Uitikon
Massnahmenzentrum: Die Leidensgeschichte hat ein Ende

Das Massnahmenzentrum Uitikon (MZU) ist nun zwei Jahre später als geplant fertiggestellt — während der Planungs- und Bauzeit ging jedoch einiges schief, was auch die Kosten in die Höhe treiben liess.

Alex Rudolf
Merken
Drucken
Teilen
Massnahmenzentrum Uitikon (MZU) ist fertiggestellt
4 Bilder
Der Innenhof inmitten der Umbauphase im Jahr 2011.
Der gedeckte Sporthof.
Eine Tafel sollte im 2012 die verbleibende Bauzeit anzeigen.

Massnahmenzentrum Uitikon (MZU) ist fertiggestellt

Fuo/Archiv

Seit Jugendstraftäter Carlos dort gewohnt hat, kennt die ganze Schweiz das Massnahmenzentrum Uitikon (MZU). Nun sorgt es wieder für Schlagzeilen, denn die seit 2009 andauernden Bauarbeiten sind abgeschlossen: Das Massnahmezentrum ist somit in der Schweiz das erste seiner Art, das die neuen gesetzlichen Vorgaben im Massnahmenvollzug von Jugendlichen und jungen Erwachsenen erfüllt.

Dabei blicken die Verantwortlichen auf einen langen Leidensweg zurück, der seinen Anfang vor rund sieben Jahren nahm. Änderungen im Strafgesetz und das im Jahr 2007 in Kraft getretene neue Jugendstrafrecht bedeuteten einen Philosophiewechsel im Umgang mit jungen Delinquenten. Neu sollten Freiheitsentzug und geschlossene Massnahmen auch bei Jugendlichen ab 16 Jahren möglich werden. Das MZU spielt diesbezüglich eine Vorreiterrolle, weil sich das Ostschweizer Strafvollzugskonkordat — auch der Kanton Zürich ist Mitglied — für den Standort Uitikon entschied, um diese neuen Massnahmen umzusetzen.

«Fehlplanung nicht behoben»

Im Oktober 2008 rechnete der Kanton mit Kosten von 26,8 Millionen Franken für die bauliche Erweiterung. Dies sollte sich jedoch als zu optimistisch herausstellen. Denn im Dezember 2010 verfügte der Kanton einen Baustopp. Der Grund: Unstimmigkeiten zwischen der kantonalen Baudirektion und dem Planerteam. So habe dieses aus Sicht des Kantons es nicht geschafft, «mehrfach angezeigte Fehlplanungen zu beheben», hiess es damals. Die planmässige Einweihung des MZU-Erweiterungsbaus wurde auf unbestimmt nach hinten verschoben. Bereits ein halbes Jahr später zeigten sich die Auswirkungen des Baustopps — sie sind vornehmlich finanzieller Natur. Der Regierungsrat musste einen Zusatzkredit in der Höhe von 9,4 Millionen Franken sprechen.

Ein Untersuchungsbericht der Geschäftsprüfungskommission des Kantonsrats brachte im März 2012 zutage, dass das Hochbaudepartement für den Baustopp mit seinen finanziellen Konsequenzen verantwortlich ist. So seien Projektsitzungen nur mangelhaft protokolliert worden, was zur Folge hatte, dass erst nach 30 Sitzungen klar wurde, dass sich Planer und Kanton in «fachlicher Hinsicht» nicht verstanden hatten. Ein weiterer Grund für die lang andauernden Bauarbeiten am MZU ist neben dem Baustopp auch der Betrieb. Dieser wurde während der Arbeiten stets aufrechterhalten.

Heute wird präsentiert

Nun trägt der grosse Aufwand rund um die Erweiterung und Sanierung des MZU jedoch Früchte: Die Institution hat ihre Kapazitäten von 48 auf 64 Plätze erhöhen können: Davon entfallen 30 Plätze auf den geschlossenen Vollzug, 20 Plätze auf den halboffenen, 4 Plätze auf ein separates Haus als Vorbereitungsphase des Freiheitsentzugs sowie auf 10 Plätze im Austrittsbereich. Die halboffene Abteilung ist bereits seit längerem umgebaut und in Betrieb, die Arbeiten an der geschlossenen Abteilung wurden in zwei Etappen aufgeteilt. Die erste konnte bereits im Dezember 2012 abgeschlossen werden, die Resultate der zweiten — und somit die komplette Fertigstellung sämtlicher Umbau- und Erweiterungsarbeiten am Massnahmenzentrum — wird heute präsentiert.