Uitikon
Man soll zweimal möglichst gleich schnell schwimmen

90 Teilnehmer aus der ganzen Schweiz haben am Differenzschwimmen des Behindertensportclubs Limmattal teilgenommen. Dabei kommt es nicht auf die Schnelligkeit an, sondern darauf, dass man zwei Mal möglichst gleich schnell schwimmt.

Ly Vuong
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Die Freude steht im Vordergrund: Felix Caprez witzelt vor dem Start mit Zeitstopperin Nathalie Dietiker.

Die Freude steht im Vordergrund: Felix Caprez witzelt vor dem Start mit Zeitstopperin Nathalie Dietiker.

Ly Vuong

«Das Wasser hier ist weniger nass als in Urdorf, deshalb schwimmen wir hier besser», scherzt Roman Gasapini. Gasapini wurde, als er sieben Jahre alt war, von einem Auto angefahren. Nun sitzt er am Rand des Schwimmbeckens im Hallenbad Uitikon, witzelt etwas mit seinen Kollegen Felix Caprez und Roman Brumann herum und wartet auf den Start des schweizerischen Differenzschwimm-Wettkampfs.

«Es gibt drei Strecken, die die Teilnehmer mit geistiger oder körperlicher Behinderung absolvieren können», sagt Organisatorin Elsbeth Fuhrer vom Behindertensportclub BSC Limmattal. Nämlich 25, 50 und 100 Meter. Beim Differenzschwimmen kommt es dabei nicht auf die Schnelligkeit an – sondern auf die Ausgeglichenheit: Man misst zweimal die Zeit, die ein Schwimmer für die gleiche Strecke braucht. Und je geringer die Differenz zwischen den beiden Zeiten ist, desto besser ist es, erklärt Fuhrer den Wettbewerb.

Wöchentliches Training

Gute Voraussetzungen scheint Felix Caprez zu haben. Er macht den Eindruck, die Ruhe in Person zu sein. Nervös vor dem Wettbewerb sei er auch nicht, verrät er fröhlich. Denn er habe bereits im Januar auf das Differenzschwimmen hintrainiert, und zwar einmal wöchentlich beim BSC Limmattal, bei dem er schon seit zwölf Jahren dabei ist.

«Im Behindertensportclub spielen wir Pétanque, Netzball, Unihockey und machen auch Konditionsübungen», erzählt der gebürtige Bündner und gelernte Hilfsgärtner, der bei der Geburt zu wenig Sauerstoff bekam und an cerebraler Bewegungsstörung leidet. Auf die Frage, was seine Behinderung genau bedeutet, meint Caprez, dass er Schwierigkeiten habe, mehrere Sachen gleichzeitig zu machen, und dass er etwas langsamer als andere sei. Aber Auto fahren könne er trotzdem, ergänzt er.

Für den Wettbewerbstag, auf den er sich schon lange gefreut hat, ist er für einen Samstagmorgen ungewöhnlich früh aufgestanden, nämlich bereits um sechs Uhr. Nach Zopf, Schinken und Kaffee hat er seine Kollegen Gasapini und Brumann mit dem Auto abgeholt. Und auf der Hinfahrt hat er auch noch den Weg zum Hallenbad für die anderen Teilnehmer mit Fahnen markiert. Caprez kennt sich aus; er nimmt bereits zum 15. Mal an diesem Differenzschwimm-Wettbewerb teil.

Sprücheklopfer, Macher, Stratege

Gasapini und Brumann kennt Caprez vom BSC Limmattal. Sie sind ein gutes und eingespieltes Team. Gasapini ist der Sprücheklopfer, Caprez der stille Macher und Brumann der Stratege. Nachdem alle drei ihre Disziplin absolviert haben, treten sie zusammen mit Emi Dogliotti auch noch zum Staffel-Schwimmen an. Das Staffelschwimmen, an dem die 90 Teilnehmer zu 20 Teams zusammengefasst starten, ist der letzte Teil des Differenzschwimm-Wettbewerbs, bei dem die Teilnehmer aus der ganzen Schweiz gemeinsam den Tag abschliessen können.

Die anschliessende Rangverkündigung ist dann eine grosse Jubelparty. Denn jeder Teilnehmer erhält eine Medaille und einen Schokohasen. Trotz der Freude, die ihm das Mitmachen bereitete, ist Caprez etwas enttäuscht über seine Einzelleistung. Er sehe Verbesserungspotenzial, sagt er. Beim Staffelschwimmen hat sein Team aber mit einer Glanzleistung und einer Differenz von nur 0,08 Sekunden gewonnen. Wie bei Wettbewerben üblich, liegen Freude und Enttäuschung eng zusammen. Und doch weiss Organisatorin Fuhrer, dass sich die Sportler alle bereits auf nächstes Jahr freuen. Ginge es nach ihm, dann könnte der Wettbewerb auch zweimal jährlich stattfinden, sagt Caprez schmunzelnd.

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