Die Parlamentarier hätten es damit verpasst, zu zeigen, dass Schlieren auch in diesem Punkt eine weltoffene Stadt sei.

Herr Bärtschiger, Sie haben für ein muslimisches Grabfeld gekämpft und ein solches als wichtigen Brückenschlag zwischen den Religionen bezeichnet. Eine deutliche Parlamentsmehrheit sah dies anders und lehnte Ihre Vorlage ab. Wie enttäuscht sind Sie?

Markus Bärtschiger: Ich bin enttäuscht, weil die muslimische Bevölkerung ihr Grabfeld nicht bekommt. Sie hatte den Wunsch nach einem schicklichen Begräbnis geäussert. Es tut mir aber auch leid für Schlieren, die Stadt hätte zeigen können, dass sie auch in diesem Punkt eine weltoffene Stadt ist. In diesem Punkt haben mich die Parlamentarier enttäuscht.

Interessant ist: Sowohl die Gegner wie die Befürworter argumentierten mit Toleranz und Integration. Die einen sagten, ein separates Grabfeld für Muslime sei ein Zeichen der Toleranz, die anderen sagten, es sei intolerant, ein separates Feld zu fordern. Was sagen Sie?

Bärtschiger : Ich halte das Argument der Gegner nicht für falsch. Es ist allerdings eine Frage des Zeitpunktes. Im 19. Jahrhundert war es ein Problem Reformierte und Katholiken nebeneinander zu beerdigen, bis der Staat intervenierte. In der Parlamentsdebatte wurde gesagt, dass es für Christen kein Problem sei, neben einem Muslim zu liegen. Ich bezweifle diese Aussagen. Auch möchten viele Muslime aus religiösen Gründen neben ihresgleichen beerdigt werden. Ich denke, dass diese Diskussion in 50 Jahren überholt ist.

Für Sie ist ein muslimisches Grabfeld also eine Übergangsmassnahme und eine Form der Integration?

Bärtschiger: Ja, das ist so.

Was gab Ihrer Meinung nach den Ausschlag für das Nein?

Bärtschiger: Das Nein hat viele Ursachen. Vor allem aber sind es diffuse Ängste, die sich in den Köpfen festsetzen, beispielsweise angesichts von Nachrichten wie dem Massaker an Bergsteigern in Afghanistan. Das ist eines der Hauptprobleme.

Welche Rolle spielte die Parteipolitik bei diesem Entscheid?

Bärtschiger: Eine Partei, von der ich es nicht erwartet habe ...

Es war die FDP.

Bärtschiger: Ja, die FDP ... Sie ist vorgeprescht, was die SVP auf den Plan rief, die nicht von der FDP rechts überholt werden wollte. Ich hatte nämlich aus den Reihen von SVP und auch CVP Signale für ein Ja erhalten, auch wenn sie in der Sache nicht erfreut waren.

Das sind die Vorboten der Erneuerungswahlen von 2014?

Bärtschiger: Teilweise ja. Wir haben genau aus diesem Grund gehofft, die Vorlage noch letztes Jahr ins Parlament bringen zu können, was aber aus technischen Gründen nicht geklappt hat. Ich war genug lange selbst Parlamentarier, um zu verstehen, dass die Gemeinderäte ihrer Klientel mit Blick auf die Wahlen etwas geben wollen. Für die Sache ist es aber schade.

Wie gehts nun weiter?

Bärtschiger : Wir haben momentan keinen Plan B. Ich denke, – und ohne die Haltung des Gesamtstadtrats zu kennen – dass wir die Vorlage für eine neue Friedhofsverordnung nochmals bringen werden, einfach ohne den Teil, der das muslimische Grabfeld betrifft. Das Abstimmungsverhältnis war klar.