Sie nennt ihn Geni, er sie Mudi: Die beiden kannten sich, bevor die Sputnik-Rakete ins All flog. Am 25. Oktober vor 60 Jahren heirateten Eugen und Margrith Mäder. Heute ist sie
83- und er 87-jährig. «Nach zwei Jahren Freundschaft heirateten wir, ansonsten hätten wir ja nicht einmal gemeinsam eine Wohnung beziehen können», erinnert sich Margrith Mäder.

Die beiden lernten sich über ihre Schwester kennen. «Eugen begleitete sie nach einer Tanzveranstaltung zu uns nach Hause, so traf ich ihn zum ersten Mal.» Margrith Mäder arbeitete als Sekretärin, unter anderem bei der Migros, ihr Ehemann als Arbeiter zuerst beim Bauunternehmen Walo und später bei den Elektrizitätswerken der Stadt Zürich. Damals sei es nicht einfach gewesen, eine Lehrstelle zu bekommen.

Folglich wurden viele nur am Arbeitsplatz in ihre Tätigkeiten eingelernt. Margrith Mäder hätte gerne studiert. «Ich wäre am liebsten Handarbeitslehrerin geworden», sagt sie. Doch dafür hätte das Geld nicht gereicht. Zudem seien zu Hause die Brüder nach dem frühen Tod des Vaters bevorzugt worden. «Sie durften etwas lernen, ich machte eine Anlehre im Büro.»

Arbeiten trotz Kinder

Nach der Hochzeit haben beide wie bis anhin weitergearbeitet. Kinder seien von Anfang an geplant gewesen, doch vorerst reichte das Geld nicht. So wartete das Ehepaar noch fünf Jahre zu. Danach bekamen sie zwei Kinder, einen Jungen und ein Mädchen. «Ich konnte von zu Hause aus weiterarbeiten, das war damals sehr fortschrittlich», sagt Margrith Mäder. Ihr Mann erinnert sich, dass ein Chauffeur jeden Tag ihre Arbeiten und Dokumente abgeholt habe.

Als die Kinder grösser wurden, ging Margrith Mäder wieder auswärts zur Arbeit. Deshalb sei es für die beiden auch nicht so schlimm gewesen, als die Kinder ausflogen. «Wir waren ja beide beschäftigt», so Mäder. Bis zur Pension seien sie nur am Arbeiten gewesen. «Die Jugendlichen heute machen es gerade anders, sie probieren alles aus, doch was sie später erwartet, wissen sie nicht», sagt Mäder.

Nach der Pensionierung gingen die beiden reisen. Sie besuchten Afrika, Asien und machten Fahrradtouren und Skifahrten mit den vier Enkeln. «Das war eine spannende Zeit.» Heute sei es alles ein wenig schwieriger. Er sieht schlecht und sie hat Mühe gut zu hören. Deshalb gehen die beiden weniger aus dem Haus, das sie seit über 30 Jahren in Geroldswil bewohnen. Zur Feier ihres diamantenen Hochzeitstages gehen sie jedoch gerne nochmals feiern: «Wir halten es gediegen im Kreise der Familie.»

Den Namen würde sie behalten

Im Rückblick hätten Mäders manche Dinge aber anders gemacht: «Ich würde den Namen behalten und nicht einfach widerspruchslos den meines Mannes annehmen», sagt Margrith Mäder. Doch damals sei nichts anderes in Frage gekommen.

Trotz allen Schwierigkeiten sei in all den Jahren aber eine Scheidung nie ein Thema gewesen. «Nur schon um der Kinder willen nicht.» Auch wenn die beiden hin und wieder stritten: «Sich über die ‹Mödeli› des anderen aufzuregen, gewöhnt man sich schnell ab», sagt Eugen Mäder. Margrith Mäder stimmt ihm zu: Anfangs habe sie noch gedacht, man könne Menschen verändern, doch jetzt wisse sie, das sei eine falsche Haltung.

Obwohl sie kein Erfolgsrezept für eine langandauernde Ehe geben könne, wünscht sie heute jungen Paaren vor allem, dass sie mehr durchhalten und «nicht wegen jedem Seich davonrennen».