Die Schmetterlinge im Bauch haben sich verzogen, sind längst zu Staub zerfallen. Stattdessen geht es um viel Geld. Aber von vorne: In den 1980er-Jahren verliebte sich ein Schweizer. Dann die Heirat. Wenige Jahre später trennte man sich. Doch dann war das Baby schon unterwegs. Das Scheidungsurteil fällte das Bezirksgericht des früheren Wohnorts, Ende der 1990er-Jahre. Der Vater musste monatlich rund 1000 Franken zahlen, grundsätzlich bis zur Volljährigkeit des Kindes. Wie befohlen richtete es sich der Mann so ein, dass das Geld von einem UBS-Konto jeweils überwiesen wird. Tadellos.

Das änderte sich, als der Mann, der nun eine neue Familie gegründet hatte, ins Ausland auswanderte, um dort mit eigenem Geld ein Geschäft zu eröffnen. Der Laden lief zuerst gut, der Mann hatte den richtigen Riecher. Aber eine Wirtschaftskrise machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Das UBS-Konto war leer. Das noch minderjährige Kind erhielt kein Geld mehr.

«Seit Jahren nichts mehr gehört»

Doch weder Kind noch Ex-Frau meldeten sich beim Mann, dem selbst auch nichts auffiel. «Ich habe damals seit Jahren nichts mehr gehört und dachte, das sei erledigt», sagte der Mann gestern, als er wegen grober Verkehrsregelverletzung und Vernachlässigung von Unterhaltspflichten vor dem Bezirksgericht Dietikon stand. Anklagebehörde war die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis – das Kind wohnte einst im Limmattal. Die Strafanzeige hatte die Ex-Frau im Namen des Kindes fünf Jahre nach Ende der Zahlungen eingereicht.

Der geltend gemachte Zahlungsausstand beläuft sich auf etwas mehr als 100 000 Franken. Allerdings ist darin nicht nur das Geld enthalten, das der Mann bis zur Volljährigkeit hätte zahlen müssen, sondern mehrere weitere Jahre. Die Grundlage: Das Kind machte ein Studium.

Dass die Zahlungen vor dem 18. Geburtstag endeten, bezeichnete der Mann vor Gericht selber als Fehler. Bezüglich der Zeit danach will er, dass das Verfahren eingestellt wird. Die Strafanzeige war verspätet und rechtsmissbräuchlich, findet der Verteidiger. Die Frau wolle per Strafverfahren eine zivile Forderung einholen. Ausserdem sei Dietikon für die Forderungen gar nicht der rechtsgültige Gerichtsstand. Der Grund dafür: Das Kind lebt seit einiger Zeit im Ausland.

Geld ist genug da

Rund 200 000 Franken jährlich netto erhielt der Mann im ersten Job nach der Rückkehr in die Schweiz. Im Ausland lebte er vom Vermögen, das sich da um einen Viertel verringerte. Die Frage des Richters Bruno Amacker nach genauen Zahlen wollte der Mann nicht beantworten.
Ein Problem, Reichtum zu zeigen, hatte der Mann nicht immer. Mit seinem Maserati schoss er 2015 mit mindestens 81 Kilometern pro Stunde durch eine Innerorts-Kurve in einer grossen Schweizer Stadt. Diese grobe Verletzung der Verkehrsregeln gibt er unumwunden zu. Er habe es damals nicht realisiert, dass er so schnell fahre. «Ich habe zum ersten Mal so ein Auto gekauft. Inzwischen habe ich es wieder verkauft», so der Beschuldigte weiter.

Ein Urteil fiel gestern keines: Mit der Urteilsberatung wird bis Ende Juni gewartet, da die Anwälte des Ex-Ehepaars an einem Deal bezüglich der Unterhaltsansprüche arbeiten. Insofern könnte sich die Strafanzeige der Frau also gelohnt haben. Die Maserati-Episode wird aber sowieso eine saftige Busse nach sich ziehen: Die Staatsanwaltschaft fordert 9000 Franken. Wegen der Unterhaltspflichtenvernachlässigung wird eine bedingte Geldstrafe gefordert.