Im ersten Wahlgang von Anfang März holte die Schlieremer Finanz- und Liegenschaftsvorsteherin Manuela Stiefel (FDP) 160 Stimmen mehr als ihr Konkurrent, Bauvorsteher Markus Bärtschiger (SP). Stiefel zog ihre Kandidatur wenige Tage nach der Wahl zurück, verkündete Ende Mai jedoch, eine allfällige Wahl nicht abzulehnen und brachte so Spannung in den Wahlkampf.

Herr Bärtschiger, in einem Interview sagten Sie, dass es für die Wähler gut wäre, hätten sie eine echte Wahl. Nun erhielten sie eine Konkurrentin für den zweiten Wahlgang ums Stadtpräsidium. Sehen Sie dies auch so?

Markus Bärtschiger: Für die Demokratie gibt es nichts Schlimmeres, als wenn Wahlen mit nur einem Kandidaten veranstaltet werden. In der Regel ist dies ein Kennzeichen einer Diktatur. Vor diesem Hintergrund machte ich diese Aussage. Dadurch, dass sich Frau Stiefel wieder teilweise ins Rennen gebracht hat, entstand eine solche Auswahl für die Wähler.

Sie formulieren vorsichtig. Wie beurteilen Sie den Schritt von Frau Stiefel?

Dies kommentiere ich nicht. Das tun genug andere im Dorf.

Hat Stiefels Bekanntgabe Ihre Präsidiums-Kandidatur beflügelt?

Viele gratulierten mir bereits nach dem Rückzug von Manuela Stiefel zum Stadtpräsidium und bemerkten, dass es sich beim zweiten Wahlgang um eine blosse Formsache handle. Dem ist ganz und gar nicht so. Denn die Wähler können jeden der sieben Schlieremer Stadträte zum Präsidenten oder zur Präsidentin wählen. Weil bereits im Vorfeld zum ersten Wahlgang viel Geld ausgeben wurde, fahren meine Partei und ich nun einen reduzierten Wahlkampf mit Plakaten und Flugblattaktionen.

Denken Sie wirklich, das Stimmvolk gibt einem Unwilligen den Vorzug?

Es kam – auch in Schlieren – schon vor, dass Alleinkandidaten nicht gewählt wurden. Das geschieht schneller, als man meint, besonders bei einer geringen Stimmbeteiligung.

Worauf fokussieren Sie bei ihrem reduzierten Wahlkampf?

Weniger auf die Themen, die ich bereits als Bauvorstand behandle, wie Stadtentwicklung und Tempo 30, und viel mehr auf Themen, die den Stadtpräsidenten auch tatsächlich in seiner täglichen Arbeit betreffen.

Sie resümieren diese Themen unter den vier Ks.

Genau. Im Detail handelt es sich um drei Ks, die vom vierten K beeinflusst werden. Das erste K ist die Kultur, die es zu fördern gilt. Nicht wie in Zürich die Oper oder das Schauspielhaus, sondern auch niederschwellige Kulturangebote, wie beispielsweise kulinarische Anlässe für ein breites Publikum. Das zweite K steht für Konsum, den es im Stadtzentrum zu fördern gilt, sodass die Erdgeschossnutzung durch Geschäfte wieder attraktiv wird. So fällt auch die Wirtschaftsförderung in die Kompetenz des Stadtpräsidenten. Diese beiden K müssen durch das dritte K, die Kommunikation, verbreitet werden und werden vom Vierten, der Kasse, beeinflusst.

Wie beabsichtigen Sie, die Gelder für solche Massnahmen zu erhalten? Die Verwaltung befindet sich doch im Sparmodus.

Überzeugungsarbeit beim Parlament oder den Stadtratskollegen zu leisten, ist immer eine langfristige Aufgabe, vergleichbar mit einem Marathon. Ich bemerkte, dass die langen Diskussionen im Stadtrat oft bei Kultur-Ausgabeposten – mit teils sehr kleinen Beträgen – stattfanden. Denn Kultur ist ein Nice-to-have.

Was konnten Sie bei diesen Debatten vom aktuellen Stadtpräsidenten Toni Brühlmann-Jecklin (SP) abschauen?

Er blieb bei genau diesen Diskussionen ständig dran. Dies beabsichtige ich, wenn ich gewählt werde, auch zu tun.

Angenommen, Sie schaffen die Wahl, würde eine ähnliche aufreibende Rochade bei der Departementsverteilung wie beim Zürcher Stadtrat folgen?

Sicher nicht.

Die SP würde aber sicher mit dem Baudepartement ein Schlüsselressort verlieren.

Nicht zwingend. Zuerst müsste ein Bisheriger einen Wechsel vollziehen wollen und die Mehrheit des Stadtrates dies für gut befinden. Zudem hadere ich mit dem Begriff Schlüsselressort. Natürlich geht vieles über den Tisch der Bau- und der Finanzabteilung, aber am Ende des Tages ist es kein Einzelner, der das Sagen hat. Der Stadtrat ist ein Siebnergremium.