Geroldswil
Mara Miccichè steht zum ersten Mal auf grosser Theaterbühne

Musik zu beschreiben und in Worte zu fassen, was nur zu hören und nicht greifbar ist, fällt schwer. Auch Mara Miccichè, die als eine der fünf ersten Pop-Studierenden der Schweiz ihr Studium mit dem Master of Arts abschloss.

Anina Gepp
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Mara Miccichè begleitet Tänzer und Videos mit ihrer eigenen Musik.gep

Mara Miccichè begleitet Tänzer und Videos mit ihrer eigenen Musik.gep

Umso schöner sei es, dass ihre Musik nun für alle sichtbar werde. «Durch das Theater nimmt meine Musik eine Gestalt an und wird greifbar», sagt sie. Es ist das erste Mal, dass sich Tänzerinnen zu ihrer Musik bewegen oder Videos gezeigt werden, die sie mit ihrer Musik live untermalt. Und es ist das erste Theaterstück, in dem die Geroldswilerin mitwirkt. Miccichès Augen glänzen, wenn sie von ihrer neuen Aufgabe im Theater spricht.

Der kleine Tisch am Rande der Bühne A im Zürcher Theater der Künste wirkt chaotisch und überfüllt: Ein wirrer Kabelsalat, Dutzende von bunten Knöpfen und Rädchen, mehrere Mikrofone und ein E-Piano. Irgendwie provisorisch – und doch ist er Teil des Theaterstücks. Wenn die junge Musikerin hinter den Tisch tritt und ihre Finger zielsicher über die Tasten der elektronischen Instrumente hinweg bewegt, besteht darin keinen Zweifel mehr.

Mal dumpf, mal schallend erklingen die Töne aus verschiedenen Ecken des kleinen Theaters in der Gessnerallee in Zürich. Ruhige Naturklänge wechseln sich mit lautem Donnergrollen ab, dann fallen mehrere Schüsse. Miccichè greift zu einem der Mikrofone. Mit klangvoller Stimme summt sie eine tiefe und beruhigende Melodie, die den ganzen Raum einnimmt.

Musik für alle sichtbar machen

«Thank you for the lovely flowers» heisst das Stück. Dass es sich dabei nicht um ein konventionelles Spiel handelt, lässt schon der Hintergrund der Geschichte vermuten. Die Tessiner Regisseurin Laura Kaehl hat von ihrem Urgrossvater eine Oper geerbt, die er im Jahre 1927 geschrieben und nie umgesetzt hatte. Vor zwei Jahren kam der aufgedrehten Frau mit der wilden roten Mähne die Idee, die Oper in einem Theaterstück umzusetzen. Eine Vereinigung von Video, Ton, Tanz und Schauspiel ist dabei entstanden. «Ein sogenanntes transdisziplinäres Theater», erklärt Miccichè.

Dass die Geschichte des Stücks auf Anhieb zur Musik passte, sei ein grosser Zufall gewesen, sagt sie. Doch
Kaehr war sich ihrer Sache sicher: «Für mich war sofort klar: «Mara muss die Musik machen. Auch wenn sie Popmusik macht und es sich hierbei um eine Oper handelt.» Die Zusammenarbeit der beiden Frauen begann erst Anfang Dezember. Gemeinsam haben sie recherchiert, Videos ausgewählt, die Geschichte und die Musik aufeinander abgestimmt. Die Unterhaltung der beiden geschieht mal in Italienisch, mal in Englisch. Auch das Stück ist mehrsprachig: Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch.

Unfertig, direkt und vielseitig

Erst vor drei Wochen komplettierte Jochen Heckmann, der Choreograf, das Team. Durch die wenige Zeit, in der alle zusammen proben konnten, musste alles schnell gehen. «Oft ist es die erste Idee, die wir gut finden und dann verfeinern», so Micciché. Doch auch wenn die Zeit knapp war, die Liebe zum Detail durfte nicht fehlen. Bis heute, zum ersten Tag der Aufführung, nahmen die Drei letzte Änderungen vor. «Viele erwarten von einem Theaterstück, dass es fertig ist. Doch das ist es nicht›», so Miccichè. Genau dadurch bekomme das Stück seinen Reiz. Durch seine Unfertigkeit, Direktheit und Vielseitigkeit.

«Thank you for the lovely flowers» wird heute und morgen Abend um 20 Uhr in der Gessnerallee 9 auf der Bühne A aufgeführt. Reservationen werden unter
043 446 53 66 entgegen genommen. Der Eintritt ist frei.