Gemeindepräsidentinnen und -präsidenten sind im Limmattal keine unnahbaren Personen. Die Bevölkerung bekommt sie nicht nur an politischen Anlässen zu Gesicht, sondern auch an kulturellen Veranstaltungen oder beim Einkaufen im Dorf. Ein Gespräch ist dabei ab und zu möglich. Doch nicht immer reicht es für ernste Angelegenheiten. Aus diesem Grund hat sich der Weininger Gemeindepräsident Mario Okle (parteilos) nun entschieden, im neuen Jahr eine Sprechstunde anzubieten, in der er für Gespräche zur Verfügung steht.

«Ich habe in den ersten knapp sechs Monaten meiner Amtszeit gemerkt, dass vor allem die verschiedenen Bauprojekte Unmut in der Bevölkerung ausgelöst haben», sagt Okle. Er glaube, dass durch den direkten Kontakt in der Sprechstunde das gegenseitige Verständnis gefördert werden könne.

«Die meisten Entscheide, die der Gemeinderat zu grösseren Projekten fällt, sind gewachsene Entscheide bei denen etliche Varianten diskutiert, geändert, verworfen und dann weiterverfolgt werden. Dies sieht man nicht, wenn man einfach einen Beschluss liest. Vielleicht kann ein direktes Gespräch beitragen, dass dieser Prozess verständlicher wird», sagt Okle.

Das neue Angebot muss aber nicht noch getestet werden. «Es soll fest eingeführt werden. Ich habe vor, in jedem Quartal mindestens einen Termin in der Fahrweid oder einen im Dorf wahrzunehmen.» Der erste Termin steht auch schon. Am 7. Januar können Einwohnerinnen und Einwohner den Gemeindepräsidenten von 16.30 bis 17.45 Uhr im Schlössli zum Gespräch treffen. Am 4. Februar folgt die nächste Sprechstunde zur selben Zeit im Kindergarten Föhrewäldli.

Die Daten sind auf der Website der Gemeinde einsehbar. Einfach reinspazieren sollte man aber nicht. Okle ist froh, wenn sich die Weiningerinnen und Weininger anmelden. «Damit ich mich auf die Gespräche vorbereiten kann, wäre ich dankbar, wenn ich spätestens vier Tage vorher kurz ein paar Stichworte bekäme.» Er sagt aber auch: «Für Dringendes stehe ich grundsätzlich auch ausserhalb dieser Zeiten zur Verfügung.»

Bürgernahe Kontaktmöglichkeit

Auch in Dietikon ist man von der Idee einer Sprechstunde angetan. Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP) erwähnte bei der Präsentation des Regierungsprogramms für die Legislaturperiode von 2018 bis 2022, eine solche einzuführen. Damit stehen Weiningen und Dietikon aber nicht alleine da.

In Urdorf setzt Gemeindepräsidentin Sandra Rottensteiner (EVP) bereits seit 2010 einmal monatlich auf die Sprechstunde. «Es war mir, als ich vor acht Jahren Gemeindepräsidentin wurde, ein Anliegen, eine bürgernahe Kontaktmöglichkeit zu schaffen», sagt Rottensteiner. In der Zwischenzeit haben zahlreiche Gespräche zu diversen Themen stattgefunden. Es gehe dabei etwa um Strassensignalisationen, den Friedhof, Bauprojekte oder den Verkehr.

«Die Leute kommen in Ergänzung zu den Kontaktmöglichkeiten bei der Verwaltung zu mir, wenn sie mit etwas unzufrieden sind und Verbesserungspotenzial sehen», sagt Rottensteiner. Dass sich nach einem Gespräch alle Probleme lösen würden, könne sie nicht versprechen. «Aber ich kann die Anregungen und die Kritik entgegennehmen und prüfen.»

Wichtig sei, dass man sich eine Woche vorher anmelde und ein Stichwort nenne. «So kann ich mich auf das Gespräch vorbereiten und habe wenn nötig die entsprechenden Unterlagen dabei.» Manchmal nehmen sogar Urdorfer Schüler die Sprechstunde in Anspruch.

«Sie kommen, wenn sie etwa einen Aufsatz oder eine Arbeit zu einem politischen Thema schreiben müssen und dazu Auskunft brauchen. Ich helfe ihnen gerne, weil ich es toll finde, dass sich junge Menschen für die Politik interessieren.»

Auch in Uitikon findet alle zwei Monate eine Sprechstunde statt. Das schon seit zehn Jahren. Das Angebot wird laut Gemeindeschreiber Sinisa Kostic rege genutzt. «An einer Sprechstunde nehmen in der Regel eine bis zu vier Personen teil.» Das Thema Verkehr werde am meisten diskutiert.

Dass der Austausch mit den Bürgern auch ohne Sprechstunde stattfinden kann, zeigt sich in Oberengstringen. «Ich bin an vielen Anlässen präsent und man kann mit mir in Kontakt treten», sagt Gemeindepräsident André Bender (SVP). Hinzu komme, dass er im Dorf arbeite. Bender betreibt ein Elektroinstallationsgeschäft. «Auch in diesem Zusammenhang ergeben sich Gelegenheiten für ein Gespräch», sagt er. In dringenden Fällen sei er telefonisch erreichbar und man könne kurzfristig einen Termin vereinbaren.

Er weiss: «Als Gemeindepräsident ist man Ansprechperson für alles. Wenn man als Bürger nicht weiterkommt, wendet man sich an mich.» So habe er abends um 23 Uhr auch schon mal einen Anruf von jemandem erhalten, der gerade eine Parkbusse an der Windschutzscheibe entdeckt hatte. «Das gehört halt auch zu meiner Aufgabe.»