Uitikon
Massnahmenzentrum Uitikon: Probleme verzögerten auch den Abschluss

Über fünf Jahre, nachdem die geschlossene Abteilung des Massnahmenzentrums Uitikon erneuert wurde, liegt die Bauabrechnung vor.

David Egger
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Der Zellengang im Massnahmenzentrum Uitikon.

Der Zellengang im Massnahmenzentrum Uitikon.

Emanuel Per Freudiger

In der Dietiker Politik würde man von einer «Dornröschen-Bauabrechnung» sprechen. Denn die Erweiterung der geschlossenen Abteilung des Massnahmenzentrums Uitikon (MZU) ist schon einige Jahre her. Im November 2014 wurde der fertige Bau eingeweiht. Nun hat der Regierungsrat diese Woche die Bauabrechnung publiziert, die dem Kantonsrat zur Genehmigung vorgelegt wird.

Bei der Erweiterung lief es zuerst nicht rund, weshalb die Sache komplizierter ist als üblich. 2008 hatte der Regierungsrat 11,985 Millionen Franken für die Erneuerung und Sanierung der geschlossenen Abteilung des MZU als gebundene Ausgabe bewilligt – unter dem Vorbehalt, dass der Kantonsrat 17,615 Millionen Franken für den Umbau und die Erweiterung der geschlossenen Abteilung bewilligt, was dann 2009 geschah. Zusammen mit dem vom Regierungsrat gesprochenen Geld ergab das eine Kreditsumme von 29,6 Millionen Franken.

So begannen im August 2009 die Bauarbeiten. Und auch die Komplikationen: Der Planungsvorlauf war zu kurz. Weil zugleich neu geplant werden musste, um die Minergie-Standards zu erreichen, und weil die Grundrisse wegen betrieblicher Bedürfnisse geändert und die Anzahl der Klientenplätze erhöht wurden, gerieten die Planungen in Rückstand. Im Hochbauamt wurde der Projektleiter ausgewechselt, zudem wurde der Vertrag mit dem Generalplaner gekündigt, wie der Regierungsrat nun auch in seinem Beschluss von dieser Woche erneut festhält.

Nachdem der Rohbau fertiggestellt war und die Bauarbeiten im November 2010 gestoppt wurden, beauftragte der Kanton ein neues Planungsteam, damit die gemachten Fehler behoben und das Projekt grundlegend überprüft werden konnten. Bei dieser Gelegenheit wurde beschlossen, dass auch die Haustechnik vollständig ­ersetzt, die Küche saniert, die Grundrisse geändert und die Kapazität weiter erhöht ­werden soll. Das mündete in ­höhere Kosten, die anfänglich bewilligte Kreditsumme von 29,6 Millionen Franken reichte nicht mehr.

In einem neuen Kostenvor­anschlag wurde mit Gesamt­kosten zu Lasten der Investitionsrechnung von 38,3 Millionen Franken gerechnet. Hinzu kamen weitere 700'000 Franken zu Lasten der Erfolgsrechnung – insbesondere für die Überprüfung des Projekts. Zusammen ergaben sich Mehrkosten in Höhe von 9,4 Millionen Franken, die der Regierungsrat 2011 bewilligte. So standen neu total 39 Millionen Franken für die Erneuerung und Sanierung, den Umbau und die Erweiterung der geschlossenen Abteilung der MZU zur Verfügung. 2012 sicherte dann das Bundesamt für Justiz dem Kanton Zürich einen Beitrag von total 8,5 Millionen Franken zu. Diesen Betrag hat der Bund später, im Jahr 2017, dann auch ausgezahlt.

Auch die Bauabrechnung sorgt für Fragen

2019 lag dann die erste Bauabrechnung vor – jene zu den gebundenen Ausgaben. Und nun liegt auch der zweite Teil der Bauabrechnung vor. Welche was umfasst, ist nicht so genau definiert. Da die Ausgaben nicht den einzelnen Ausgabenbewilligungen zugeordnet werden können, wie der Regierungsrat in seinem Beschluss schreibt, werden die Gesamtkosten in der Höhe von 39'156'182 Franken im Verhältnis 51:49 dem Kredit für die Erneuerung und Sanierung und dem Kredit für den Umbau und die Erweiterung zugeteilt.
Bei beiden Kreditabrechnungen spricht der Regierungsrat von einer Kreditunterschreitung, obwohl die Gesamtkosten gemäss dem Regierungsratsbeschluss insgesamt höher liegen als die zur Verfügung stehende Ausgabensumme von 39'005'000 Franken. Diesen Sachverhalt konnte die Baudirektion gestern Nachmittag auf Anfrage noch nicht erklären respektive aufschlüsseln. Die Komplexität und die zahlreichen Änderungen am laufenden Projekt schlagen sich also auch in der Abrechnung nieder. Nach verschiedenen Abklärungen hielt eine Sprecherin der Baudirektion gestern aber fest: «Wir können bestätigen, dass wir nicht die ganze Kreditsumme für den Bau ausgeschöpft haben.» Bis der Kantonsrat über die Abrechnung entscheidet, dürfte womöglich etwas mehr Licht in die Sache kommen.