Schlieren

Markus Notter: «Wir müssen das Selbstverständliche tun»

Markus Notter, Präsident der GMS: «Das ist stossend.» EMANUEL FREUDIGER

Markus Notter, Präsident der GMS: «Das ist stossend.» EMANUEL FREUDIGER

Der Präsident der Gesellschaft Minderheiten in der Schweiz (GMS) Markus Notter nimmt Stellung über das Nein zu einem separaten Grabfeld für Muslime. Er bedauert den Entscheid der Schlieremer Parlamentarier.

Herr Notter, die GMS kritisiert den Entscheid des Schlieremer Parlaments, kein separates Grabfeld für Muslime auf dem Schlieremer Friedhof zuzulassen. Wieso?

Eine bedeutende Bevölkerungsgruppe kann ihre toten Angehörigen nicht auf dem heimischen Friedhof nach ihren religiösen Überzeugungen beerdigen. Das ist stossend.

Gegner wie Befürworter führten in der Diskussion die Schlagworte «Gleichberechtigung» und «Toleranz» zu Felde. Hätte die Schaffung eines Grabfelds eine Extrawurst für Muslime oder die Beseitigung einer realen Ungleichheit bedeutet?

Formale Gleichbehandlung heisst in diesem Fall, dass man eine Gruppe ausgrenzt. Gleichberechtigung bedeutet eben, dass man Unterschiede berücksichtigt, dass man den unterschiedlichen Überzeugungen gleiches Recht gewährt.

Die bürgerlichen Parteien argumentierten, dass in Schlieren bereits heute Muslime neben Christen und Juden begraben seien – problemlos. Stimmt das?

Nein. Nach ihrer religiösen Überzeugung, wie sie von der Vereinigung der islamischen Organisationen in Zürich formulierten wurde, müssen Muslime gemeinsam in einem für sie bestimmten Grabfeld erdbestattet werden. Die Gräber sollen architektonisch so angelegt sein, dass der Verstorbene, auf der rechten Seite liegend, mit dem Gesicht gegen Mekka ausgerichtet werden kann.

In vielen Schweizer Städten gibt es bereits separate Grabfelder für Muslime. Obwohl sich auch dort anfänglich teils heftiger Widerstand regte, scheinen diese heute kein Problem mehr darzustellen. Hat das Schlieremer Parlament viel Lärm um wenig gemacht?

Wo es sie gibt, sind mir keine Probleme mit muslimischen Grabfeldern bekannt. Neben der fünften oder sechsten Bestattungsart gibt es noch eine siebte. Mehr nicht.

Hat der Entscheid Signalwirkung für andere Städte? Zum Beispiel für seinen Nachbarn Dietikon?

Das hoffe ich nicht.

Wie geht es nun weiter? Es ist davon auszugehen, dass die Zahl der Musliminnen und Muslime, die nach den Grundsätzen ihrer Religion in der Schweiz bestattet werden wollen, ansteigen wird.

Ja, und es sind zunehmend hier geborene Schweizerinnen und Schweizer. Wir müssen das Selbstverständliche tun und dürfen sie nicht aufgrund ihrer Religion ausgrenzen.

Wird sich die GMS weiterhin für muslimische Grabfelder einsetzen?

Wenn man dem Entscheid des Schlieremer Gemeinderates etwas Gutes abgewinnen will, dann ist es die von den bürgerlichen Parteien bekundete Bereitschaft zum Dialog mit den Musliminnen und Muslimen. Wenn die GMS dazu einen Beitrag leisten können, stehen wir gerne zur Verfügung.

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