«Ich glaube, dass viele Menschen mit dem Velo und der Limmattalbahn unterwegs sein werden und man wegkommt vom Auto-Image», sagt Roman Beer und blickt zur Seite nach draussen auf den Verkehr. Das Limmattal werde zur Stadtlandschaft, die sich durch urbanes Flair und Naturräume auszeichne. Das Siedlungsgebiet am linken Limmatufer könnte künftig mit Stadtzürcher Kreisen wie Altstetten oder Aussersihl verglichen werden. So das Resümee auf die Frage, wie die Region in zehn, zwanzig oder dreissig Jahren aussehen werde. Beer muss es wissen, denn der Geograf vertiefte sich im Rahmen seiner Masterarbeit in die bauliche Planung im Limmattal. Der gebürtige Fahrweider legte dabei den Fokus auf die zahlreichen Planungsgremien, die an der Entwicklung der Region beteiligt sind. Beispielsweise die ZPL (Zürcher Planungsgruppe Limmattal) oder das Perl (Perspektive Raumentwicklung Limmattal), aber auch die Raumkonzepte auf kommunaler Ebene nahm er in seiner Arbeit mit dem Titel «Raumentwicklung im Limmattal» genau unter die Lupe. Gesamthaft 13 Planungsdokumente analysierte Beer im Hinblick auf ihre Ziele.

Jeder will die gut Verdienenden

«Dabei zeigte sich, dass die bauliche Verdichtung im bestehenden Siedlungsgebiet in sämtlichen Gremien eine grosse Priorität geniesst», sagt Beer. Auch für den Erhalt von Landwirtschaftsgebieten setzen sich viele Fachgruppen ein. Zwischen den Planungsgremien auf kantonaler und nationaler Ebene und denjenigen auf der kommunalen tun sich jedoch zum Teil grosse Unterschiede auf. Bei den Gemeinden zeige sich ein grosses Bedürfnis nach Autonomie – insbesondere beim Anziehen von solventen Unternehmen und Einwohnern, so Beer. Will jeder die gut verdienenden Bewohner und die erfolgreichen Firmen ansiedeln, so fehle oft eine Gesamtsicht auf die Region. «Dieses Konkurrenzdenken ist für die Entwicklung des Limmattals nicht förderlich.» Die Mehrheit der Gemeinden hätten dieselben Probleme und dieselben Ziele. Durch eine engere Zusammenarbeit könne man die gut verdienenden Bewohner und die erfolgreichen Firmen einfacher anziehen als im Alleingang und Verkehrsprobleme würden sich wegen Gemeindegrenzen nicht in Luft auflösen. Beer führte im Rahmen seiner Masterarbeit Interviews mit regionalen Exponenten der Politik und der Raumplanung. Dietikons Stadtpräsident Otto Müller (FDP) verwies dabei darauf, dass solange in der Finanzpolitik Gemeindeautonomie bestehe, es immer einen Wettbewerb unter den Gemeinden geben werde.
Beer sieht hierfür zwei Lösungsansätze, bei denen sich die Gemeinden auf eine für die Region sinnvolle Entwicklung konzentrieren können. Denkbar sei die Bildung eines Gremiums, das gemeindeübergreifend die bauliche Planung betreibt. Dieses Gremium müsse aber mit Kompetenzen ausgestattet sein, damit die Gemeinden ihre Entwicklung nicht weiterhin autonom, nach aussen abgeschottet vorantreiben. Denn: «Die heutigen Planungsgremien machen Vorschläge, die die Gemeinde- oder Stadträte befolgen können oder nicht. Die Fachleute haben keinerlei Entscheidungsmacht.» Die Bildung eines solchen Gremiums sei jedoch nicht von heute auf morgen realisierbar, sondern ein Projekt über mehrere Jahre.

Da auch dieser Vorschlag in naher Zukunft nicht realistisch sei, da die Limmattaler Gemeinden ihre Selbstbestimmung in Sachen Raumplanung hochhalten, bleibe nur die Hoffnung auf die Initiative von Privaten. «Das Beispiel des Architektenkollektivs Krokodil, das ein Stadtentwicklungskonzept für das Glattal entwickelte, dient hierbei als gutes Beispiel», so Beer. Auf diese Weise können sich die Gemeinden mit den ausgearbeiteten Vorschlägen auseinandersetzen und diese – allenfalls teilweise – umsetzen oder eben nicht.

Limmattalbahn als gutes Beispiel

Für Beer steht fest, dass alle Gemeinden des Bezirks ein qualitätvolles Wachstum anstreben. «Damit dies aber in die Tat umgesetzt werden kann, müssen die Kommunen am selben Strick ziehen.» Dass dies möglich sei, zeige das Beispiel der Limmattalbahn. Hier würden Gemeinden, gar zwei Kantone eng und zielführend zusammenarbeiten. «Dies wäre auch in der baulichen Planung möglich.»