Limmattaler Sport

Manager, Trainer und Spieler: Der Tausendsassa aus Birmensdorf

Er will Darts in der Schweiz etablieren: Sven Gut, der als Manager, Nati-Trainer und Spieler agiert.

Er will Darts in der Schweiz etablieren: Sven Gut, der als Manager, Nati-Trainer und Spieler agiert.

Der gebürtige Birmensdorfer Sven Gut ist der neue Trainer der Schweizer Darts-Nationalmannschaft der Herren.

Da ist jeweils dieses Blitzen in seinen Augen, wenn Sven Gut beginnt, über Darts zu sprechen. So funkeln sie, wenn er von den ersten Pfeilen erzählt, die er in einem Pub in Oerlikon jeden Freitag bis in die Morgenstunden hinein ins Brett bohrte. Wenn er von seinem ersten internationalen Turnier in einer schummrigen Halle im belgischen Antwerpen berichtet. Und wenn er über seine Visionen für die Zukunft des Trendsports spricht, die er aber momentan durch die Kommerzialisierung auch bedroht sieht.

Das Gegenüber merkt rasch: Für den 35-jährigen Limmattaler ist das Pfeilewerfen weit mehr als ein Hobby – es ist seine Passion. Diese Leidenschaft kann er nun in einer neuen Funktion ausleben: Seit drei Wochen amtet Gut als Nationaltrainer der Darts-Mannschaft. Damit kann er diese Sportart, die hierzulande noch immer um Anerkennung und den endgültigen Durchbruch kämpft, aktiv mitbeeinflussen. Diese neue Position sei eine grosse Herausforderung, sagt er. «Man will einerseits an die Erfolge der letzten Zeit anknüpfen, man will aber andererseits auch gewisse Dinge ändern.»

Kaum Beachtung trotz Erfolgen

Wenn Gut von Erfolgen spricht, meint er damit etwa den Europameistertitel von Fiona Gaylor im September letzten Jahres, die wohl grösste Sensation in der Geschichte des Schweizer Dartssports. Oder den dritten Rang der Schweizer Männerequipe an der Weltmeisterschaft 2017.

Gut spricht von Erfolgen, die trotz ihrer potenziellen Tragweite kaum Resonanz erzeugen. Denn sie finden nicht auf der feuchtfröhlichen Bühne des grossen Weltverbandes PDC statt, der die populäre WM im Londoner Alexandra Palace austrägt, sondern im vergleichsweise stillen Kämmerlein des kleineren WDF-Verbandes. Ohne Kameras. Ohne Spektakel. Ohne absolute Topstars. Und ohne grosses Preisgeld.

Die Schweizer Darts-Realität, sie fristet ein Schattendasein. Denn im Scheinwerferlicht der PDC hat es für Schweizer kaum einmal Platz. Zu dominant agieren dort Briten, Niederländer oder die Nachbarn aus Deutschland. Das sind Nationen, die der Schweiz strukturell um Längen enteilt sind.

«Im internationalen Vergleich haben wir gemerkt, dass es von der Betreuung der Spieler her Defizite gibt. Alleine, wenn andere Nationen beispielsweise mit zwanzig Betreuern an ein Turnier reisen und wir bloss mit drei oder vier. Uns wurde klar, dass wir hier einfach ein paar Elemente mehr brauchen, um Schritt halten zu können», so Gut.

Der Schweizer Dartsverband überdachte und reformierte seine Strukturen. Das Resultat: Nationaltrainer Thomas Gerock wurde in das neu geschaffene Amt des Head Coachs über alle drei Kader – Herren, Damen und Jugend – befördert, Gut zum neuen Herrentrainer ernannt. Für den heute in Dübendorf wohnhaften Gut bedeutete der Wechsel auf die Trainerposition Neuland, war er doch zuvor als Manager und Berater zahlreicher Schweizer Dartsspieler vor allem organisatorisch tätig und hatte sich so einen Namen in der Szene gemacht.

Im Zuge der letztjährigen EM in Ungarn bat Gerock den in der Dartsbranche bestens vernetzten Limmattaler, die Nationalmannschaft zu begleiten. «Er gab mir nur eine Aufgabe», sagt Gut rückblickend. «Ich sollte darauf achten, was meiner Meinung nach organisatorisch und kommunikativ falsch läuft. Schon nach dem ersten Tag hatte ich unzählige Fragen, warum man gewisse Dinge so macht und nicht anders.»

