Das Wort Engpass tauchte in letzter Zeit oft im Zusammenhang mit Marroni auf. Die Gallwespe hatte die Ernte bereits letztes Jahr stark reduziert. Die diesjährige Ernte sei nicht mehr ganz so stark vom Schädling betroffen, sagt Kurt Mersiovsky. Er importiert für den Grossraum Zürich die Edelkastanien aus Italien. Dies habe vor allem mit dem Wetter zu tun; während der letzte Sommer zu trocken war, konnten sich die Kastanienbäume dieses Jahr dank genügend Regen erholen und waren so widerstandsfähiger gegen die Gallwespe.

Die letzten Wochen mit regnerischem und kühlem Wetter waren jedoch zu viel für die Bäume. Die Marroni-Ernte verzögerte sich dadurch um rund zwei Wochen. «Inzwischen ist die Ernte aber in vollem Gange», sagt Mersiovsky und fügt an: «Ware ist zwar erhältlich, doch die Preise dafür sind horrend.»

Nicht mehr rentabel

Mersiovsky gibt die hohen Preise wie die meisten Marroni-Händler nicht an die Kunden weiter. «Ich finde bereits 3.50 Franken für 100 Gramm ziemlich happig», sagt er. Sehr rentabel sei das Geschäft so natürlich nicht mehr. Darum hoffe er, wie alle Marroni-Verkäufer, auf sinkende Preise. Die angespannte Preislage könnte durch die Ernte in Portugal entschärft werden, sagt Mersiovsky. Zwar habe sich auch dort wegen des schlechten Wetters alles verzögert, aber im Gegensatz zu Italien sei die Gallwespe in Portugal noch kein Problem. In den betroffenen Gebieten setzt man auf ein Gegeninsekt. «Es heisst aber, dass es drei bis vier Jahre dauern wird, bis das natürliche Gleichgewicht wieder hergestellt ist», so Mersiovsky. Bis dahin müsse man mit 20 bis 30 Prozent geringerem Ernteertrag als in früheren Jahren leben, sagt er.

Lage schwer zu entschärfen

Zu den gesunkenen Erträgen kam in den letzten drei Jahren eine gestiegene Nachfrage hinzu, was die Preise massiv in die Höhe trieb. «Deutschland beispielsweise hat in den letzten Jahren entdeckt, dass Marroni fein sind», sagt Mersiovsky. Zwar können mehr Bäume gepflanzt werden, bis diese jedoch das erste Mal Früchte tragen, vergehen 25 bis 30 Jahre. Dafür kann ein solcher Edelkastanienbaum bis zu 500 Jahre alt werden.

Nicht alle Marroni-Verkäufer können und wollen die hohen Preise wie Mersiovsky weiterhin selbst tragen. Das «St. Galler Tagblatt» zitiert einen Verkäufer aus St. Gallen, der ankündigt, die Preise zu erhöhen, wenn die Ware bis in zwei Wochen immer noch so teuer sei.

Will man im Limmattal Marroni geniessen, so kann man das auch weiterhin tun, ohne die gestiegenen Preise zu bemerken. Restaurants, welche die Edelkastanie beispielsweise mit Wildgerichten auf der Speisekarte haben, geben die höheren Preise ebenfalls nicht an den Kunden weiter. Der Grundtenor bei den angefragten Restaurants: Man brauche geringe Mengen der Edelkastanien, sodass die gestiegenen Preise nicht spürbar seien.