1.-August-Feuerwerk
Männer mögen es laut, Frauen lieber bunt

Schweres Geschütz an 1.-August-Feuerwerk ist im Detailhandel nicht mehr erhältlich und erfordert eine Bewilligung zum Abfeuern. Die Kurse dafür laufen seit Anfang Jahr heiss.

Sebastian Schanzer
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Der Schlieremer Drogist Philipp Locher präsentiert das Lieblings-Feuerwerk der Schweizer: Den Vulkan. Vermehrt kaufen Kunden aber auch Batterien der Kategorie drei.

Der Schlieremer Drogist Philipp Locher präsentiert das Lieblings-Feuerwerk der Schweizer: Den Vulkan. Vermehrt kaufen Kunden aber auch Batterien der Kategorie drei.

Sebastian Schanzer

Kurz vor dem Schweizer Nationalfeiertag steht wieder ein Zelt mit Feuerwerksartikeln vor dem Eingang der Coop-Filiale Silbern in Dietikon. Reto Blum, der stellvertretende Geschäftsführer, erhofft sich einen guten Verkauf. Er war schon an Silvester überrascht über die Menge an verkauften Feuerwerksartikeln. «Es hängt aber immer vom Wetter ab, wie viel Feuerwerk die Leute einkaufen», sagt Blum.

Besorgen kann man sich die Feuerwerkskörper aufgrund der heiklen Lagerung jeweils erst kurz vor dem Abschuss. Detailhändler wie Coop, Lidl, Aldi oder auch Jumbo wurden längst von den Grosshändlern und Produzenten beliefert und bieten die Ware nun zum Verkauf an. Im Limmattal sind Vulkane und Co. nur in den Städten erhältlich. In Dietikon bieten zum Beispiel die beiden Aldi-Filialen und der Coop im Silbern Feuerwerk an, in Schlieren tun es Lidl und die Drogerie Locher, und im Shoppi Tivoli in Spreitenbach ist Manor mit einem Feuerwerkszelt vor Ort. Die nächste Migros-Filiale mit Feuerwerk befindet sich in Regensdorf oder Zürich.

Importe aus China

Rund zwei Drittel aller Feuerwerkskörper werden laut Bundesamt für Polizei (Fedpol) von Schweizer Grosshändlern aus China oder europäischen Ländern wie Deutschland, Frankreich und Spanien importiert. Die Einfuhren sind bewilligungspflichtig und werden von der Zentralstelle Sprengstoff und Pyrotechnik (ZSP) kontrolliert. Für den gesamten europäischen Raum gelten dieselben Sicherheitsanforderungen und Qualitätsvorschriften.

Letztes Jahr wurden nach Informationen von Fedpol über 1800 Tonnen Feuerwerkskörper in die Schweiz importiert. Das sind 400 Tonnen mehr als im Jahr zuvor. Dies kann laut Mediensprecher der Fedpol Stefan Kunfermann mit dem Auffüllen von Lagerbeständen bei gutem Verkauf im Vorjahr zusammenhängen. Ein möglicher Grund dafür könne aber auch der steigende Beliebtheitsgrad von sogenannten Batterien sein. Diese Kombinationen kleiner Einzelrohre in einer Box sind mit deutlich mehr Explosivstoff schwerer als einzelne Raketen, fallen also «buchstäblich mehr ins Gewicht», wie Kunfermann sagt.

Solches Verbundfeuerwerk ist gefährlich. Die Einteilung in Kategorien von eins bis vier sagt aus, wie gefährlich ein Feuerwerkskörper ist und welche Bestimmungen für Kauf und Verkauf damit verbunden sind. Ein bedeutendes Kriterium ist etwa die Netto-Explosiv-Masse.

Bei Feuerwerk der Kategorie vier muss der Käufer gemäss eidgenössischem Sprengstoffgesetz seit erstem Januar 2014 eine entsprechende Berechtigung vorweisen. Batterien dieser Grösse sind nicht im Detailhandel erhältlich. Die Bewilligung für den Kauf erhält man durch das Absolvieren eines eintägigen Kurses, organisiert von der Interessensgemeinschaft Feuerwerk. Der Kurs kostet rund 500 Franken und erfreut sich nun grosser Nachfrage. Waren es in den Jahren 2011 bis 2013 gesamthaft 570, so sind es allein im ersten Halbjahr 2014 340 Absolventen, wie Daniela Felder, Sachbearbeiterin der IG Feuerwerk, sagt.

Zwei Tote in fünf Jahren

Dass nicht nur der Umgang mit schwerem Geschütz der Vorsicht bedarf, beweist die Unfallstatistik der Suva. Sie verbuchte in den Jahren zwischen 2008 und 2012 im Kanton Zürich rund 325 Unfälle mit Feuerwerk. In der gesamten Schweiz waren es in diesen fünf Jahren 1200 Unfälle, also 240 pro Jahr. Die Hälfte davon ereignete sich um die Tage des 1. Augusts. Fünf Unfälle führten zu einer Invalidenrente, zwei Verunfallte kamen ums Leben. Am häufigsten sind Verbrennungen an Hand, Füssen und Beinen sowie im Gesicht. Die Suva rät den Verbrauchern, jeweils die Gebrauchsanweisungen zu lesen, die an den Verkaufsstellen erhältlichen Startvorrichtungen zu verwenden und einen Sicherheitsabstand von mindestens zehn Metern einzuhalten. Es dürfen auch keine Eigenkreationen gebastelt werden. Bei Blindgängern solle man sich frühestens nach zehn Minuten nähern und nie zweimal anzünden.

Schweizer mögen Vulkane

Philipp Locher aus Schlieren weiss: «Unfälle passieren immer dann, wenn man sich nicht an die Vorgaben hält.» Als Drogist verkauft er das ganze Jahr über Feuerwerkskörper und hält damit eine Tradition aufrecht. Aufgrund ihrer Lagermöglichkeiten waren früher die Drogerien erste Adresse für Feuerwerk. Erst später stiegen auch die grossen Detailhändler in das Geschäft ein. Auch Locher bemerkte bereits den Trend zum Kauf von Batterien. Das Lieblings-Feuerwerk der Schweizer sei aber nach wie vor der Vulkan. Mit seiner langen Brennzeit verfüge dieser über das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Bei Kindern hänge es im Übrigen auch davon ab, ob die Mutter oder der Vater beim Kauf dabei ist. «Ist Papa dabei, dann muss es knallen, bei Mama muss es eher bunt sein», sagt Locher.

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