Unterengstringen
Mann wollte bei Parkplatz Wasser lösen - da schlichen sich die Räuber an

Zwei Asylsuchende aus Marokko kamen in die Schweiz und wurden gleich mehrfach straffällig. Das Bezirksgericht Dietikon hat nun beide verurteilt. Sie sollen bald ausgeschafft werden.

David Egger
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Bei einem Parkplatz an der Oberen Hönggerstrasse in Unterengstringen: Hier wollte ein Mann ins Gebüsch urinieren – das machte ihn zum leichten Opfer für die Räuber.

Bei einem Parkplatz an der Oberen Hönggerstrasse in Unterengstringen: Hier wollte ein Mann ins Gebüsch urinieren – das machte ihn zum leichten Opfer für die Räuber.

David Egger

Am 7. Juli 2016 fuhr ein Limmattaler mit dem Bus 302 nach Unterengstringen und genehmigte sich dabei ein Feierabendbierchen. Als er um 0:22 Uhr bei der Bushaltestelle Sennenbüel ausstieg, drückte seine Blase. Um sie zu entleeren, begab er sich in der Oberen Hönggerstrasse zu einem Parkplatz-Gebüsch und stellte die Bierflasche auf einen Müllcontainer. Er war nicht allein: Zwei Marrokaner aus der Bundesasylunterkunft in Bremgarten waren gleichenorts ausgestiegen und ihm gefolgt. Sie schlichen sich an. Dann riss der 43-jährige Haupttäter das Opfer zu Boden und nahm ihn in einen Würgegriff. Der 33-jährige Mittäter packte es an den Füssen. Das Opfer hatte Todesangst. Nachdem sie ihm 20 Franken und zwei Mobiltelefone abnahmen, machten sich die beiden Täter aus dem Staub.

DNA-Spuren und Würgemale

Gestern, 330 respektive 334 Tage nach der Verhaftung, mussten sie sich vor dem Bezirksgericht Dietikon verantworten. Der Haupttäter stritt die Anwendung von Gewalt ab, der Mittäter wollte sich nicht recht erinnern. Nicht nur die Bierflasche, sondern auch die Mobiltelefone und das Portemonnaie hätten auf dem Müllcontainer gelegen. Das Gericht kaufte ihnen das nicht ab. Denn unter den Fingernägeln des Opfers wurde DNA von beiden Tätern gefunden – ein Zeichen für einen intensiven Körperkontakt. Zudem wies das Opfer diverse Würgemale auf. Diese wurden auch beim Untersuch durch einen Arzt des Instituts für Rechtsmedizin um 2 Uhr nachts festgestellt. Zuvor, gleich nach der Tat, um 0:41 Uhr, ging bei der Kantonspolizei der Notruf des Opfers ein.

Das Bezirksgericht unter der Leitung von Gerichtspräsident Stephan Aeschbacher verurteilte die beiden Marokkaner. Der Haupttäter ist schuldig des Raubes und erhält 24 Monate Freiheitsstrafe. Davon sind elf Monate bereits abgesessen. Die restlichen 13 Monate wurden bedingt ausgesprochen, bei einer Probezeit von drei Jahren. Ein freier Mann ist er nun aber nicht, zumindest nicht in der Schweiz. Sein Asylgesuch wurde abgewiesen.

Diverse weitere Delikte verübt

Das Gericht ordnete an, dass er per sofort aus der Haft entlassen und dem Zürcher Migrationsamt zugeführt wird. Das heisst im Klartext, dass das Amt in den nächsten Tagen dafür zu sorgen hat, dass er aus der Schweiz ausgeschafft wird – ob in sein Herkunftsland oder seinen vorherigen langjährigen Aufenthaltsort Italien, müssen die Migrationsbehörden entscheiden. Gleiches gilt für den Mittäter. Er erhält auch eine Freiheitsstrafe von 24 Monaten, davon 11 Monate unbedingt, und zudem eine bedingte Geldstrafe von 15 Tagessätzen sowie eine unbedingte Busse von 300 Franken.

Beim Raub spielte er zwar nicht die führende Rolle. Aber das Gericht verurteilte ihn nicht nur wegen des Raubes, sondern auch wegen Sachbeschädigung, versuchten Diebstahls, Beschimpfung, Bedrohung und geringfügigen Diebstahls. Der Hintergrund: Am 9. Juli 2016 um 5:30 Uhr schlug er in Bremgarten die Scheibe eines Autos ein, um darin nach Wertgegenständen zu suchen. Blöd nur, dass er vom Autobesitzer überrascht wurde, der im Wagen schlief. Nur 90 Minuten später beschimpfte und bedrohte er in der Asylunterkunft eine Sicherheitsmitarbeiterin, unter anderem mit italienischen Fluchwörtern. Die herbeigerufene Aargauer Kantonspolizei musste ihn fesseln, damit sich die Situation beruhigte. Weitere 81⁄2 Stunden später klaute er in einem Aldi in Zürich Altstetten Waren im Wert von Fr. 52.95.

Handtasche gestohlen und Crack geraucht

Auch der Haupttäter, der im Mai 2016 in die Schweiz kam, war nicht das erste Mal kriminell: Am 9. Juli 2016 hatte ihn die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl wegen eines Handtaschen-Diebstahls per Strafbefehl verurteilt.

Beide Täter konsumierten bis zur Verhaftung regelmässig harte Drogen. Der Haupttäter rauchte beispielsweise seit fünf Jahren Crack. Er betätigte sich auch als Dieb und Räuber, um diese Drogen finanzieren zu können.