Weihnachtszeit
Manuela Stiefel: «Die Weihnachtsgeschichte ist nicht mehr allen Kindern bekannt»

Die Familie Stiefel verbinden die Adventszeit mit Zeitgeschenken, Kalendern und Salzfahrzeugen. Manuela fordert, dass die Weihnachtsgeschichte zum Lerninhalt gehören sollte.

Alex Rudolf
Drucken
Teilen
Tochter und Mutter, Lehrerin und Lehrerin: Fiona und Manuela Stiefel. Erstmals wird es zu diesen Weihnachten wohl keine Tanne im Wohnzimmer geben.

Tochter und Mutter, Lehrerin und Lehrerin: Fiona und Manuela Stiefel. Erstmals wird es zu diesen Weihnachten wohl keine Tanne im Wohnzimmer geben.

Alex Spichale

Fiona Stiefel, wie man hier im Wohnzimmer Ihres Elternhauses sieht, sammelt Ihre Mutter gewindelose Flaschen. Schenken Sie ihr dieses Jahr eine zu Weihnachten?

Fiona Stiefel : Nein. Zu Weihnachten schenken meine Schwester und ich unseren Eltern jeweils einen Ausflug. Dies kann ein Besuch im Zirkus, in einem Musical oder im Theater sein. Hauptsache, die Familie verbringt Zeit zusammen. Wo es dieses Jahr hingeht, verrate ich an dieser Stelle natürlich nicht.

Wünscht sich der Nachwuchs auch solche nichtmateriellen Geschenke?

Manuela Stiefel: Unsere beiden Töchter haben meist klare Vorstellungen davon, was sie sich wünschen. Dies waren in der Vergangenheit etwa Küchengeräte, Schmuckstücke oder – jetzt aktuell – ein Geldbetrag in der Währung des Landes, das bald bereist werden sollte.

Dies klingt sehr entspannt. Ist Weihnachtsstress ein Fremdwort für Sie?

Fiona Stiefel : Privat hält sich dieser in Grenzen. Ich merke den Stress eher in der Schule, da dort als Lehrerin viele Weihnachtsaktivitäten geplant und umgesetzt werden.

Manuela Stiefel, Sie arbeiten als Lehrerin für integrative Förderung sowie Religion und Kultur. Welchen Stellenwert hat Weihnachten bei der Integration?

Manuela Stiefel : Die Advents- und Weihnachtszeit ist eine Zeit der Lichter und der Besinnlichkeit. Solche Lichtfeste sind in fast jeder Kultur und Religion zu finden und haben daher etwas Verbindendes. Der biblische Bezug zu Weihnachten steht nicht mehr im Zentrum beim Unterricht. Früher wurden Krippenspiele aufgeführt, heute liegt der Fokus eher auf der Vermittlung von Nächstenliebe, Respekt und Wertschätzung. Die Weihnachtsgeschichte mit der Geburt Christi gehört jedoch zum Lerninhalt, denn sie ist längst nicht mehr allen Kindern bekannt.

Fiona Stiefel : Das beobachte ich auch. Aber nicht nur bei christlichen Kindern. Auch meine muslimischen Schüler wissen nicht, warum sie Feste wie etwa den Bayram feiern.

Zurück zu Ihnen beiden: Nicht nur haben Sie denselben Beruf, auch sind Sie beide in Ihrer Freizeit sehr aktiv. Sei es in Politik, Musik oder im kulturellen Leben.

Fiona Stiefel: Einerseits haben unsere Eltern uns vorgelebt, dass man sich für etwas einsetzt. Andererseits haben meine Mutter und ich viel Energie und wollen neben der Arbeit noch musizieren und uns anderweitig gesellschaftlich engagieren.

Manuela Stiefel: Die Freude am Engagement steht im Zentrum. Unsere Kinder wussten schon früh, dass ihre Eltern in der Regel nicht um fünf zu Hause, sondern an einer Probe des Musikvereins, an einer Vorstandssitzung oder beruflich unterwegs sind. Dies wurde mir auch von meinen Eltern so vorgelebt.

In der Politik, aber auch in der Schule gibt es Rückschläge. Wie wichtig ist Ihnen die Familie, um mit diesen zurechtzukommen?

