Kantonsratswahlen im Limmattal

Manuel Kampus (Grüne) ersetzt Martin Romer (BDP): «Das ist eine bittere Pille»

Die Grünen feierten im «Cabaret Voltaire». Der Schlieremer Gemeinderat und Co-Präsident der Grünen Limmattal, Manuel Kampus (links) wurde neu in den Kantonsrat gewählt. Hier im Bild mit dem Schlieremer Wahlbüromitglied Laura Zangger und dem Gemeinderat und Co-Präsidenten der Grünen Limmattal, Dominik Ritzmann.ZVG

Die Grünen feierten im «Cabaret Voltaire». Der Schlieremer Gemeinderat und Co-Präsident der Grünen Limmattal, Manuel Kampus (links) wurde neu in den Kantonsrat gewählt. Hier im Bild mit dem Schlieremer Wahlbüromitglied Laura Zangger und dem Gemeinderat und Co-Präsidenten der Grünen Limmattal, Dominik Ritzmann.ZVG

Zusammen mit den 10 bisherigen Limmattaler Kantonsräten zieht der Schlieremer Manuel Kampus (Grüne) neu in den Kantonsrat ein. «Ich bin sehr überrascht, dass es gereicht hat, auch wenn ichs natürlich gehofft habe», sagte Kampus gestern, als das Wahlresultat definitiv wurde. Er feierte es im Stadtzürcher «Cabaret Voltaire».

Es war bereits der zweite Freudenmoment. «Die Wahl von Martin Neukom in den Regierungsrat freut mich auch sehr. Dass wir Grünen jetzt wieder einen Regierungsrat haben, ist sehr viel wert», so Kampus.

Dass die Grünen ausgerechnet jetzt den Kantonsratssitz zurückerobert haben, den sie 2015 an die FDP verloren, macht für Kampus Sinn. «Wir setzen uns schon immer für die Natur ein. Heute ist es aber mehr Leuten bewusst, dass man Massnahmen ergreifen muss. Die Plastikverschmutzung, der CO2-Ausstoss und viele weitere Faktoren spielen hier zusammen. Auch die Jugendlichen mit ihrem Klimastreik», analysiert Kampus, der als Aktivierungsfachmann in Ausbildung im Stadtzürcher Alterswohnheim Riedhof arbeitet. Auch als Kantonsrat bleibt er dem Schlieremer Gemeindeparlament erhalten, wie er gestern versicherte.

Das sind die gewählten Kantonsräte aus dem Bezirk Dietikon:

Ins Gemeindeparlament wurde er im Frühling 2018 gewählt. Und nun grünt es schon wieder im Frühling. Allein im Limmattal haben die Grünen um 2,51 Prozent zugelegt, auf 6,2 Prozent Wähleranteil.

GLP boomt hier am stärksten

Die Grünliberalen feierten nach einem ersten Halt im Schlieremer «Corona» in der Zürcher «Commihalle» weiter. Zu feiern hatten sie alleweil. Alleine im Bezirk Dietikon legten sie um 6,87 Prozent auf 12,48 Prozent Wähleranteil zu und überholten auch die Limmattaler CVP. Keine andere Partei hat in irgendeinem Wahlkreis derart zugelegt wie die GLP im Bezirk Dietikon.

Grosse Freude herrschte darum bei Kantonsrätin Sonja Gehrig aus Urdorf. «Unser Ziel waren 2 Prozent mehr. Einen so gewaltigen Zuwachs wie jetzt haben wir zwar erhofft, aber nicht erwartet», sagt sie, die sich auch über den Erfolg der Grünen freut. «Das sind wichtige Partner für uns, denn die Umwelt ist eines unserer Kernthemen. Geht es um grüne Themen, haben wir es immer gut mit den Grünen, auch wenn wir uns in wirtschaftlichen und liberalen Themen unterscheiden», sagt Gehrig. Dass grüne Anliegen nun mit Martin Neukom auch im Regierungsrat stärker vertreten sind, freut Gehrig ebenso.

Die 6,87 Prozent GLP-Zuwachs sind speziell. Um die genau gleiche Prozentzahl ging der SVP-Anteil im Limmattal zurück. Rochus Burtscher, der wie schon 2015 als bestgewählter Limmattaler Kantonsrat abschloss, glaubt aber nicht, dass SVP-Wähler zur GLP gewechselt sind. «Die gleiche Zahl ist ein Zufall. Wir konnten unsere Wähler nicht so mobilisieren, wie wir wollten, die GLP hingegen schon. Auch weil sie auf der Klimanotstandswelle geritten sind. Dazu gratuliere ich», so Burtscher. Zudem spiele die Urbanisierung und die Zuwanderung aus der Stadt Zürich gegen die SVP. «Aber wir haben die vier Sitze gehalten, wenn auch sehr knapp. Unsere Realpolitik fürs Limmattal wird goutiert. Das Gleiche gilt für die Limmattaler Vertreter von SP, FDP, GLP und CVP», sagt Burtscher weiter. Die CVP verteidigte ihren Sitz mit Josef Wiederkehr aus Dietikon denn auch souverän.

«Das ist eine bittere Pille»

Die FDP verteidigte zwar zwei Sitze souverän, doch der dritte, der wegen des Parteiwechsels von Martin Romer (zur BDP) bereits während der Legislatur verloren ging, ist nun endgültig verloren. «Das ist schon eine bittere Pille», sagt die Limmattaler FDP-Wahlkampfleiterin Barbara Angelsberger. Auch deshalb, weil der Verlust vor allem an den Umständen, sprich der Klima-Thematik, liege. Schliesslich habe der drittbeste FDPler, Yiea Wey Te aus Unterengstringen, mit 2619 Stimmen ein gutes Ergebnis gemacht. «Wir haben im Wahlkampf eigentlich keine Fehler gemacht und sind auf keinen Widerstand gestossen. Wir müssen das noch analysieren», sagt Angelsberger. Noch mehr zu schaffen mache ihr der Sitzverlust im Regierungsrat. «Das tut richtig weh, auch weil ich Thomas Vogel persönlich schätze», sagt sie.

Die SP überholt die FDP

Zudem wurde die FDP von der SP überholt, diese ist nun zweitstärkste Kraft im Bezirk. «Besonders freut mich, dass wir gleichzeitig mit den Grünen zulegen konnten. Denn wenn wir unsere Wähleranteile hin- und herschieben würden, würde das nichts am Kräfteverhältnis im Kantonsrat ändern», sagt die Dietiker SP-Kantonsrätin Rosmarie Joss. Ebenfalls freut sich Joss über den SP-Zuwachs in den Gemeinden. In Oberengstringen waren es sogar 3,2 Prozent mehr.

Die Wahlbeteiligung im Bezirk Dietikon lag bei 27,29 Prozent. Der tiefste Wert im Kanton. Wobei er in Bülach mit 27,75 Prozent nicht viel höher war. Im Limmattal war er in Schlieren mit 21,65 und Dietikon mit 23,37 Prozent am tiefsten, in Uitikon mit 39,85 und Aesch mit 44,8 Prozent am höchsten.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1