Dietikon
Manuel Stahlberger stellte die Jesusgeschichte in Piktogrammen dar

Der St. Galler Komiker und Musiker beherrscht die Kunst, alles auf die Schippe zu nehmen und dabei dennoch niemanden zu beleidigen. Diese Mischung im Soloprogramm «Innerorts» von Manuel Stahlberger hat dem Dietiker Publikum bestens gefallen.

Christoph Merki
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Der Synthesizer sorgt für eine futuristische Atmosphäre: Manuel Stahlberger auf der Bühne. Christoph Merki

Der Synthesizer sorgt für eine futuristische Atmosphäre: Manuel Stahlberger auf der Bühne. Christoph Merki

Mainstreamkomik ist das definitiv nicht. Mit Komikern wie Marco Rima oder Mario Barth hat Manuel Stahlberger nämlich sehr wenig gemeinsam. Sein Humor ist virtuos, staubtrocken und manchmal auch dunkelschwarz eingefärbt. Der St. Galler Komiker und Musiker begeistert mit seinem ganz persönlichen Stil.

«Herr Anderegg hat sich gesprengt», steigt Stahlberger auf der Bühne des Stadtkellers Dietikon in sein aktuelles Soloprogramm «Innerorts» ein. Der Anfang belustigt und verwirrt zugleich. Doch auch im weiteren Verlauf der abstrus komischen Unterhaltung gelingt es Stahlberger, vor allem jungfräuliche Besucher seiner Show immer wieder zu überraschen.

Unumwunden direkt reizt der Künstler die ganze Bandbreite des Unterhaltungsgenres aus. Das kommt beim Dietiker Publikum hervorragend an: «Er spielt mit raffiniertem Wortwitz, das gefällt mir», beschreibt Julia Bonato aus Zürich das Bühnenspektakel im Stadtkeller Dietikon.

Musikalisch untermauert werden viele Lieder von einem Synthesizer, der mal mit leisem Heulen, dann wieder mit schepperndem Gesurre für eine irgendwie faszinierende, fast schon futuristische Atmosphäre sorgt. Obwohl Stahlbergers Textphrasen teilweise willkürlich zusammengestellt wirken, schliesst sich der Themenkreis immer wieder.

Nebst tatsächlich gesungenen Liedern wechselt Stahlberger fliessend zu nicht minder komischen gesprochenen Texten oder führt gar eine Powerpoint-Präsentation vor. Vor allem Piktogramme haben es dem virtuosen Künstler angetan.

Es kommt vor, dass Stahlberger die Gürtellinie schelmisch streift, doch es ist die für ihn typische Mischung aus Banalität und immer wiederkehrenden unvorhersehbaren Momenten, die die Darbietungen ausmacht. Etwa beschäftigt sich der spitzbübische Komiker mit Alltagsproblemen, wie der Zahnseidendose.

Bildhaft vorgetragen sieht sich jeder Besucher unvermittelt vor dem Problem, nie zu wissen, wann die Rolle leer ist. «Diese Nummer hat uns sehr gefallen, das kann man sich vorstellen», sind sich Edith Imhof aus Dietikon und Eva Ott aus Unterengstringen einig.

Die eher makabere und blutige Bildergeschichte von Ritter Karl, welche direkt aus der Stiftsbibliothek St. Gallen entlehnt sei, findet bei den beiden Damen dagegen weniger Anklang.

Heilig ist ihm nichts. Weder Kantonswappen, welche er auf humoristische Weise mit einem roten Faden umgestaltet, noch die Geschichte von Jesus, die Stahlberger anhand von Piktogrammen wiedergibt. Stahlberger beherrscht die Kunst, alles Mögliche auf die Schippe zu nehmen und dabei doch nie richtig beleidigend zu sein – ein kunstvoller Balanceakt auf einem schmalen Grat.

Der charmant platzierte Ostschweizer Lokalpatriotismus, der etwa in der Geschichte rund um den St. Galler Neumarkt und die dortige Migros-Filiale steckt, rundet die gut zweistündige Darbietung ab.

«Das Programm ist ganz ausgezeichnet, kreativ und unterhaltsam», meint Thomas Straubinger aus Schlieren, «damit spricht er das ganze Spektrum des Publikums an.» Vor allem die eingebauten Provokationen gefallen dem Schlieremer Andreas Kuhn.

Er sieht die Brillanz darin, dass nicht alles auf den ersten Blick sichtbar wird: «Das Programm enthält viele versteckte Pointen und regt zum Denken an.» Bis nach den Sommerferien wird das Theater Dietikon nun auf anderen Veranstaltungsplätzen aktiv sein.

Dies sei auch ein Grund für den kürzlichen Wechsel zum kürzeren Namen. «Der Stadtkeller bleibt zwar unser Standbein, doch wir haben immer wieder schräge Ideen, was man in Dietikon auch an anderen Plätzen machen kann», erklärt die Präsidentin des Theaters Dietikon, Irene Brioschi.