Manuela Stiefel: Meine Familie ist eine wichtige Stütze. Wir treffen uns jeden Sonntagabend zum Essen und besprechen unsere Woche und was uns gerade beschäftigt.

Wenn Sie sich wöchentlich sehen, ist Weihnachten also nichts Spezielles mehr für Ihre Familie?

Fiona Stiefel: Da unsere Familie einen engen Kontakt hat, ist Weihnachten nicht wegen des Beisammenseins speziell, sondern eher wegen der weihnachtlichen Stimmung und natürlich auch wegen der Geschenke.

Haben Sie ein traditionelles Weihnachts-Menü?

Manuela Stiefel : Früher war es stets Fondue chinoise. In den letzten Jahrzehnten bürgerten sich jedoch einfache Lachsbrötli mit Beilagen als unser Festmenü ein. Zum Dessert gibt es dann eine Glacetorte direkt vom Beck.

Fiona Stiefel: Es gab auch Bestrebungen von uns Jungen, diese Tradition zu ändern. Doch mein Grossvater war mehrmals in Alaska zum Lachsfischen. Ihm – und auch meinem Vater – liegt viel an diesem schlichten Menü.

Und sonstige Traditionen?

Manuela Stiefel: Gemeinsam mit meinem Vater schmücke ich alljährlich den Treppenaufgang vor unserer Eingangstür. Täten wir dies nicht mehr, es würde etwas fehlen.

Gibt es in Ihrer Familie auch Weihnachtstraditionen, die mit der Zeit in Vergessenheit gerieten?

Fiona Stiefel : Als ich und meine Schwester noch klein waren, bastelte unsere Mutter jedes Jahr einen Adventskalender für uns. Diese waren kreativ und individuell auf uns zugeschnitten – eine sehr schöne Erinnerung. Später bastelten wir Geschwister Kalender für unsere Eltern. Seitdem wir aber beide nicht mehr im Elternhaus wohnen, haben wir damit aufgehört und beschränken uns auf den Überraschungsausflug.

Manuela Stiefel : Zwar handelt es sich um keine Tradition, aber ich verbinde sehr lebhafte Weihnachtserinnerung an die Pikett-Einsätze meines Vaters im Kieswerk, wo er arbeitete. Schneite es an Weihnachten, musste er die Strassen salzen gehen. Mehr als einmal sass ich an Heiligabend mit meinem Vater im Salzfahrzeug und befuhr die Kantonsstrassen der Region.

Ihr Wohnzimmer ist bereits jetzt mit Lichterketten und einem Adventskranz dekoriert. Werden Sie auch einen Weihnachtsbaum aufstellen?

Manuela Stiefel: Wir hatten bislang jedes Jahr eine grössere oder kleinere Tanne im Wohnzimmer. Möglicherweise verzichten wir heuer erstmals darauf, denn die Kinder sind ausgeflogen. Sollten aber später Enkelkinder kommen, so sollen sich deren leuchtende Augen in unseren Christbaumkugeln spiegeln.

Fiona und Manuela Stiefel

Fiona Stiefel
Die 27-Jährige ist Lehrerin im Schlieremer Schulhaus Hofacker. Zudem ist sie Aktiv- und Vorstandsmitglied der Harmonie Schlieren und der Stadtjugendmusik Schlieren und war im erweiterten OK des Schlierefäschts. Den Schritt in die Politik zu wagen, kann sich die in Dietikon wohnhafte Stiefel nicht vorstellen. Ihr Lieblingsguetzli ist das Vanillekipferl ihrer Grossmutter.

Manuela Stiefel
Die 56-Jährige ist seit 2010 im Schlieremer Stadtrat. Heute ist das Ressort Finanzen und Liegenschaften in ihrer Hand. Neben der Politik war sie auch im OK des Schlierefäschts und sitzt im Vorstand der Stadtjugendmusik. Während 25 Jahre musizierte sie in der Harmonie Birmensdorf. In einem reduzierten Pensum arbeitet Stiefel als Primarlehrerin in Urdorf. Lieblingsguetzli: Zimtsterne.