Ist es wirklich wahr, dass ein Teil unserer Volksmusikkultur am Aussterben ist? Schenkt man Margrit Gittelson und Peter Thalmann Glauben, ist dies der Fall. Die beiden haben sich zum Ziel gesetzt, das Schweizer Volkslied vor dem Vergessen zu retten.

Auf die Idee kam das Duo, das seit fünf Jahren gemeinsam singt, bei einem Auftritt an der 1.-August-Feier. Dabei fiel ihnen auf, dass die meisten dargebotenen Volkslieder vom Publikum nicht mitgesungen wurden und viele gar nicht erst erkannt wurden. «Eine gewisse Generation kennt sie noch, aber sie sterben langsam aus», so Thalmann. «Die Lieder sind nicht mehr so wichtig wie früher.» So entstand das Konzert zum «MIT-Singen», wobei «mit» hier bewusst grossgeschrieben wird. Denn es handelt sich nicht um ein Konzert, bei dem stilles Zuhören gefordert wird. Im Gegenteil: Tatkräftiges Mitsingen ist erwünscht. Das Konzert findet am Samstag, dem 17. Oktober, um 16.30 Uhr in Urdorf im Singsaal Weihermatt statt.

voci animati - Vokal-Duette in allen Musikstilen

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«Viele Menschen singen gerne. Und wir möchten ihnen eine Gelegenheit dazu geben», erklärt Gittelson. Mit Klassikern wie zum Beispiel «Luegid vo Bärg und Tal» oder «Ich bin ein Schweizer Knabe» möchten die beiden Urdorfer die alten Musiktraditionen wieder stärker ins kollektive Bewusstsein der Bevölkerung rufen und Alt und Jung näherbringen. «Das gehört zu unserem Volksgut und zu unserer Kultur», sagt Thalmann. «Es wäre schade, wenn es verloren ginge.»

Volksmusik fehlt Nachwuchs

Die beiden sind überzeugt, dass das langsame Verschwinden der Schweizer Volkslieder aus dem gemeinsamen Repertoire der Bevölkerung daran liegt, dass diese in den Schulen nicht mehr gesungen und von den Eltern nicht mehr an ihre Kinder weitergegeben werden. «Uns ist bewusst, dass unser Konzert ein Tropfen auf den heissen Stein ist», sagt Thalmann. Doch ihre Freude am Singen hat sie dazu bewegt, das Konzert zu organisieren. Auch bei den verschiedenen Gemeinden sind die beiden auf viel positives Feedback gestossen.

Peter Gittelson ist seit über 30 Jahren in Urdorf bekannt. Als Chorleiter des Frauenchors Urdorf und des Männerchors Bergdietikon sowie Bellikon, ist der ursprüngliche Stadtzürcher seit zehn Jahren auch wohnhaft in Urdorf. Er arbeitet als professioneller Gesangspädagoge und Stimmexperte. Ganz anders verlief der Weg von Margrit Gittelson. Aufgewachsen in Wohlen, besuchte sie nie eine Musikschule. Doch seit fünf Jahren üben die beiden Duett-Sänger gemeinsam und feilen am Zusammenspiel ihrer Stimmen. «Ich habe immer gerne gesungen, es aber nie gelernt», sagt sie. «Es macht einfach Freude.» Irgendwann, im fortgeschrittenen Alter, setzte sie sich in den Kopf, doch noch Gesangsstunden zu nehmen. Ein wichtiges Tätigkeitsfeld ist das Singen in Altersheimen, bei dem das Duo bereits grosse Erfahrung gesammelt hat.

Bewegte Stimmen

Die beiden sind nicht nur musikalisch Partner, sondern auch privat. Kennen gelernt haben sie sich vor fünf Jahren, als Gittelson zu Thalmann in den Gesangsunterricht ging. Ihnen war schnell klar, dass ihre Stimmen harmonieren und sie gemeinsam Musik machen möchten. So entstand das Duo «voci animati», was übersetzt «bewegte Stimmen» bedeutet. Und das hat seinen Grund, denn das Duo entstand aus Liebe für den Gesang zu zweit. «Durch die Vielfalt der Varianten, die entstehen, wenn zwei Stimmen zusammen singen, ist das Duett etwas sehr interessantes», erklären die Gesangspartner.