese gefördert wird, hilft auch dem hiesigen Tierreich.

Sie wurden durch das Guerilla Gardening bekannt. Welche Vorteile bietet dieses?

Als ich Anfang der 1980er-Jahre damit begann, war der öffentliche Grünraum unkrautfrei. Schnell freuten sich die Stadtbewohner über die Farbigkeit meiner Pflanzen. 99 Prozent der Menschen lieben Blumen. Der Strassenraum wird so nicht mehr als graue Schlucht wahrgenommen, dazu wird das Mikroklima verbessert.

Denken Sie, dass die Agglomeration durch die fortschreitende Verstädterung einen Nachholbedarf in diesem Bereich hat?

Nicht unbedingt. Während des rasanten Wachstums geriet der öffentliche Raum – im Limmattal, aber auch in Zürich – ein wenig in Vergessenheit. Die Ansprüche der Bewohner an den öffentlichen Raum wurden aber höher. Dem hinken Stadt und die Agglomeration gleichwohl hinterher.

Welche Massnahmen würden Sie ergreifen, um der Pflanzenwelt in der Stadt noch mehr Raum zu geben?

Da gibt es viele Visionen. In Quartierstrassen könnte man vermehrt Nuss- und Obstbäume setzen. Dies würde die Bindung der Bewohner zum Baum stärken, denn fruchttragende Bäume betrachtet man nicht nur, wenn sie blühen, sondern das ganze Jahr über. Ihnen würde auch besser Sorge getragen. Eine zweite Idee wäre die Freilegung heute versiegelter Flächen. In Zürich gibt es 4,2 Quadratkilometer Trottoir. Würde man überall 15 Zentimeter freilegen und der Spontanvegetation überlassen, gäbe dies viel Grünraum. Auch Fassadenbegrünung mit Reben oder Kletterpflanzen ist noch zu wenig verbreitet.

Zurück zu den Obstbäumen. In ihrem Kochbuch arbeiten Sie mit Zutaten aus dem Stadtraum. Haben die Leute Vorbehalte gegenüber diesen Produkten, weil sie durch Abgase eventuell geschädigt sind?

Die Leute sind kritisch. Innert der vergangenen 40 bis 50 Jahre wurde der Mensch zu einem Naturanalphabeten. Heute sucht man wieder den näheren Kontakt zur Natur und ihren Produkten. Dass die Produkte der Grosshersteller weniger verschmutzt sind, ist unwahrscheinlich. Dass man die Esswaren vor dem Konsum gründlich waschen muss, ist bei der Zucchetti aus der Migros wie auch beim Holunder vom Strassenrand unumgänglich.

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