Grasshopper Club Zürich

«Man ist als Trainer auch Psychologe»: U15-Trainer Selcuk Sasivari will jeden Spieler weiterentwickeln

Selcuk Sasivari (im weissen Shirt) fordert während des Trainings viel von seinen Spielern.

Selcuk Sasivari (im weissen Shirt) fordert während des Trainings viel von seinen Spielern.

Der Fahrweider trainiert seit zwei Wochen die U15-Mannschaft vom Grasshopper Club Zürich.

Es passiert bei einem Zweikampf. Ein Junge grätscht einem anderen den Ball weg und trifft diesen am Bein. Der Gefoulte fällt hin, hält sich den Knöchel, das Gesicht verzerrt vor Schmerz. Dann steht er abrupt auf, ist sichtlich aufgebracht. «Ruhig!», ruft ihm Selcuk Sasivari zu. «Hey, das ist nur ein Training. Und manchmal knallt es eben. Das ist normal. Weiter geht’s!»

Sasivari, der Trainer der U15-Mannschaft vom Grasshopper Club Zürich, klingt in diesem Moment wie ein Vater, der zu seinem Sohn spricht. Er, der während der zweistündigen Trainingseinheit seines Teams auf dem GC-Campus in Niederhasli von seinen Schützlingen immer volle Einsatzbereitschaft und Leistung fordert, selbst an einem solch heissen Tag wie diesen Mittwoch. «Man ist als Trainer auch Psychologe», sagt der Fahrweider.

Vergangene Woche hat Sasivari die U15-Fussballer von GC übernommen. Zuvor hatte er ein Jahr lang die Mannschaft von FE-13 GC Limmattal in der Dornau trainiert und davor die FE-12. Eigentlich wäre er für die kommende Saison als Coach der FE-14-Mannschaft vorgesehen gewesen, doch bald stellte sich heraus, dass er auch als Kandidat für die U15 gehandelt wurde. Als er dann zu seiner Überraschung tatsächlich angefragt wurde, die U15 zu übernehmen, zögerte er keinen Augenblick: «Für mich gab es da überhaupt nichts zu diskutieren.» Er bekam den Trainerposten. Für den 27-Jährigen der grösste Moment in seiner bisherigen Karriere als Trainer: «Eine Mannschaft wie die U15 oder U16 bei GC zu übernehmen, war mein Ziel, und das habe ich geschafft.» Und warum ausgerechnet bei GC? «Ich bin GC-Fan und verfolge auch die Spiele der Grasshoppers mit», verrät er. «GC ist als Verein riesig und Rekordmeister.»

Als Trainer der jüngeren U-Mannschaften hat er auch schon einige Prominente auf dem GC-Campus getroffen, zum Beispiel Johann Vogel und Boris Smiljanic, die beide im Nachwuchs des Vereins arbeiten. «Von ihnen habe ich sehr viel gelernt», sagt Sasivari. Doch auch von den Ausbildungschefs habe er viel Unterstützung erhalten. «Der Verein ist wie eine Familie», schwärmt Sasivari.

Tipps während Trinkpausen

Diese Familie hat aber auch klare Ziele, die sie erreichen möchte – selbst im Nachwuchsbereich. Dort geht es allerdings weniger um gute Tabellenränge als vielmehr um die individuelle Förderung. So sollen sich die Jugendlichen in jedem Jahr verbessern. «Meine Aufgabe ist es, jeden meiner 25 Spieler im Kader weiterzuentwickeln», sagt Sasivari. Dazu wird jede Gelegenheit genutzt. Selbst in den kurzen Trinkpausen gibt Sasivari seinen Schützlingen Tipps. Und nach dem immerhin zwei Stunden dauernden Training gehen die meisten von ihnen noch freiwillig in den Kraftraum.

Auch technische Hilfsmittel, die man von den Profiteams kennt, stehen im Nachwuchsbereich zur Verfügung, zum Beispiel Videoanalysen. Anders als bei den Profis werden die Videos aber nicht zum Analysieren der nächsten Gegner genutzt. «Wir fokussieren uns auf uns, denn wir wollen den Spielern zeigen, wo sie sich noch verbessern können», sagt Sasivari. Gleichzeitig lege man aber auch viel Wert darauf, dass die Jungen in der Schule erfolgreich sind. «Denn was, wenn sich ein Spieler, der alle Juniorenmannschaften durchlaufen hat, plötzlich verletzt und nicht mehr Fussball spielen kann?», fragt der Fahrweider. «Sie müssen auch in der Schule gute Noten haben, damit sie eine Ausbildung machen können.»

Klingt alles sehr professionell. Und genau das gefällt Sasivari. «Ich arbeite lieber mit klaren Vorgaben, an die man sich hält», meint er. «Dazu gehören für mich unter anderem auch Pünktlichkeit und Loyalität.» Zwei Eigenschaften, die im Amateurbereich nicht immer vorhanden seien. Da blieben Spieler schon mal dem Training fern, weil sie etwas anderes vorhatten. «So etwas würde mich als Trainer wahnsinnig machen.»

Spieler und Trainer in einem

Man spürt: Sasivari lebt für den Fussball, auch wenn sein Hauptberuf mit der Sportart wenig zu tun hat: Sasivari ist als Informatiker in einem Hotel tätig. Sein Trainerjob ist bei einem Pensum von 40 Prozent genau genommen eine Nebenbeschäftigung. Und trotzdem nimmt der Fussball am meisten Zeit in seinem Leben ein, da er in seiner Freizeit auch noch in der 2. Liga für den FC Schlieren spielt – als Aussenverteidiger. «Ich bin schon vorher Trainer und Spieler in einem gewesen», sagt er. «Das ist eigentlich immer gut gegangen, ich habe auch im letzten Jahr kein Training verpasst.» Einzig bei den Spielen habe er manchmal passen müssen.

Dieses Jahr könnte er jedoch mehr als nur ein paar Partien fehlen. «Ich weiss nicht, ob ich weiterhin so mit Schlieren trainieren kann», sagt er. «Mit der U15 haben wir vier Trainings pro Woche, dazu noch ein Meisterschaftsspiel am Wochenende – und das irgendwo in der Schweiz.» Ein Entscheid, wie intensiv er nächste Saison noch Fussball spielen werde, sei aber noch nicht gefallen. «Für mich hat GC einfach Priorität.»

Als Aktiver möchte Sasivari also zurückstecken. Als Trainer hat er noch viel vor. Ende Oktober legt er die Prüfung für das Uefa-A-Diplom ab, mit dem er als Assistenztrainer in der Challenge oder in der Super League arbeiten könnte. Doch das ist ein Fernziel des 27-Jährigen. «Vorerst bin ich U15-Trainer, und da will ich mich beweisen», sagt Sasivari. Oder um es in seinen Worten auszudrücken: Weiter geht’s!

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