Guts Arbeit hinterliess Spuren, man wollte ihn als zusätzliche Instanz in den Staff einbinden. Als Nationaltrainer, der mithelfen soll, die Strukturen des Schweizer Dartssports zu professionalisieren. Eine Herkulesaufgabe. Denn, obwohl ein funktionierendes Liga-System und spielerisches Potenzial vorhanden sind, fehlt es dem Darts in der Schweiz vor allem an Geld.

Sven Gut, Trainer der Schweizer Darts-Nationalmannschaft der Herren

«Darts findet zu 80 Prozent im Kopf statt»

Sven Gut, Trainer der Schweizer Darts-Nationalmannschaft der Herren

Trainingslager oder Gehälter für die Spieler sind Wunschdenken. Auch Teile der Reisespesen an die jährlichen WDF-Turniere müssen die Akteure – nebst der Kosten für ihre Einzelturniere – selber berappen.

Trainer, Manager, Angestellter

Gänzlich in die Darts-Welt abtauchen kann Gut, der in Birmensdorf das Brüelmatt-Schulhaus besuchte, indes noch nicht. Denn wie sämtliche Schweizer Spieler kann auch deren Coach nicht vom Pfeilewerfen leben. Er verdient deshalb seinen Lebensunterhalt in einem Bürojob, nachdem er zuvor eine lange Militärkarriere absolvierte.

Seine Zukunft sieht er jedoch nicht primär im Trainerberuf, sondern im Management, wo er dereinst auch internationale Darts-Cracks betreuen möchte. Ein Leben zwischen Turnieren, Flughäfen, Vertragsverhandlungen und Mobiltelefonen könne er sich gut vorstellen, sagt Gut.

Deshalb bleibt er auch als Nati-Trainer in erster Linie Manager. Dies, obwohl einige seiner Schützlinge dem Nationalkader angehören, aus welchem er jeweils vier Spieler für die grossen Turniere selektioniert. Er sieht hier keinen Interessenskonflikt: «Momentan muss ich etwas den Spagat zwischen Manager und Trainer machen. Es heisst ziemlich schnell, man sei voreingenommen. Doch das bin ich absolut nicht, das ist mir wichtig. Ich würde auch einen meiner Schützlinge aus der Nati streichen, wenn dessen Leistung nicht stimmt. Das habe ich den Spielern auch unmissverständlich klar gemacht.»

Neben der Kaderselektion kommen auf Gut als Nati-Trainer diverse weitere Aufgaben zu. So ist er etwa auch für die mentale Betreuung der Spieler zuständig: «Darts findet zu 80 Prozent im Kopf statt, da muss man natürlich immer auf der Hut sein und merken, wenn sich ein Problem anbahnt bei einem Spieler.»

Trotz Team ein Einzelsport

Dies erschwert sich für einen Nationaltrainer insofern, als dass Darts in erster Linie ein Einzelsport ist. Die Spieler absolvieren einen grossen Teil ihres Trainings- und Turnierpensums alleine.

Nur bei den Nati-Zusammenzügen wird gemeinsam trainiert. Dort will Gut an Taktik und Technik feilen und die Akteure an die Wettkampfwelt heranführen. Über die nötige Erfahrung dazu verfügt der Mann, der nebst seinen zahlreichen Mandaten nach wie vor selbst in der Liga und bei Turnieren am Board steht.

Auf die Frage, ob es nicht problematisch sei, gegen seine Schützlinge anzutreten, entgegnet Gut scherzhaft: «Das funktioniert bestens – weil ich sowieso meistens der erste bin, der draussen ist.» Ihm geht es als Spieler vorderhand nicht ums Gewinnen, sondern um die Liebe zum Sport. Manager, Trainer, Spieler: Sven Guts Welt hat wahrlich die Form einer Dartsscheibe.

Als Nati-Trainer ist Gut ambitionierter, wie er zugibt. Sein Ziel sei es, mit seinen Kollegen im Verband etwas Langfristiges aufzubauen, den Schweizer Dartssport von der Basis her weiterzuentwickeln und die Sportart weiter zu etablieren. Wer dabei seine Augen vor Entschlossenheit blitzen sieht, weiss: Er meint es ernst.

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