Urdorf

Marie-Theres Mallepell Basso fühlt sich im Wasser, als wachsen ihr Flügel

Marie-Theres Mallepell (auf einem Spielplatz in Urdorf) mit einer Abbildung aus ihrer Wettkampfzeit.bier

Marie-Theres Mallepell (auf einem Spielplatz in Urdorf) mit einer Abbildung aus ihrer Wettkampfzeit.bier

Die ehemalige Schwimmerin Marie-Theres Mallepell Basso erzählt von einem perfekten Wochenende im Jahr 1974, als sie an der Schweizermeisterschaft in Bellinzona teilnahm.

An der Schweizer Meisterschaft in Bellinzona hatte ich sofort ein super Gefühl. Ich sprang ins Wasser und sagte mir: Das wird mein Wochenende. Werner Vetterli, Fernsehreporter vom DRS, fragte mich dort: Wie sehen Sie, ob dieses Bad schnell ist? Ich musste zuerst schlucken. Man geht ja einfach rein, hat diese Bewegung, dieses Ritual: Köpfler, Einschwimmen, schauen, ob die erste Wende geht oder nicht. Man spürt, ob es einem liegt. Man kann sich das gute Gefühl auch erarbeiten, aber es ist immer schön, wenn es sofort da ist. Vetterli fragte nach, was dieses «Wassergefühl» sei. Ich sagte zu ihm: Wenn Sie so lange geschwommen sind wie ich, dann haben Sie es. Wenn Sie nicht schwimmen, können Sie es nicht haben.

Ich war bei der vorherigen Schweizer Meisterschaft sieben Mal Zweite geworden und hatte danach geheult. Das war für mich der absolute Horror. Ich hätte lieber einmal gewonnen und wäre sechsmal gar nicht gestartet. Man sagte mir immer, das würde schon noch kommen, ich sei noch jung und könne noch warten. Aber ich wollte nicht warten. So suchte ich mit 18 Jahren einen neuen Kick und wechselte vom SV Limmat zum SV Zürileu. Im 100er Delphin hatte ich eine grosse Konkurrenz von meinem alten Verein. Die packte ich und gewann in neuer Bestzeit.

Ich hätte den anderen nicht nicht gegönnt, wenn sie Erste geworden wären. Aber ich gönnte vor allem mir diese Bestätigung, dass ich es im hohen Alter noch kann. Fast jeder hatte darauf gewartet zu sagen, dass ich es nicht mehr bringe, dass ich lieber aufgehört hätte. Das konnte ich umschiffen und war stolz darauf.

Schon im Vorlauf war ich Erste geworden. Ich merkte, dass ich noch Reserven habe. Das gibt dir ein so tolles Gefühl, wie Flügel. Heute würde man sagen, man hatte vorher ein Red Bull. Damals hiess das entsprechende Getränk Top Ten, ein Heidelbeersaft. Und natürlich gab es am Abend vor Wettkämpfen ein besonders dickes Stück Fleisch.

Am Ende des Wochenendes hatte ich insgesamt drei Meistertitel gewonnen. Danach war ich ein Jahr lang in der Nationalmannschaft gesetzt. Weil ich auch über 400 Meter Lagen gewonnen hatte, musste ich die international auch schwimmen. Das war sehr hart und machte
mir nicht gerade Spass. Aber ich konnte mich nicht davor drücken.
Finanziell hat mir der Erfolg nicht viel gebracht. Die Trainingslager mussten meine Eltern weiterhin selbst berappen. Ab und zu gab es immerhin einen Trainer oder eine Badehose gratis. Als Inhaberin des Eliteausweises erhielt ich vom Verband 150 Franken monatlich sowie vier Büchsen Ovomaltine.

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