Schauplatz

Manche Kerzen sind einfach zu schön zum Verschenken

Vivienne und Luisa kühlen draussen ihre farbigen Kreationen.

Vivienne und Luisa kühlen draussen ihre farbigen Kreationen.

Anfang Dezember lädt das Massnahmenzentrum Uitikon zum Kerzenziehen. Am Mittwochnachmittag drängten sich Kinder jeden Alters um die Wachskübel.

Jetzt wird nicht mit dem Handy rumgespielt, wir kamen her, um Kerzen zu ziehen!» Das Mami braucht seinen Buben, der beim Siruptrinken vom Smartphone abgelenkt wurde, nicht zweimal aufzufordern. Schnurstraks greift er seine Kerze vom Haken an der Wand, an der die grossen und kleinen Kunstwerke aus Wachs zum Abkühlen hängen.
Das Massnahmenzentrum Uitikon bietet schon seit mehreren Jahren im Dezember den Kindern der Umgebung ein Kerzenziehen an. Während einer Woche können sich Schulklassen zum Ziehen anmelden, am Mittwochnachmittag und am Wochenende sind die Wachstöpfe für alle offen.


Die Jugendlichen, die im Massnahmenzentrum wohnen, können sich als Helfer einteilen lassen, was jeweils viele von ihnen gerne tun. «Die meisten Burschen mögen das Kerzenziehen», erzählt der anwesende Pädagoge. «Die Kinder haben jeweils eine Riesengaudi und die gute Laune wirkt auf unsere Jugendlichen ansteckend.»


Eine bunte Schar von Kindern fand sich am Mittwochnachmittag zum Kerzenziehen in Uitikon ein und die meisten von ihnen scheinen bereits Kerzen-Profis zu sein. Kaum haben sie ihre Kerze dreimal kurz in die Wachsfarbe ihrer Wahl getunkt, schon strömen sie nach draussen, um sie zu kühlen. Bei dieser Gelegenheit können auch gleich noch die Kühe und Pferde des MZU beäugt werden.


Da gibt es die klassische gerade Kerzenform, die Fusilli-Form, die Herzform und die ausgefallene Drei-Docht-Variante. Welche Kreationen sich später tatsächlich abbrennen lassen, ist im Moment noch unwichtig: Es zählt allein der Spass.
Blitzschnell wechseln die Kinder von einer Farbe zur anderen. Die jugendlichen Helfer des Zentrums haben ein gutes Auge, damit keines der Kinder durch die heissen Töpfe zu Schaden kommt, und geben den kleinen Künstlern auch Tipps, wie sie das Beste aus ihren Kreationen herausholen können.


«Mami, ich habe dir schon vorhin gesagt, dass ich eine dicke, grosse Kerze machen will», sagt Alexander bestimmt, als ihn seine Mutter auf die bereits bedrohliche Grösse seines Werks aufmerksam macht. Auf die Frage, für wen denn die Monsterfackel bestimmt sei, antwortet er stolz: «Für mich»!

Meistgesehen

Artboard 1